British Guiana 1¢ magenta

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British Guiana 1¢ magenta
British Guiana 1¢ magenta, tatsächliches Aussehen
Ausgabe
Land British Guiana, jetzt Guyana
Nominalwert 1 Cent
Ersttag 1856
Gültig bis
Gestaltung
Bildmotiv Segelschiff mit Sinnspruch
Farbe magentafarben
Entwurf Joseph Baum und William Dallas
Stich
Druckart Hochdruck
Perforation Geschnitten
Besonderheiten vermutlich Unikat
Auflage
Auflage unbekannt

Die British Guiana 1¢ magenta wird unter dem Ausgabejahr 1856 in vielen Briefmarkenkatalogen geführt, obwohl es keine Belege dafür gibt, dass sie damals offiziell hergestellt oder ausgegeben wurde.[1] Die Marke zählt zu den teuersten und seltensten philatelistischen Erzeugnissen der Welt.

Die British Guiana 1¢ magenta wurde auf magenta-farbenem Papier gedruckt und geschnitten. Das Motiv, ein Schiff, welches von der lateinischen Inschrift „Damus Petimus Que Vicissim“ (zu deutsch: Wir geben und nehmen in Wechsel) umgeben ist, wurde in schwarzer Farbe gedruckt.[2]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich beabsichtigte die Postverwaltung Guianas, eine Dauerserie mit drei verschiedenen Marken in den Wertstufen 1 Cent in magentarot für Stadtpost, 4 Cent in magentarot für internationale Sendungen und 4 Cent in trübblau für Seepostsendungen herauszugeben. Die beiden 4-Cent-Marken waren ausschließlich für Briefpost vorgesehen, die 1-Cent-Marke für Karten. bzw. Streifbänder.

Die ursprünglich bei der britischen Postverwaltung georderten Marken erreichten die Hauptstadt Georgetown nie, daher gab der Leiter der Postverwaltung Guiana, E.T.E. Dalton, den Auftrag an die Zeitungsdruckerei The Official Gazette (Joseph Baum und William Dallas) entsprechende Aushilfsausgaben herzustellen. Die von Dalton favorisierten Entwürfe gelangten nicht zum Druck, vielmehr konnten Baum und Dallas „ihre“ Segelschiffe durchsetzen. Als Sicherheitsmerkmal gegen Fälschung und Nachahmung wurden die Marken mit dem Federzug EDW versehen (Initialen des Postbeamten E.D. Wight).

Eine Besonderheit liegt darin, dass der britische Philatelistenverband der Marke das Echtheitssiegel verweigert, zumal in Fachkreisen die Diskussion besteht, dass es sich bei der British Guiana 1¢ magenta eben um keine Briefmarke im eigentlichen Sinn handelt, sondern um einen Ganzsachenausschnitt. Der triftigste Beweis für diese These ist der achteckige Schnitt, den sie aufweist. Derartig beschnittene Stücke existieren in alten Sammleralben nur als Ausschnitte aus mit Wertstempeln bedruckten Umschlägen (siehe hierzu Ganzsache). Die anderen Werte dieser Serie sind jeweils viereckig geschnitten und werten erheblich weniger.

Geschichte der Eigentümer[Bearbeiten]

Das seit mehr als einem Jahrhundert bekannte Exemplar wurde angeblich 1873 von dem zwölfjährigen schottischen Schüler Vernon Vaughan aus Demerara, einer Stadt in Guyana, bei der Durchsicht von Briefen seines Onkels gefunden. Er konnte allerdings diese Briefmarke nicht in seinem Briefmarkenkatalog finden, da diese ja bis dahin noch nicht bekannt war. Sie ähnelte den damals schon bekannten 4-Cent-Provisorien, die Wertstufe von 1 Cent war aber unbekannt. Der ahnungslose Schüler verkaufte sie damals für den für ihn sehr hohen Preis von 6 Schilling an einen örtlich ansässigen Briefmarkenhändler namens N.R. McKinnon. Am 2. Oktober 1878 wurde dessen Sammlung über einen schottischen Sammler an den Briefmarkenhändler Thomas Ridpath verkauft. Aus dessen Händen gelangte sie in die Sammlung des wohl berühmtesten Philatelistens der damaligen Zeit, Philipp von Ferrary. Er erwarb sie damals seinen Aufzeichnungen zufolge für 750 $. Testamentarisch vermachte er die Marke und seine komplette Sammlung dem Reichspostmuseum in Berlin. Im Zuge der Auflösung Ferrarys Sammlung von der französischen Regierung nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie 1922 auf einer Auktion von Arthur Hind für 36.000 $ gekauft. Der Erlös wurde dem Reparationskonto Deutschlands gutgeschrieben. Unter den Überbotenen befanden sich unter anderen König George V. von Großbritannien und zwei weitere gekrönte Häupter.

Hinds Witwe veräußerte die Marke 1940 für 40.000 $ an einen Industriellen aus Florida, dieser verkaufte sie 1970 für 280.000 $ an ein Industriellensyndikat (Vorsitzender Irwin Weinberg) aus Pennsylvania weiter. Zehn Jahre lang wurde die Marke weltweit auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt, ehe sie 1980 für 935.000 $ in John E. du Pont einen neuen Besitzer fand. Diese Summe brachte der British Guiana 1¢ magenta lange Zeit den Ruf der seltensten und teuersten Briefmarke der Welt ein.

Der letzte bekannte Eigentümer, John DuPont verbrachte nach einer Verurteilung wegen Mordes dritten Grades an dem Ringer David Schultz im Februar 1997 den Rest seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt in Philadelphia.[3] DuPont starb am 9. Dezember 2010.[4] Am 17. Juni 2014 wird die Marke bei Sotheby’s in New York versteigert.[5] Es wird mit einem Preisergebnis zwischen 10 bis 20 Millionen US-Dollar gerechnet,[5] womit sie vor dem Bordeaux-Brief zum teuersten philatelistischen Sammlerstück der Welt werden könnte.

Angebliche weitere Exemplare[Bearbeiten]

Originalgetreuer Nachdruck einer British Guiana 1¢ magenta, ungebraucht, mit Federzugauthorisierung
British Guiana magenta 4 Cent als Vergleichsstück

1999 machte die Marke erneut Furore, als der mit gefälschten Sammler-Devotionalien bekannt gewordene Peter Winter[6] behauptete, im Besitz einer 1-Cent-magenta zu sein.[7] Diese Marke wurde von zwei europäischen Experten, Rolf Roeder und David Feldman, als echt attestiert, die englische Briefmarkensammlervereinigung Royal Philatelic Society London hält sie für eine verfälschte Vier-Cent-Marke.[8]

Nach Ansicht des Experten Wolfgang Jakubek (Auktionator und Berufsphilatelist) setzt das Vorliegen einer Fälschung auch ein Original voraus. Er selbst sagt zum Existieren der beiden „echten“ 1-Cent-Marken nur folgendes: „Ich kenne beide dieser Marken. Beide sind für mich das ‚Turiner Grabtuch‘ der Philatelie. Dieser Ordnung halber ist aber klar festzustellen: Das Wort FALSCH ist in Zusammenhang mit diesen Marken nicht zu gebrauchen. Warum? Eine Fälschung setzt stets ein Original voraus! Es lässt sich nichts fälschen, was als Original gar nicht existiert. Schon vor 120 Jahren [sic] heißt es in Meyers Konversationslexikon: Eine Fälschung ist eine zu betrügerischen Zwecken vorgenommene Kopie eines Originals. Merke: Wo kein Original ist auch keine Fälschung!“

Abbildung[Bearbeiten]

Die gezeigte Abbildung zeigt den eigentlichen Zustand der Marke nur unzureichend, denn sie ist nicht nur stark verschmutzt, sondern im Laufe der Zeit auch verblichen, der ursprünglich magentarote Farbton des Papiers wurde zu einem schmutzigen rosa. In der englischen Fachliteratur wird sie als „dirty and heavily postmarked“ beschrieben (schmutzig und durch Entwertungsmerkmale wie Stempel und Federzug stark verunstaltet). Der rechte Rand der Marke (bei der Wertangabe „one Cent“) weist keinen klaren Schnitt, sondern eine unregelmäßige Papiertrennung auf.

Trivia[Bearbeiten]

  • Die Marke kommt im Film The Saint in Palm Springs (1941) vor. Dort wird sie mit einem Wert von 65.000 $ angesetzt.[9]
  • Auch Donald Duck sucht im Carl Barks’ Comic The Gilded Man (Deutscher Titel: Donald, der Philatelist) von 1952 [10] nach der Marke und wäre bereit, für sie mehr als 50.000 $ zu zahlen.
  • In der TV-Serie "Die Straßen von San Francisco" geht es in der Episode "The stamp of death" (dt: "Ein teures Stück Papier") von 1973 u.a. um diese Marke, allerdings als "six cent - magenta".
  • Lange hielt sich das 1920 entstandene Gerücht, Hind hätte heimlich auch ein zweites Exemplar dieser Marke erworben und es vernichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • L. N. Williams: Encyclopaedia of Rare and Famous Stamps. Band 1 The Stories. Feldman, Genf 1993, ISBN 0-89192-435-3, S. 23–30
  • L. N. Williams: Encyclopaedia of Rare and Famous Stamps. Band 2 The Biographies. Feldman, Genf 1997, ISBN 2-9700125-1-0, S. 27

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. British Guiana 1c, 1856: Weltrarität oder Fälschung? Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) e.V. (PDF; 373 kB)
  2. R. Scott Carlton: The International Encyclopaedic Dictionary of Philatelics. Krause, Iola, WI 1997, ISBN 0873414489.
  3. Rachlin, Harvey: Lucy's Bones, Sacred Stones, and Einstein's Brain: The Remarkable Stories Behind the Great Artifacts of History, From Antiquity to the Modern Era. Henry Holt and Company, 1996, ISBN 0-8050-6406-0.
  4. DuPont heir dies in prison. United Press International. 9. Dezember 2010. Abgerufen am 9. Dezember 2010.
  5. a b aijp.org: Die teuerste Marke der Welt steht wieder zum Verkauf!, abgerufen am 24. Februar 2014
  6. Der Spiegel, in der Rubrik "Plagiate", 29. Mai 1995 zuletzt abgerufen am 5. Mai 2013.
  7. Sheryll Oswald: Peter Winter and the modern German forgeries on eBay (28 July, 2001)
  8. British Guiana 1c, 1856: Weltrarität oder Fälschung? Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) e.V. (in German) (PDF; 373 kB)
  9. The Saint in Palm Springs in der Internet Movie Database (englisch)
  10. COA: Donald Duck: The Gilded Man