Susan Sontag

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Susan Sontag im Jahr 1994

Susan Sontag, geborene Rosenblatt (* 16. Januar 1933 in New York City, New York; † 28. Dezember 2004 ebenda) war eine amerikanische Schriftstellerin, Essayistin, Publizistin und Regisseurin. Sie war bekannt für ihren Einsatz für Menschenrechte sowie als Kritikerin der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.[1]

Leben[Bearbeiten]

Susan Sontag wurde als Tochter des Exportkaufmanns Jack Rosenblatt und der Lehrerin Mildred Jacobsen geboren. Beide Elternteile waren Juden. Während die Eltern in der Republik China waren, wurde sie von den Großeltern aufgezogen.

Ihr Vater erkrankte und starb an Tuberkulose, als sie fünf Jahre alt war. Die Mutter heiratete erneut; der Name des Stiefvaters war Sontag.

1949 ging Susan Sontag an die Universität in Chicago und studierte Literatur, Theologie und bei Leo Strauss Philosophie. 1950 – mit 17 Jahren – heiratete sie den Soziologen Philip Rieff. Mit ihm gemeinsam veröffentlichte sie eine Studie über den Einfluss von Sigmund Freud auf die moderne Kultur. Seit 1988 lebte sie in einer Beziehung mit der Fotografin Annie Leibovitz.

Susan Sontags Grab auf dem Cimetière Montparnasse

Susan Sontag wohnte im New Yorker Stadtteil Chelsea. Als öffentlich stark wahrgenommene Intellektuelle war sie aktiv u.a. im New York Institute for the Humanities, zu dessen Mitgliedern sie gehörte. Sie trat als scharfe Kritikerin der Bush-Regierung, insbesondere des Irakkriegs, in Erscheinung. Neben Mary McCarthy und Joan Didion galt sie als die US-amerikanische femme de lettres.

Große Anerkennung fanden ihre Essays zur Ästhetik und Hermeneutik in Fotografie, Film, Literatur und Kunst. Umstritten war ihre Haltung zum Werk Hans-Jürgen Syberbergs, dessen Film Hitler, ein Film aus Deutschland (1977) sie gelobt hatte. In verschiedenen Bereichen war sie auch für Theater und Film tätig. 1993 inszenierte sie während des Bosnienkrieges in Sarajevo das Theaterstück Warten auf Godot von Samuel Beckett. Der Platz vor dem Staatstheater in Sarajevo wurde nach ihr benannt.

Sontag starb Ende 2004 im Alter von 71 Jahren in New York an Leukämie und wurde auf dem Cimetière Montparnasse in Paris beigesetzt. Über ihre letzten Tage schrieb ihr Sohn, der Journalist und Autor David Rieff, das Buch Tod einer Untröstlichen, das 2009 im Carl Hanser Verlag erschien.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

1990 war sie MacArthur Fellow.

Im Jahr 2000 wurde Sontags Roman In America mit dem National Book Award ausgezeichnet, dem bedeutendsten Buchpreis der USA.

Im Mai 2001 bekam sie den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft während der israelischen Buchmesse in Jerusalem. Bei seiner Entgegennahme sorgte sie mit heftiger Kritik am Staat Israel und dessen Politik in den Palästinensischen Autonomiegebieten für Aufsehen.

Im Sommersemester 2003 hatte Susan Sontag die Tübinger Poetik-Dozentur inne und wurde für ihre Leistungen mit dem Ehrendoktor der Universität Tübingen ausgezeichnet.

Sontag wurde als Vermittlerin zwischen den Vereinigten Staaten und Europa am 12. Oktober 2003 in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Die Laudatio hielt Ivan Nagel, der die Preisträgerin als „gelernte Europäerin“ bezeichnete.[2] Das demonstrative Fernbleiben des US-Botschafters Daniel Coats während der Zeremonie kritisierte Sontag in ihrer Dankesrede, in der sie die wachsende Kluft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu überwinden suchte. Im selben Jahr war in Deutschland ihr Buch Das Leiden anderer betrachten erschienen.

Ebenfalls 2003 erhielt Sontag, zusammen mit Fatima Mernissi, den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Geisteswissenschaften und Literatur.

Die Stadt Sarajevo hat am 14. Januar 2010 den Theatervorplatz nach ihr benannt.[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Alice in Bed, deutsch: Alice im Bett: Stück in acht Szenen, übersetzt von Wolfgang Wiens, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-88661-123-2.
  • Baby U: Thalia Theater Hamburg 1994
  • Die Frau vom Meer U: Teatro Communale Ferrara 1998; DE: Deutsches Theater Berlin 2003

Essays und andere Schriften[Bearbeiten]

  • Notes on „Camp“ 1964.[4]
  • Against Interpretation 1964, im Web (die ersten vier Abschnitte)
  • Against Interpretation, and Other Essays (1966, deutscher Titel: Kunst und Antikunst. Essays. Carl Hanser Verlag, München 1980 ISBN 3-446-20428-8).
  • Trip to Hanoi (1969, deutscher Titel Reise nach Hanoi. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1969. – In dem darin enthaltenen Essay The Pornographic Imagination erläutert Sontag die Legitimität der Pornografie als literarisches Genre. Als Beispiele für anspruchsvolle im Gegensatz zu Trivialpornografie führt sie hierbei Pauline Réages Geschichte der O, Georges Batailles Die Geschichte des Auges und Catherine Robbe-Grillets L'Image an.)
  • Styles of Radical Will (1969, TB: Penguin 2009, ISBN 978-0-14-119005-1; deutsche Übersetzung von Jörg Trobitius: Gesten radikalen Willens. Essays, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. ISBN 978-3-596-18945-8).
  • On Photography (1977, deutscher Titel Über Fotografie. Carl Hanser Verlag, München 1978. ISBN 3-446-12428-4.)
  • Illness as Metaphor (1978, deutscher Titel Krankheit als Metapher. ISBN 3-446-20425-3)
  • Under the Sign of Saturn (1980, deutscher Titel Im Zeichen des Saturn. Essays über E. M. Cioran, Antonin Artaud, H. J. Syberberg, Roland Barthes, Leni Riefenstahl, Walter Benjamin, Elias Canetti. ISBN 3-446-13126-4).
  • Aids and Its Metaphors (1989, deutscher Titel Aids und seine Metaphern. In: Krankheit als Metapher. Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 2003, ISBN 978-3-596-16243-7).
  • On Howard Hodgkin (1995, dtsch.: Über Howard Hodgkin. In: Howard Hodgkin. Retrospektive 1975 bis 1996. Ed. Tertium, Düsseldorf/Ostfildern 1996, ISBN 3-930717-37-9).
  • Dort und hier. Die Intellektuellen, der Krieg und das Streben nach Glück. In: Lettre International, Nr. 31, Winter 1995.
  • Regarding the Pain of Others (2003, deutscher Titel Das Leiden anderer betrachten. ISBN 3-446-20396-6 – Essay über die Kriegsfotografie, in dem Sontag teilweise die Aussagen ihres früheren Essays On Photography revidiert).
  • Geist als Leidenschaft. In: Hüter der Verwandlung. Beiträge zum Werk von Elias Canetti, S. 111–121.
  • Zur gleichen Zeit. Aufsätze und Reden. Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23004-0.[5]
  • Wiedergeboren. Tagebücher 1947–1963. Herausgegeben von David Rieff, übersetzt von Kathrin Razum, Carl Hanser, München 2010. ISBN 978-3-446-23944-9.
  • Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke: Tagebücher 1964–1980. Herausgegeben von David Rieff, übersetzt von Kathrin Razum, Carl Hanser, München 2013. ISBN 978-3446243408.

Literatur[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

Regie und Drehbuch[Bearbeiten]

  • 1969 Duett för kannibaler (Duet for Cannibals)
  • 1971 Broder Carl (Brother Carl)
  • 1974 Promised Lands
  • 1983 Unguided Tour AKA Letter from Venice

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • 1966 Galaxy
  • 1979 Town Bloody Hall
  • 1983 Zelig (Interview)
  • 1984 Mauvaise conduite
  • 1987 Do Not Enter: The Visa War Against Ideas
  • 1991 Joseph Cornell: Worlds in a Box
  • 2003 Die Liebhaberin des Vulkans – Mit Susan Sonntag in New York
  • 2003 Campus, le magazine de l'écrit
  • 2006 Absolute Wilson

Fernsehen[Bearbeiten]

  • 1965 Monitor – (Folge: Always on Sunday) und (Folge: Cheese! Or What Really Did Happen in Andy Warhol's Studio) (TV–Serie)
  • 1972 Vive le cinéma – Episode vom 15 Oktober 1972 (TV–Serie)
  • 1984 Àngel Casas Show – (Episode 124) (TV–Serie)
  • 1989 The Poet Remembers (Spielfilm)
  • 1989 Everyman – Just an Illness (TV–Serie)
  • 2002 Negro sobre blanco – (Episode vom 8. Dezember 2002) (TV–Serie)
  • 2003 Alexandria – (Episode vom 11. November 2003) (TV–Serie)
  • 2011 Susan Sontag. Denkerin und Diva. [7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Kleine-Brockhoff: Die Revisionistin. Susan Sontag gilt bei uns als Kritikerin der USA. Tatsächlich ändert sie ihre Meinung gern und oft. In: Die Zeit, 26. Juni 2003, Nr. 27, S. 34.
  2. Urkunde 2003 abgerufen am 29. November 2013.
  3. FENA Agencija: Susan Sontag dobila svoj trg u Sarajevu (Bosnian) Oslobodjenje.ba. 14. Januar 2010. Abgerufen am 21. August 2011.
  4. Vollständiger Text online auf interglacial.com
  5. Deutschlandfunk: Der ununterbrochene Dialog, Rezension zu Zur Gleichen Zeit, 20. März 2008.
  6. Ursula März: Kultfigur der Literaturszene, DKultur, 16. Januar 2008, Rezension der Biografie Daniel Schreibers
  7. Inhaltsangabe der Domumentation bei arte.tv. Abgerufen am 24. August 2013.