Frankfurter Buchmesse

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Frankfurter Buchmesse
2011 eingeführtes Logo der Frankfurter Buchmesse

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Branche Bücher
Ausstellungsort Messe Frankfurt
Website www.buchmesse.de
Letzte Ausstellung
Datum 9. Oktober 2013 bis
13. Oktober 2013
Besucher 276.000 Besucher
143.000 Fachbesucher[1]
Früheres Logo der Messe

Die Frankfurter Buchmesse ist eine internationale Buchmesse, die jährlich im Oktober auf dem Gelände der Messe Frankfurt stattfindet. Sie wurde 1949 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet. Seit 1976 wurden regionale und thematische Schwerpunkte gebildet; seit 1988 stellt sie in jedem Jahr die Literatur und Kultur eines Gastlandes besonders heraus. Während der Buchmesse werden der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der Deutsche Jugendliteraturpreis und viele andere Branchenauszeichnungen verliehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Buchkatalog zur Frankfurter Fastenmesse 1573

Die Frankfurter Buchmesse hat eine mehr als 500-jährige Tradition. Eine Buchmesse in Frankfurt am Main gab es schon in der frühen Neuzeit, nachdem Johannes Gutenberg in Mainz, nur wenige Kilometer von Frankfurt entfernt, den Buchdruck revolutioniert hatte und die Buchdrucker Johannes Fust, Peter Schöffer und Konrad Henckis die Frankfurter Messe zum Umschlagsort des den Handschriftenhandel ablösenden Verlagsbuchhandels machten.

Bis in die Zeit des späten 17. Jahrhunderts blieb Frankfurt am Main die zentrale Buchmesse-Stadt Europas. Die politischen und kulturellen Umwälzungen in Folge der Reformation beeinträchtigten allerdings zunehmend die Geschäfte. Als verhängnisvoll erwies sich vor allem die Zensur durch die Kaiserliche Bücherkommission, die sich als Speerspitze der katholischen Gegenreformation verstand. Frankfurt wurde schließlich von der Leipziger Buchmesse in der Zeit der Aufklärung in seiner Rolle verdrängt. Erst zwei Jahrhunderte später lebte die Buchmesse in Frankfurt infolge der Teilung Deutschlands wieder auf: 205 deutsche Aussteller versammelten sich vom 18. bis 23. September 1949 in der Frankfurter Paulskirche zur ersten Buchmesse der Nachkriegszeit. Schon wenige Jahre später stellten allerdings ausländische Aussteller die Mehrheit; die Frankfurter Buchmesse wurde zur ersten wirklich internationalen Veranstaltung ihrer Art.

Während der Frankfurter Buchmesse werden zahlreiche Preise verliehen.[2] Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist dabei der politisch bedeutendste. Daneben gibt es viele weitere Branchenauszeichnungen, teils ernsthafter Art, wie etwa der Deutsche Jugendliteraturpreis oder der getAbstract International Book Award[3] für Wirtschaftsbücher, teils weniger ernsthafter Art, wie der seit 1979 verliehene Diagram-Preis für den ungewöhnlichsten englischsprachigen Buchtitel des Jahres. Seit 2008 gibt es einen entsprechenden Preis für deutschsprachige Titel, die als kurioseste Buchtitel des Jahres ausgezeichnet werden.

Seit 1993 steht die Frankfurter Buchmesse auch für Elektronische Medien offen.[4] Die Messe zeigte damit, gegen viele Widerstände im Verband und in der Öffentlichkeit, ein deutliches Zeichen für die zukünftige Entwicklung der Buchbranche. Seit 2003 stellt sich die Frankfurter Buchmesse zunehmend in den Dienst des Buch-Marketings. Dazu wurden zunächst sieben Präsentationsforen in den verschiedenen Hallen eröffnet. Die Einrichtung des Forum Film & TV diente gleichzeitig der Einbindung neuer Kunden- und Ausstellergruppen. Dieses Prinzip wurde 2011 durch die Einrichtung von HotSpots fortgeführt. Vortragsveranstaltungen finden unter anderem über Hörbücher und das Moderne Antiquariat auch im Übersetzer- und Bibliothekars-Zentrum statt. Seit 2005 ist die erste Frankfurter Antiquariatsmesse angeschlossen. Auch erstmals 2005 wurden eine gemeinsame Branchendarstellung für Zeitschriftenverlage der Fach-, Publikums- und Internationalen Presse sowie eine Gemeinschaftsausstellung Spiele & Spielen mit der Spielwarenmesse Nürnberg eingerichtet und ein mit 37.500 Euro dotierter Deutscher Buchpreis an Arno Geiger verliehen.

Im Juni 2006 fand als Joint-Venture die erste Buchmesse Kapstadt, die Cape Town Bookfair, statt. Die Buchmesse gründete 2006 den „Schwerpunkt Bildung“ mit Litcam, einer Literarisierungskampagne, die gegen Analphabetismus in Deutschland und in aller Welt kämpft. 2007 startete in diesem Zusammenhang u. a. ein Kurzgeschichten-Projekt (Who’s on the line? Call for free) von und über Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gab 2008 erstmals eine kostenlose Buchmesse-Zeitung heraus. Sie erschien täglich mit 24 Seiten und einer Auflage von 40.000 Exemplaren.

2009 fand die Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober statt und wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen stellvertretenden chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping eröffnet. Erneut wurden Aussteller aus 100 Ländern erwartet, jedoch 400 weniger als im Vorjahr.[5] Für Kritik sorgte die Auswahl des Gastlandes China. Auf einem im Vorfeld der Buchmesse veranstalteten China-Symposium Mitte September verließ ein Großteil der chinesischen Delegation den Saal, nachdem die regierungskritischen Schriftsteller Bei Ling und Dai Qing das Wort ergriffen hatten. Beide waren zuvor auf Druck Chinas ausgeladen worden, jedoch trotzdem angereist. Buchmesse-Direktor Juergen Boos entschuldigte sich daraufhin bei der Delegation und räumte später „unnötige Kompromisse“ bei der Planung der Tagung ein.[6]

2010 zählte die Buchmesse insgesamt 279.325 Besucher, davon kamen 175.311 Personen an den drei Fachbesuchertagen auf die Messe. Etwa 10.000 Journalisten aus 63 Ländern berichteten von der Messe. 2010 gab es 7.539 Aussteller aus 111 Ländern.[7]

Seit 2011 veröffentlicht die Frankfurter Buchmesse keine detaillierten Ausstellerstatistiken. In diesem Jahr nahmen etwa 280.000 Besucher an der Messe teil, nach Veranstalterangaben kamen 7.384 Anbieter aus 106 Ländern nach Frankfurt.[8][9]

2012 fand die Buchmesse vom 10. bis 14. Oktober statt. Mit insgesamt 281.753 Besuchern war die Resonanz etwas größer als im vorhergehenden Jahr.[10]

2013 fand die Messe vom 9. bis 13. Oktober statt. Nach vorläufigen Schätzungen kamen gut 276.000 Besucher an den Publikumstagen und etwa 143.000 Fachbesucher, was einem Rückgang von jeweils 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach.[1]

Funktion der Messe[Bearbeiten]

Messegelände der Frankfurter Buchmesse (2005)
Innenhalle der Frankfurter Buchmesse (2008)

Die Buchmesse dient als Fachmesse in erster Linie Verlegern, Agenten, Buchhändlern, Bibliothekaren, Wissenschaftlern, Illustratoren, Dienstleistern, Filmproduzenten, Übersetzern, Druckern, Verbänden, Künstlern, Autoren, Antiquaren, Software- und Multimedia-Anbietern zur Vorstellung ihres Angebots und dem Abschluss von Geschäften. Der Handel mit Buchlizenzen/-rechten findet in einem eigenen Agentencenter statt.

Die Buchmesse ist nur in zweiter Linie eine Messe für das allgemeine Publikum, das nur an den letzten beiden Messetagen zugelassen ist.

Die Frankfurter Buchmesse fördert in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut und anderen Institutionen die Übersetzung deutscher Literatur im Ausland. Dazu werden jedes Jahr rund 25 Beteiligungen an Buchmessen in aller Welt organisiert. Zur Übersetzungsförderung wurden seit Anfang der 1990er Jahre in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Buchinformationszentren gegründet, die inzwischen allerdings unter der Bezeichnung German Book Office stark in die Vertriebsarbeit der Messe eingebunden sind. Derzeit gibt es ständige Präsenzen in New York, Peking, Moskau, Bukarest und New Delhi. Darüber hinaus existieren Stipendienprogramme wie das vom Auswärtigen Amt finanzierte Einladungsprogramm für Verleger aus Afrika, Asien und Lateinamerika und das Frankfurt Fellowship, das sich an den verlegerischen Nachsuchs richtet. Zum 50. Jubiläum der Buchmesse wurde 1998 das Programm Städte der Zuflucht lanciert, das, unterstützt von der Stadt Frankfurt, verfolgten Schriftstellern für jeweils ein Jahr den Aufenthalt in Frankfurt ermöglicht.

Unter der Dachmarke Frankfurt Academy bündelt die Frankfurter Buchmesse ihre ganzjährigen internationalen Konferenzaktivitäten. Die Konferenzen richten sich an Zielgruppen aus den Medienbranchen, meist im Bereich Publishing.

Da die Bekanntgabe des Gewinners des Nobelpreises für Literatur häufig in die Messewoche fällt, ist die Buchmesse traditionell auch das erste größere Forum des Verlages, der die Werke des neuen Nobelpreisträgers im Programm hat.

Jedes Jahr erneuern sich die Anbieter auf 30 Prozent der Fläche – gleich viele entfallen. Man akquiriert zunehmend technologieaffinere Aussteller und Anbieter neuer Vertriebswege zur Buchmesse.[11]

Leitung der Buchmesse[Bearbeiten]

Von 1949 bis 1957 leitete Wilhelm Müller die Buchmesse, ihm folgte bis 1974 Sigfred Taubert, vorher Leiter der Pressestelle des Börsenvereins und Pressesprecher der Buchmesse. 1975 übernahm Peter Weidhaas den Posten des Buchmesse-Direktors sowie des Geschäftsführers der Ausstellungs- und Messe-GmbH. Er war zuvor Leiter des Ausstellungsreferats der Buchmesse. Peter Weidhaas verfasste einen Band zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse sowie zwei Bände einer Autobiographie, dessen zweiter sich mit seiner Zeit bei der Buchmesse beschäftigt.

Nach dem Ende von Weidhaas’ Amtszeit folgte ihm Lorenzo Rudolf, vormals Direktor der Art Basel, im Amt des Buchmesse-Direktors. Sein Nachfolger wurde bereits 2002 Volker Neumann, zuvor Geschäftsführer der Verlagsgruppe Random House. Seit 1. April 2005 ist Juergen Boos Direktor der Frankfurter Buchmesse. Er leitete davor das Marketing im Wiley-VCH Verlag.

Ebenso gründete sich ein internationaler Beirat der Buchmesse.

Gastländer und Themenschwerpunkte[Bearbeiten]

Deutsche Briefmarke von 2010 zu Ehren von Jorge Luis Borges, eine Gemeinschaftsausgabe mit dem Gastland Argentinien
Buchmesse 2006, Ballon mit Schriftzeichen des Gastlandes Indien

Seit 1988 hat die Buchmesse ein Gastland oder eine Gastregion, die einen besonderen Schwerpunkt bildet. Das Gastland veranstaltet ein kulturelles Rahmenprogramm mit Lesungen, Literaturförderung, Preisverleihungen usw. 2004 hatten ca. 500 von etwa 3.000 Veranstaltungen einen Bezug zur arabischen Welt als Gastregion. Ausstellungen und Lesereisen des Gastlands beginnen vor der Buchmesse und gehen weit darüber hinaus. Indien (1986 und 2006) und Brasilien (1994 und 2013) waren bisher zwei Mal Gastland.

Vor 1988 gab es an Stelle von Gastländern auch thematische Schwerpunkte.

Jahr Gastland/Schwerpunkt Literatur des Gastlands/Schwerpunkts Motto
1976 Lateinamerika Lateinamerikanische Literatur
1978 Kind und Buch Kinder- und Jugendliteratur
1980 Schwarzafrika Afrikanische Literatur
1982 Religionen Religiöse Literatur
1984 George Orwell Werke von George Orwell
1986 IndienIndien Indien Indische Literatur Wandel in Tradition
1988 ItalienItalien Italien Italienische Literatur Italienisches Tagebuch
1989 FrankreichFrankreich Frankreich Französische Literatur L’Automne français
1990 JapanJapan Japan Japanische Literatur Then and Now
1991 SpanienSpanien Spanien Spanische Literatur La Hora de España
1992 MexikoMexiko Mexiko Mexikanische Literatur Ein offenes Buch
1993 Flämische RegionFlämische Region Flandern und NiederlandeNiederlande Niederlande Belgische und Niederländische Literatur Weltoffen
1994 BrasilienBrasilien Brasilien Brasilianische Literatur Begegnung von Kulturen
1995 OsterreichÖsterreich Österreich Österreichische Literatur
1996 IrlandIrland Irland Irische Literatur Und seine Diaspora
1997 PortugalPortugal Portugal Portugiesische Literatur Wege in die Welt
1998 SchweizSchweiz Schweiz Schweizer Literatur Hoher Himmel – enges Tal
1999 UngarnUngarn Ungarn Ungarische Literatur Unbegrenzt
2000 PolenPolen Polen Polnische Literatur ©Poland
2001 GriechenlandGriechenland Griechenland Griechische Literatur Neue Wege nach Ithaka
2002 Litauen 1989Litauen Litauen Litauische Literatur Fortsetzung folgt
2003 RusslandRussland Russland Russische Literatur Neue Seiten
2004 Arabische LigaArabische Liga Arabische Welt Arabische Literatur Arabische Welt – Blick in die Zukunft
2005 Korea SudSüdkorea Südkorea Koreanische Literatur Enter Korea
2006 IndienIndien Indien Indische Literatur Today’s India
2007 KatalonienKatalonien Katalanische Länder Katalanische Literatur Singular i Universal
2008 TurkeiTürkei Türkei Türkische Literatur Faszinierend farbig
2009 China VolksrepublikChina Volksrepublik China Chinesische Literatur Tradition & Innovation
2010 ArgentinienArgentinien Argentinien Argentinische Literatur Kultur in Bewegung
2011 IslandIsland Island Isländische Literatur Sagenhaftes Island
2012 NeuseelandNeuseeland Neuseeland Neuseeländische Literatur Bevor es bei euch hell wird
2013 BrasilienBrasilien Brasilien Brasilianische Literatur Ein Land voller Stimmen
2014 FinnlandFinnland Finnland Finnische Literatur Finnland. Lesen.
2015 IndonesienIndonesien Indonesien Indonesische Literatur
2016 Flämische RegionFlämische Region Flandern und NiederlandeNiederlande Niederlande Belgische und Niederländische Literatur

Aktuelle Messe[Bearbeiten]

Im Jahr 2014 findet die Buchmesse vom 8. bis zum 12. Oktober statt, Gastland wird Finnland sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Füssel: 50 Jahre Frankfurter Buchmesse: 1949–1999. Suhrkamp TB 3045, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-518-39545-5.
  • Sabine Niemeier: Funktionen der Frankfurter Buchmesse im Wandel - von den Anfängen bis heute, mit einem Geleitwort von Werner Faulstich, Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04466-7 (= Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München, Band 68).
  • Monika Toeller: Die Buchmesse in Frankfurt am Main vor 1560: ihre kommunikative Bedeutung in der Frühdruckzeit. Dissertation an der Universität München 1983.
  • Peter Weidhaas: Zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse. Suhrkamp TB 3538, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-45538-9.
  • Peter Weidhaas: Und kam in die Welt der Büchermenschen. Erinnerungen. Ch. Links, Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-458-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurter Buchmesse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jutta Rippegather: Gastland Brasilien stellt Rekord auf. In: Frankfurter Rundschau. S. 2013-10-13, abgerufen am 14. Oktober 2013.
  2. [1]
  3. [2]
  4. [3]
  5. Vgl. Start der Frankfurter Buchmesse bei tagesspiegel.de, 12. Oktober 2009 (aufgerufen am 13. Oktober 2009)
  6. Vgl. Eklat bei China-Symposium bei sueddeutsche.de, 12. September 2009 (aufgerufen am 13. Oktober 2009)
  7. Facts & Figures 2010, abgerufen am 28. September 2011 (PDF, 252 kB)
  8. Messebilanz. Nichts als zufriedene Gesichter. Hessischer Rundfunk. In: hr-online.de. 16. Oktober 2011. Abgerufen am 18. Oktober 2011.
  9. Buchmesse meldet Besucherplus. Handelsblatt-online, 16. Oktober 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011.
  10. Der Euro-Krise zum Trotz: Die Branche zeigt „neuen Sportsgeist“. buchmesse.de, abgerufen am 14. Oktober 2012 (PDF, 84 kB).
  11. Michael Lemster: Jürgen Boos, schreibt Ihnen auch jeder, dass die Messe vor der Tür steht? In: Buchmarkt, 7. Oktober 2011, abgerufen am 25. Oktober 2011. Vgl. auch Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 42/2011, S. 28.