Benjamin Morrell

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Gravur, um 1830

Benjamin Morrell (* 5. Juli 1795 in Rye, Westchester County, New York; † 1839 in Portugiesisch-Ostafrika) war ein US-amerikanischer Segelkapitän und Forscher, der zwischen 1822 und 1831 eine Reihe von Seereisen unternahm, hauptsächlich zum Südpolarmeer und zu den Inseln des Pazifik, welche in den schillernden Memoiren A Narrative of Four Voyages aufgezeichnet wurden.

Er will im Dezember 1822 als erster die Bouvet-Insel betreten haben.[1] Seine Beschreibung der Insel ist eindeutig den Schilderungen Lindsays und Norris’ entnommen (→ Thompsoninsel (Südatlantik)).

Morrells Ruf bei seinen Kollegen war geprägt durch die ihm nachgesagten Unwahrheiten und Fantasie-Schilderungen, welche sich auf seine zum Teil von einem Ghostwriter geschriebenen Berichte bezogen, insbesondere die seiner Erlebnisse in der Antarktis, welche auch bei Geographen und Historikern umstritten sind. Laut Burtin R. Pollin soll Morrells Ghostwriter der Zeitschriftenherausgeber und Schauspieldichter Samuel Woodworth (1784–1842) gewesen sein.[2]

Wenn daher auch Morrell vielleicht nicht der persönliche Urheber der ihm zugeschriebenen Fälschungen ist, so hat er sie doch zweifellos – als offensichtlicher Auftraggeber Woodworths – billigend in Kauf genommen bzw. seinen Namen dafür hergegeben. Der „frisierte“ Inhalt seines Buches konnte ihm nicht völlig verborgen geblieben sein. Der verkaufsfördernden Wirkung von Woodworths Seemannsgarn hat Morrell damit seinen literarischen und wissenschaftlichen Nachruhm geopfert. Dies ist bedauerlich, denn “... the truth itself was quite interesting.”[3]

Werke[Bearbeiten]

  • A narrative of Four Voyages to the South Sea, North and South Pacific Ocean, Chinese Sea, Ethiopic and Southern Atlantic Ocean, Indian and Antarctic Ocean from the Year 1822 to 1831 (Online, englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bouvetøya. Archiviert vom Original am 4. April 2008. Abgerufen am 19. September 2013.
  2. Burton R. Pollin: Poe’s life reflected through the sources of ‘Pym’. In: Richard Kopley (Hrsg.):Poe’s ‘Pym’.Critical explorations, Durham & London 1992 (S. 95-103), S. 100
  3. Henry M. Stommel: Lost islands. The story of islands, that have vanished from nautical charts, Vancouver 1984, S. 26f.

Siehe auch[Bearbeiten]