Bethlehemkirchplatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bethlehemkirchplatz im Jahr 2010 mit Philip-Johnson-Haus, Pflastermosaik und die Skulptur Houseball; rechts die Mauerstraße

Der Bethlehemkirchplatz ist ein kleiner Stadtplatz im Berliner Ortsteil Mitte, der nach der Bethlehemskirche benannt wurde, die dort bis zu ihrer Zerstörung 1943 stand.

Der Platz trägt keine Hausnummern und befindet sich in der südlichen Friedrichstadt. Der dreieckige Platz wird nördlich von der Krausenstraße mit den Wohnhäusern der Bulgarischen Botschaft begrenzt. Westlich verläuft die Biegung der Mauerstraße mit neuen und alten Wohn- und Geschäftshäusern. Östlich befindet sich das Philip-Johnson-Haus, dessen Hauptfassade zur Friedrichstraße zeigt.

Die Geschichte des eigentlichen Platzes ist alt, allerdings existiert der Name erst seit dem 1. Januar 1999.

Ein Mosaik in der Platz-Pflasterung zeigt den Grundriss und die Stelle, an der die Kirche ursprünglich einmal stand. Mitten auf dem Platz steht die Skulptur Houseball von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen. Sie symbolisiert ein Bündel Hausrat. Es war eben nicht viel, was die Flüchtlinge aus Böhmen mitnehmen konnten.

Bethlehemskirche[Bearbeiten]

Mauerstraße um 1776, im Hintergrund die Kirche
(Kupferstich von J.G.Rosenberg)
Die Bethlehemskirche, 1910

Der Platz erhielt seinen Namen nach der Bethlehems- oder auch Böhmischen Kirche. Sie wurde für böhmische (evangelische) Glaubensflüchtlinge errichtet, die ab etwa 1735 unter Friedrich Wilhelm I. in der Erweiterung der Berliner Friedrichstadt angesiedelt wurden. Dabei handelte es sich überwiegend um Weber und Spinner.

Die Kirche wurde 1735-1737 unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Diterichs gebaut. Ihr Name geht auf die Bethlehemskapelle in Prag zurück, die für die Böhmischen Brüder eine wichtige Rolle spielt. Bei der Berliner Bethlehemskirche handelte es sich um eine Rundkirche mit 15,70 Metern Durchmesser und 36,40 Metern Höhe. Der westliche Kreuzarm wurde als Hauptfront hervorgehoben. Die Kirche hatte zudem Zugänge im Süden und Norden. Der Kirchenbau ist typisch für die damalige Zeit und war gewissermaßen eine verkleinerte Ausgabe der zeitgleich in unmittelbarer Nähe (ebenfalls in der Mauerstraße) gebauten Dreifaltigkeitskirche. Die beiden Kirchenglocken wurden auf Kosten des Königshauses gegossen. Dafür wurde eine Glocke des Stiftsklosters Gottes Gnade bei Calbe eingeschmolzen, welches seit dem Dreißigjährigen Krieg eine Ruine war.

Im Jahr 1943 wurde die Bethlehemskirche bei einem Luftangriff bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Die Ruine wurde erst 1963 gesprengt und abgetragen. Eine der beiden Glocken wurde nach Neukölln, dem ehemaligen Böhmisch-Rixdorf, gebracht. Sie befindet sich heute im Kirchsaal der Evangelisch-Reformierten Bethlehemsgemeinde im alten Schul- und Bethaus (Richardstraße 97), nahe der dortigen Bethlehemskirche.

Lichtinstallation[Bearbeiten]

Lichtinstallation von Garaizabal

Der spanische Konzeptkünstler Juan Garaizabal hat im Rahmen seines internationalen Projektes Memorias Urbanas eine Nachbildung der Kirche im maßstabstreuen Umriss als Lichtinstallation gebaut. Sie ruht auf 21 Stahlsäulen und acht Rundbögen, die aus 120 mm × 120 mm starken Stahlquadratrohren gefertigt und in Stahlwürfeln auf dem Boden ruhend befestigt wurden. Das Kunstwerk ist ca. 30 Meter hoch, wiegt ca. 60 Tonnen und wird durch ca. 400 Meter LED-Röhren farbig beleuchtet. Am 26. Juni 2012 wurde die Installation am Originalplatz auf dem Grundrissmosaik eingeweiht und sollte dort nur bis zum 30. September des gleichen Jahres zu sehen sein. Die Begleitausstellung Memoria Urbana. Die Rekonstruktion der Bethlehemskirche fand vom 27. Juni bis zum 19. August 2012 im unweit stehenden Museum für Kommunikation statt.[1] Nach einem Streit zwischen dem Senat und dem Bezirk wurde eine Verlängerung der Standzeit für die Installation bis Ende November 2013 genehmigt. Der Unterstützerkreis setzt sich für ihren dauerhaften Verbleib ein.[2][3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bethlehemkirchplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Juan Garaizabal Memorias Urbanes Berlin (PDF; 11,1 MB) 1. Juni 2012. Archiviert vom Original am 27. Juni 2012. Abgerufen am 27. Juni 2012.
  2. Gemeindeblatt der Evangelisch-reformierten Bethlehemsgemeinde (PDF; 1,1 MB)
  3. Bezirk streitet mit Senat um Skulptur der Bethlehemskirche. In: Berliner Morgenpost, 19. November 2013, abgerufen am 29. Juni 2014.

52.50916666666713.388777777778Koordinaten: 52° 30′ 33″ N, 13° 23′ 20″ O