Betriebsfeuerwehr

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Fahrzeug der Betriebsfeuerwehr der Kölner Uniklinik

Eine Betriebsfeuerwehr (kurz: BtF, BetrFw oder in Österreich BTF[1]) ist eine Feuerwehr in Betrieben und Einrichtungen.

Betriebsfeuerwehr in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland fehlt einer Betriebsfeuerwehr im Gegensatz zur Werkfeuerwehr die staatliche Anerkennung. Sie wird z.B. auch aus versicherungstechnischen Gründen in Betrieben eingerichtet, die nicht zur Einrichtung einer Werkfeuerwehr verpflichtet sind, da von ihrem Unternehmen selbst keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Außer den von Brandschutzversicherern gewährten Rabatten können besonders zu sichernde Personengruppen (in Krankenhäusern, Hotels, Freizeitparks, im Zirkus) oder besondere Sachwerte (Sammlungen, Museen, Bootshäfen) die Einrichtung einer Betriebsfeuerwehr begründen.

Betriebsfeuerwehren nehmen den Ersteinsatz vor und verfügen über wichtige Ortskenntnisse, sind aber meist nicht in der Lage, größere Brände zu löschen. Da für Betriebsfeuerwehren keine staatlichen Auflagen gemacht werden, entscheiden die Betriebe selbst über die Ausrüstung ihrer Feuerwehr, die Art der Alarmierung und die personelle Stärke, so dass sie flexibel auf die erforderlichen Notwendigkeiten reagieren können. Ein besonderer Vorteil der Betriebsfeuerwehr ist damit die Flexibilität und die Unabhängigkeit von staatlichen Eingriffen und Vorgaben.

Viele Betriebsfeuerwehren rekrutieren Freiwillige aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter, die nur im Einsatzfall der Feuerwehr zur Verfügung stehen. Übungen und Schulungen werden meist ähnlich wie bei Freiwilligen Feuerwehren in der Freizeit und zum Teil ehrenamtlich durchgeführt.

Die Brandmeldeanlage (BMA) eines Betriebes mit Betriebsfeuerwehr muss (in der Regel) zur öffentlichen Feuerwehr durchgeschaltet sein, während die BMA-Alarme eines Betriebes mit Werkfeuerwehr in der Regel von dieser abgearbeitet werden, und dort Unterstützung durch die öffentliche Feuerwehr nur auf Anforderung erfolgt.

In Deutschland gibt es etwa 280 Betriebsfeuerwehren in verschiedenen Bereichen. Ein Beispiel für ein Unternehmen mit einer gut ausgerüsteten Betriebsfeuerwehr ist die Messe Düsseldorf GmbH; dort verfügt man über hauptberufliche und ehrenamtliche Feuerwehrleute, im Fuhrpark besitzt die Messe Düsseldorf zwei Löschfahrzeuge, die mit Hochdrucklöschanlagen ausgestattet sind, sowie über einen Einsatzleitwagen, einen Gerätewagen/Rüstwagen, einen Anhänger für Brandschutzschulung und einen großen Anhänger für Ölschadensbekämpfung.

Betriebsfeuerwehr in Österreich[Bearbeiten]

Bei den Feuerwehren in Österreich gibt es keine Werkfeuerwehren, sondern nur Betriebsfeuerwehren. Die Mannschaft einer Betriebsfeuerwehr besteht vorwiegend aus Angehörigen eines oder mehrerer Unternehmen oder Anstalt.

Die Betriebsfeuerwehren sind üblicherweise in das Feuerwehrwesen eingegliedert und dementsprechend auch öffentlich anerkannt. In diesem Fall sind sie auch im Feuerwehrregister eingetragen. Im Gegensatz zu den örtlichen Feuerwehren ist das Unternehmen für die Erhaltung und Finanzierung verantwortlich. Sie können aber von der öffentlichen Hand subventioniert sein, wenn sie bei Bedarf auch Einsätze außerhalb des Werksgeländes übernehmen. Dadurch bilden sie oft eine Unterstützung der örtlichen Feuerwehren bei speziellen Einsätzen, wie Gefahrgutunfällen. Die Mitglieder der Betriebsfeuerwehren werden ebenso zum Teil innerhalb der Feuerwehr, aber auch an den Landesfeuerwehrschulen ausgebildet.

Während in den meisten Betrieben Mitarbeiter freiwillig ihren Dienst - ähnlich wie in den Freiwilligen Feuerwehren - versehen, werden in großen Betrieben eigene Mitarbeiter zum Brandschutz abgestellt, die rund um die Uhr anwesend sind. Beispiele sind Feuerwehren von Flughäfen, Raffinerien, Kliniken oder Chemiebetrieben.

Eine Betriebsfeuerwehr kann durch eine Behörde, meist der Gewerbebehörde, vorgeschrieben werden oder auf freiwilliger Basis erfolgen. Häufig ist dies mit zusätzlichen Rabatten bei der Feuerversicherung verbunden.

Die Betriebsfeuerwehren kann man aber auch nach ihrer rechtlichen Stellung aufteilen. Während der Großteil der Betriebsfeuerwehren rechtlich der örtliche zuständigen Feuerwehr unterstellt ist, gibt es auch jene, die im Auftrag der Gemeinde auf dem Betriebsareal die gleichen Rechte und Pflichten wie üblicherweise die örtliche Feuerwehr hat. Das bedeutet, dass die örtliche Feuerwehr dem Einsatzleiter der Betriebsfeuerwehr im Einsatzfall unterstellt ist.

Betriebsfeuerwehr in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz werden die bei gewissen Betrieben vorgeschriebenen Feuerwehren in der Regel nicht Werkfeuerwehr, sondern Betriebsfeuerwehr oder Betriebslöschgruppe genannt. Ob eine Betriebsfeuerwehr oder eine Betriebslöschgruppe einem Betrieb vorgeschrieben wird, ist von der kantonalen Gesetzgebung abhängig. Es ist teilweise auch möglich, durch freiwilliges Einrichten einer Betriebsfeuerwehr oder Betriebslöschgruppe die Versicherungsprämien der Feuerversicherung zu senken.

Eine Betriebsfeuerwehr ist eigenständig handlungsfähig und erfüllt eine ähnliche Funktion wie eine (Orts-)Feuerwehr. Sie kann sich dennoch stark von einer normalen Feuerwehr unterscheiden, da die kantonalen Behörden vorgeben, was ihre Aufgaben sind, die sie selbstständig erfüllen müssen. Sie sind auch organisatorisch nicht mit den Ortsfeuerwehren verbunden.

Die Betriebslöschgruppe ist kleiner und untersteht der Ortsfeuerwehr, es handelt sich mehr um eine betriebsinterne Erstangriffstruppe mit besonderen Ortskenntnissen, die bei einem mittleren Ereignis wie einem Brand die Unterstützung der Ortsfeuerwehr braucht.

Sowohl die Betriebsfeuerwehren wie die Betriebslöschgruppen können auch für außerbetriebliche Hilfe aufgeboten werden. Einige Betriebsfeuerwehren erfüllen sogar die Funktion einer Chemiestützpunktfeuerwehr.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Taktische Zeichen und Abkürzungen des ÖBF (PDF; 6,5 MB) abgerufen am 9. November 2013

Weblinks[Bearbeiten]