Brühlsche Terrasse

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Brühlsche Terrasse, v. l. n. r.: Kunstakademie, Sekundogenitur, Ständehaus; im Hintergrund: Hofkirche und Semperoper

Die Brühlsche Terrasse ist ein architektonisches Ensemble und eine touristische Sehenswürdigkeit in Dresden. Sie liegt im Stadtzentrum in der Altstadt und erstreckt sich über etwa 500 Meter entlang der Elbe zwischen der Augustusbrücke und der Carolabrücke. Die Brühlsche Terrasse wird auch als Balkon Europas bezeichnet. Der Begriff wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts geprägt und später vielfach in der Literatur verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufgang zur Brühlschen Terrasse und Palais Brühl um 1880

Als Teil der Dresdner Befestigungsanlagen wurde die Brühlsche Terrasse im 16. Jahrhundert errichtet. Der Name geht zurück auf Heinrich von Brühl, welcher auf der Festungsanlage durch Johann Christoph Knöffel die sogenannten Brühlschen Herrlichkeiten (Galerie, Bibliothek, Belvedere, Palais und Gartenanlage) errichten ließ. Durch die Bebauung verlor die Terrasse ihre militärische Bedeutung.

Im Jahr 1814 erließ Fürst Nikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski, der nach der Niederlage Sachsens in der Völkerschlacht bei Leipzig Generalgouverneur über das besetzte Königreich Sachsen war, den Befehl, die Terrasse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Architekt Gottlob Friedrich Thormeyer wurde mit dem Bau einer Freitreppe beauftragt. Diese war ursprünglich mit zwei Sandsteinlöwen von Christian Gottlieb Kühn geschmückt. Im Jahr 1843 wurde durch den Architekten Woldemar Hermann ein Zugang zur besseren Erreichbarkeit der Terrasse von der großen Fischergasse (ab 1849 Münzgasse) aus geschaffen[1] und 1890/94 ein weiterer vom Georg-Treu-Platz. Die unterhalb der Brühlschen Terrasse verlaufende Straße Terrassenufer wurde 1820 angelegt. Im Jahr 1878 erfolgten Durchbrüche zur Münzgasse und 1890 zur Brühlschen Gasse. Die ehemaligen Brühlschen Bauten mussten Ende des 19. Jahrhunderts/Anfang des 20. Jahrhunderts der heutigen Bebauung weichen.

180°-Ausblick von der Brühlschen Terrasse

Architektonische Bestandteile[Bearbeiten]

Die Kunsthalle im Kunstakademiegebäude

Die Brühlsche Terrasse ist ungefähr 500 Meter lang und teilweise bis zu 10 Meter hoch. Die Breite liegt zwischen 20 und 200 Metern.

Im "Westen" der Terrasse befindet sich eine Freitreppe. Diese Treppe war bereits 1811 geplant. 1814 begann nach der Freigabe für die Öffentlichkeit der Bau durch Gottlob Friedrich Thormeyer. Vollendet wurde sie durch Christian Gottlieb Kühn, der die beiden am Fuße der Treppe wachenden Löwen schuf.

Die Südseite der Brühlschen Terrasse ist mit öffentlichen Gebäuden und Museen bebaut. Im Westen direkt an der Freitreppe befindet sich das Sächsische Ständehaus von Paul Wallot. Es wurde 1900 erbaut, dafür wurde das Palais Brühl und das Fürstenbergsche Haus abgerissen. Vor dem Ständehaus befindet sich ein Wasserbecken aus Sandstein. Ursprünglich wurde es 1750 angelegt, 1990/91 wurde es durch eine Kopie ersetzt. Das Becken hat die Maße 11,6 mal 11,2 Meter. Der Beckenrand ist 0,12 Meter hoch und das Becken hat eine Tiefe von 0,4 Metern. Die Ecken der Nordseite sind abgerundet und in der Südseite gibt es eine Einbuchtung (6,66 mal 1,68 Meter). In der Beckenmitte befindet sich eine Fontäne.[2] An das Ständehaus schließt sich die Sekundogenitur an, sie wurde 1897 an der Stelle der Brühlschen Bibliothek errichtet.

Daneben befindet sich der Aufgang von der Münzgasse. Es folgt in östlicher Richtung der unter dem Namen Kunstakademie bekannte Lipsius-Bau. Er wurde als Sitz des Sächsischen Kunstvereins und der Königlichen Kunstakademie 1887 bis 1894 an Stelle der Brühlschen Galerie errichtet und beherbergt heute die Hochschule für Bildende Künste und die Kunsthalle im Lipsius-Bau. Daran schließt sich der Aufgang vom Georg-Treu-Platz an. Am Fuße des Aufgangs befindet sich der Eingang ins Museum Festung Dresden, das sich unterhalb der Brühlschen Terrasse befindet. Nach der Kunstakademie folgt das Albertinum, das ausgebaute ehemalige Dresdner Zeughaus.

Auf der Ostseite der Terrasse, der Jungfernbastei, befinden sich auf dem Belvederehügel in einer kleinen Parkanlage Reste des Brühlschen Gartens. Den östlichen Abschluss bilden der Bärenzwinger und das Hofgärtnerhaus.

Die Nordseite der Brühlschen Terrasse wurde weitgehend von Bebauung freigehalten. Lediglich am westlichen Ende wurde mit dem Schiffahrtsgebäude, ehemals Brückenmeisterei und heute ein Restaurant, ein schmales Haus an die Mauer angebaut, das jedoch in seiner Höhe die Terrasse knapp unterschreitet. Nach Norden bietet sich ein Panorama über die Neustädter Elbseite von der Dresdner Heide im Osten bis zur Lößnitz im Westen. Zentral fällt der Blick über die Anlegestellen der Sächsischen Dampfschiffahrt hinüber zum Neustädter Elbufer in der Inneren Neustadt.

Plastische Bestandteile[Bearbeiten]

Porträtbüste von Ernst Rietschel
Denkmal für Gottfried Semper
Denkmal für den Maler Caspar David Friedrich
Ludwig-Richter-Denkmal

Die Brühlsche Terrasse ist mit zahlreichen plastischen Elementen geschmückt.

Gegenüber der Sekundogenitur befindet sich eine Büste für den Bildhauer Ernst Rietschel, die von Johannes Schilling geschaffen wurde. Enthüllt wurde dieses Bronzedenkmal am 15. Todestag Rietschels am 21. Februar 1876. Es stellt eine überlebensgroße Porträtbüste Rietschels dar sowie drei Reliefs, die Geschichte, Poesie und Religion darstellen. Am Fuße des Denkmals befinden sich drei Statuen, die das Zeichnen, Modellieren und Meißeln symbolisieren. Am Denkmal befindet sich eine Inschrift „Auf der Stätte seines Schaffens“, da Rietschel sein Atelier hier hatte.

Zwischen Albertinum und dem Lipsiusbau, am Aufgang vom Georg-Treu-Platz, ist das Gottfried-Semper-Denkmal aufgestellt, welches ebenfalls von Johannes Schilling gefertigt wurde. Geschaffen wurde es 1891/1892, enthüllt am 1. September 1892. Die Figur ist aus Bronze und der Sockel aus Granit. Auch die am Aufgang der Freitreppe angebrachte Figurengruppe der „Vier Tageszeiten“ stammt von Johannes Schilling.

Zwischen Sekundogenitur und der Hochschule für Bildende Künste, gegenüber dem Aufgang von der Münzgasse, befindet sich ein Planetensystem, geschaffen 1988 von Vinzenz Wanitschke. Das Denkmal ist eine Bronzekugel (1,20 Meter Durchmesser) mit herauswachsenden Kristallen, die die sich ständig verändernde Welt darstellen. Im Boden sind Medaillons eingelassen, die die Namen der 1721 nach Planeten benannten Bastionen tragen.

Im ehemaligen Brühlschen Garten sind der Delphinbrunnen und zwei Sphinxe von Johann Gottfried Knöffler aufgestellt, diese gehörten zum zweiten Belvedere, das sich im Brühlschen Garten befand. Des Weiteren sind im Brühlschen Garten jeweils ein Denkmal für Johann Friedrich Böttger und eines für Caspar David Friedrich aufgestellt. Das Böttgerdenkmal ist eine 1,90 Meter hohe Stele aus Sandstein mit einem Medaillon Böttgers aus Meißener Porzellan. Geschaffen wurde es 1982 von Peter Makolies.

Das Denkmal für den Maler Caspar David Friedrich wurde von Wolf-Eike Kuntsche 1988 bis 1990 entworfen. Eingeweiht wurde es am 150. Todestag Friedrichs am 7. Mai 1990. Ausgeführt wurde die 3 Meter hohe Arbeit durch den Kunstschmied Peter Bergmann in Edelstahl und Bronze für die Buchstaben. Das Denkmal ist angelehnt an ein Gemälde Georg Friedrich Kerstings von 1811, „Caspar David Friedrich in seinem Atelier“. Dargestellt sind die Strahlen von Friedrichs Genius, die Fensterkreuz, Staffelei und eine am Boden liegende Tafel mit einem Zitat Friedrichs verbinden. Das Zitat lautet: „Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er also nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht.“

Das Ludwig-Richter-Denkmal von Eugen Kircheisen (neu von M. Gläser) wurde im September 2013 neben dem Albertinum neu aufgestellt.

An der Ecke Terrassenufer/Hasenberg befindet sich das von Hans Walther geschaffene Moritzmonument.

Sagen und Legenden[Bearbeiten]

Am Bärenzwinger in der Nähe des Denkmals für Johann Friedrich Böttger kann man im Geländer der Brühlschen Terrasse den Fingerabdruck von August dem Starken bewundern. Dieser Abdruck im Handlauf des Geländers soll einer Legende nach von ihm persönlich durch seine bärenstarken Kräfte hinterlassen worden sein.

Einer Sage[3] nach sah man zuweilen eine weiß gekleidete Frau aus dem Brühlschen Palast kommen, die sich an einer bestimmten Stelle über das Geländer ins Wasser stürzte. Hierbei soll es sich um die Geliebte des Grafen Brühl, die Opernsängerin Teresa Albuzzi-Todeschini handeln, die sich an jener Stelle das Leben nahm (was allerdings nicht der Realität entspricht) und seitdem keine Ruhe findet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Woldemar Hermann; Eckhart Schleinitz (Hrsg.); Michael Schleinitz (Hrsg.): Tagebuch meines Wirkungskreises in der Architektur. Hermanns Bautagebuch von 1826 bis 1847. Verlag Notschriften, Radebeul 2006, ISBN 978-3-933753-88-5, S. 94 f.
  2. Kunst im öffentlichen Raum. Kulturamt Dresden, Dresden 1996.
  3. Johann Georg Theodor Grässe, „Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen“, 1855, Nr. 130 „Das Gespenst auf der Brühl'schen Terrasse.“, S.99f.

Literatur[Bearbeiten]

  • anonym: Ständehausbau oder Schloßplatzdecoration? Ein Wegweiser aus dem Labyrinthe der Terrassenfrage. Dresden 1898 (Digitalisat)
  • Stadtlexikon Dresden A - Z, Verlag der Kunst Dresden 1995, ISBN 3-364-00300-9
  • Kunst im öffentlichen Raum, Informationsbroschüre der Landeshauptstadt Dresden, Dezember 1996
  • Manfred Zumpe: Die Brühlsche Terrasse in Dresden, Berlin 1991, ISBN 3-345-00207-8
  •  Walter Fellmann: Du-Mont Kunst-Reiseführer. Sachsen, Du-Mont Buchverlag, Köln 1991, ISBN 3-7701-2759-5, Dresden, Die Brühlsche Terrasse, S. 104-109.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brühlsche Terrasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.05341666666713.740194444444Koordinaten: 51° 3′ 12″ N, 13° 44′ 25″ O