Rüstwagen

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Rüstwagen

Aktuell genormter Rüstwagen
Aktuell genormter Rüstwagen

Fahrzeugdaten
Land: Deutschland
Besatzung: 0/1/2
Löschwasser: 9 Liter
Löschpulver: 6 Kilogramm
Hilfeleistungssatz: vorhanden
Zul. Gesamtmasse: 14.000 Kilogramm
Antrieb: Allrad

Ein Rüstwagen (RW) ist ein Feuerwehrfahrzeug, das bei der technischen Hilfeleistung eingesetzt wird.

Dazu steht umfangreiches Werkzeug und Spezialgerät zur Verfügung, mit dem Personen nach Verkehrsunfällen aus ihren Fahrzeugen befreit werden, umweltschädigende Substanzen aufgefangen, Einsatzstellen ausgeleuchtet und andere Aufgaben erfüllt werden können.

Die Besatzung besteht jedoch nur aus drei Mann, genauer: einem Trupp (0/1/2). Darum wird der Rüstwagen praktisch nie allein eingesetzt, sondern mit anderen Fahrzeugen im Rüstzug, oder auch zur Unterstützung eines Löschzugs oder eines Feuerwehrkrans. Mancherorts wurde der Rüstwagen – entgegen der Norm – auch mit einer Staffel, also insgesamt sechs Mann Besatzung, oder sogar mit der neunköpfigen Gruppe gebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Verkehrswarneinrichtung eines RW 1

Der Rüstwagen entstand, als die Ausrüstung der Feuerwehren für Hilfeleistungseinsätze zu komplex wurde, um zusammen mit Löschmitteln auf einem Löschfahrzeug verlastet zu werden. Ursprünglich wurden die meist dem Katastrophenschutz beigeordneten Fahrzeuge Pionierfahrzeug genannt. Ebenso gab es den Hilfskraftwagen (HKW), der nach den jeweiligen Bedürfnissen verschiedenste Materialien für die technische Hilfeleistung und Zusatzausrüstung für die Brandbekämpfung transportierte (z.B. Aggregate, Schlauchmaterial, Tragkraftspritzen etc.).

1951 präsentierte Magirus-Deutz auf der IAA den ersten Rüstwagen der Welt mit einem rundum drehbaren Kran.

1952 wurden beispielsweise bereits Rüstkraftwagen (RKWs) gebaut, die eine 7-t-Krananlage, Stromerzeuger und umfangreiches technisches Gerät transportierten.

1972 erschien ebenfalls bei Magirus-Deutz mit dem sogenannten Rüstwagen-Schiene das erste Feuerwehrfahrzeug der Welt, das sowohl schienen- als auch straßentauglich war. Es wurde z. B. von der Feuerwehr Frankfurt am Main für Einsätze in U-Bahn-Tunneln beschafft.

RW 2 (hier mit Zusatzbeladung Gefahrgut)

Seit den 1970er Jahren existierte in Baden-Württemberg ebenfalls eine Baurichtlinie für einen Rüstwagen-Säure, der allerdings nicht weit verbreitet war. Dieser führte Schutzkleidung und Auffanggeräte mit. Die Landesnorm ist mittlerweile zugunsten der regulären Rüstwagen und Gerätewagen Gefahrgut zurückgezogen worden.

Man unterschied früher nach der DIN-Norm DIN 14555 mehrere Rüstwagen-Typen. Alle zeichneten sich durch gemeinsame Merkmale wie Truppbesatzung, Allradantrieb, Generator usw. aus. Der RW 1, mit einem nominellen zulässigen Gesamtgewicht von 9 Tonnen, war meist auf Unimog- oder MAN-VW-Fahrgestell aufgebaut, und bei mittelgroßen Feuerwehren stationiert, deren Aufkommen an Einsätzen der Technischen Hilfeleistung nicht die Anschaffung des größeren RW 2 mit 12 Tonnen rechtfertigte. Beide Fahrzeugtypen fielen im Juni 2002 mit Einführung der DIN 14555-3 aus der Normung, die Norm des aktuellen RW entspricht am ehesten der des alten RW 2.

Die noch größeren RW 3 sind bereits Anfang der 1990er Jahre aus der Norm entfallen. Die Beschaffung von vier RW 3 mit Staffelkabine (RW 3-St) durch die Berliner Feuerwehr und von drei RW 3 mit Truppbesatzung durch die Feuerwehr München fanden jedoch noch nach diesem Zeitpunkt statt.

Der Entfall des RW 1 stieß bei kleineren Feuerwehren vielerorts auf Kritik. Auch ohne Norm werden solche Fahrzeuge noch für Jahre im Einsatz sein.

Aufbau und Beladung[Bearbeiten]

typischer Rüstwagen 1

Der Rüstwagen ist genormt in der EN 1846 und in Deutschland in der DIN 14555-3:2007-05.

Rüstwagen werden auf einem Allradfahrgestell aufgebaut. Meist sind 7-11 Geräteräume, davon mehrere Tiefgezogene vorhanden.

An der Fahrzeugfront befindet sich eine Seilwinde mit 50 (Minimalforderung) bis 100 kN Zugkraft (5-10 t), im Fahrzeugaufbau oder am Heck ein Lichtmast mit zwei Scheinwerfern mit einer Leistung von jeweils 1000 W, die vom fest in das Fahrzeug eingebauten Generator gespeist werden. Dieser Stromerzeuger hat eine Mindestleistung von 23 kVA.

Auf dem Rüstwagen befindet sich außer einem Feuerlöscher und einer Kübelspritze keine Ausrüstung zur Brandbekämpfung, jedoch umfangreiche Ausrüstung für Technische Hilfeleistung, wie pneumatische Hebesätze und hydraulische Rettungssätze in verschiedenen Größen.

Auf einem RW liegen 308 Einzelteile (Standardbeladung). Hinzu kommt weitere Zusatzbeladung wie z. B. „Gerätesatz Ölbeseitigung“ (+ 110 Einzelteile) oder Wasserrettung. Andere seltenere Sonderausrüstungen können eine umfangreiche Gefahrgutausrüstung (Rüstwagen mit Sonderbeladung Gefahrgut, RW-G) sein oder ein Kran.

Ähnliche Fahrzeuge[Bearbeiten]

Kleine, nicht genormte Vorausrüstwagen, Vorausgerätewagen oder auch Kleineinsatzfahrzeuge mit stark reduzierter Beladung sollen den Unfallort schneller erreichen. Ein RW 1 ohne Seilwinde und Allradantrieb ist in Niedersachsen als Gerätewagen Zusatzbeladung landesrechtlich genormt.

Bei den relativ neuen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugen (HLF) wird ein Löschgruppenfahrzeug mit einer verringerten Beladung zur technischen Hilfeleistung ergänzt.

Die beim Technischen Hilfswerk verwendeten Gerätekraftwagen sind den Rüstwagen der Feuerwehr ähnlich, besitzen aber unter anderem über eine Mannschaftskabine zur Aufnahme einer Gruppe.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hamilton: Handbuch für den Feuerwehrmann, ISBN 3-415-01705-2
  • Die roten Hefte, Handbuch für die Feuerwehr; Kohlhammer Verlag.
  • DIN 14555

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rüstwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien