Inverted Jenny

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Inverted Jenny
korrekter Druck

Die Inverted Jenny, (dt.: auf dem Kopf stehende Jenny) manchmal auch Jenny Invert, ist der Name eines berühmten Fehldruckes einer US-amerikanischen Briefmarke aus dem Jahr 1918. Sie ist nicht die einzige Briefmarke der Welt von der es eine kopfstehende Variante gibt und auch nicht die einzige amerikanische kopfstehende Briefmarke.

Der Fehldruck[Bearbeiten]

Der Fehldruck unterscheidet sich von der Originalmarke darin, dass das Flugzeug, eine Curtiss JN-4 mit Spitznamen „Jenny“, im Zentrum des Briefmarkenmotives verkehrtherum gedruckt wurde. Dies war möglich, da die Briefmarke in zwei verschiedenen Farben und Druckgängen hergestellt wurde. Das Flugzeug wurde in blauer, der Rand in roter Farbe gedruckt. Dieser Fehldruck zählt zu den größten Raritäten der Philatelie. Es sind nur 100 Exemplare dieser Briefmarke bekannt. Ihr Wert liegt um die 120.000 €.

Entstehung und Entdeckung[Bearbeiten]

Bei der Originalmarke handelt es sich um die erste Flugpostmarke der USA. Sie konnte ab 15. Mai 1918 zur Bezahlung der Flugpostgebühren verwendet werden. Für die neue Flugpostverbindungen zwischen Washington D.C., Philadelphia und New York City gab die Post extra erstmals eine Luftpostmarke heraus. Als Flugzeuge für diese Linie dienten mehrere Curtiss JN-4. Zuvor wurden bereits mehrere Versuche der US-amerikanischen Post mit einer möglichen Postbeförderung per Flugzeug unternommen. Der Postwert der Briefmarke, der sich mit den Flugpostgebühren deckte, war mit 24 Cents relativ hoch angesetzt. Die neue Luftpostlinie war nicht viel schneller als die konkurrierende Post per Zugverbindung, aber achtfach so teuer als die konventionelle Post erster Klasse.

Mit dem Druck der Flugpostmarken wurde erst am 10. Mai 1918 begonnen. Zuvor war man seit 4. Mai mit dem Gravieren der Druckplatten beschäftigt. Die Auslieferung der Briefmarken erfolgte jedoch bereits am 13. Mai. Der Druck der Briefmarken musste also in großer Eile erfolgen. Eine Entstehung von Fehldrucken war somit sehr wahrscheinlich.

Am 14. Mai 1918, dem Erstausgabetag der Flugpostmarke, entdeckte der Philatelist W. T. Robey einen Bogen zu 100 Briefmarken der Inverted Jenny („my heart stood still“). Er kaufte diesen und überzeugte sich, dass dieser der einzige Bogen mit Fehldrucken des Postamtes war. Er konnte den Bogen, aus dem alle heutigen bekannten Stücke stammen, für 15.000 $ an den bekannten Briefmarkenhändler Eugene Klein verkaufen. Dieser verkaufte diesen sofort für 20.000 $ an den Sammler Edward H. R. Green weiter. Dieser zertrennte auf Anraten Eugene Kleins den Bogen und begann mit dem Verkauf mehrerer Paare und Einzelstücke, die sich heute in den verschiedensten Briefmarkensammlungen der Welt wiederfinden. Green versah außerdem den Markenbogen mit einer aufsteigenden Nummerierung mit Bleistift (von 1 bis 100), sodass die Lebensläufe der verschiedenen Marken gut nachverfolgt werden können. Anschließend verkaufte er einige davon, darunter Viererblocks. Dabei behielt Edward Green unter anderem die größte zusammenhängende Einheit, einen Achterblock für seine eigene Sammlung.

„Inverted Jenny“ in Film, Fernsehen und Presse[Bearbeiten]

Die „Inverted Jenny“ wurde in der US-amerikanischen populären Kultur zum Sinnbild einer besonders teuren Briefmarke: Im Kinofilm Zum Teufel mit den Kohlen musste der Protagonist Brewster innerhalb von 30 Tagen 30 Millionen Dollar ausgeben – was ihm unter anderem damit gelingt eine Postkarte mit einer „Inverted Jenny“ zu frankieren. In der Simpsons-Folge Homer und die Sangesbrüder (9F21) findet Homer Simpson auf einem Flohmarkt einen ganzen Bogen mit „Inverted Jennys“ und wirft ihn achtlos weg.

Soweit bekannt wurde zuletzt 2005 bei einer Versteigerung der Inverted Jenny ein Rekordpreis erzielt.[1]

Objekt für Fälscher[Bearbeiten]

Die Inverted Jenny wurde aufgrund ihres hohen Sammlerwerts immer wieder auch Objekt für Fälschungsversuche.[2] Ende 2006 frankierte ein anonymer Briefwähler bei den US-Kongresswahlen das Wahlcouvert mit einer „Inverted Jenny“. Bei der Wahl der Briefmarke auf dem in Fort Lauderdale (Florida) gefundenen Umschlag handelte es sich jedoch um Absicht, wie ein Sammler zugab, der sich wenige Tage später meldete. Die verwendete Marke stamme aus einem von der US-Postbehörde gedruckten Gedenkblock und sei höchstens 50 Cent wert. Er nutze diese Marken häufig, um beim Adressaten Aufmerksamkeit zu erregen.[3][4][5] Dies wurde bei einer Untersuchung im Büro des Wahlleiters bestätigt.[6]

Gedenkausgabe von 2013[Bearbeiten]

Am 22. September 2013 brachte die US-Post eine Gendenkausgabe zum 95-jährigen Jubiläum heraus. Es handelt sich hierbei um einen Kleinbogen mit sechs selbstklebende Briefmarken zu je 2 US-Dollar. Diese wurden in geschlossenen Verkaufsverpackungen angeboten. Die Auflage betrug 2,2 Millionen Bogen zu je 12 Dollar. Die Post teilte einige Tage nach dem Ausgabetag mit, dass 100 Bogen den Doppeldecker in normaler Stellung zeigen und der Gesamtauflage nach dem Zufallsprinzip beigemischt wurden.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

  • George Amick: The Inverted Jenny: Mystery, Money, Mania, Amos Press, Sidney (Ohio) 1986, ISBN 0-89487-089-0, 250 S.
  • The Story of America's Inverted Airmail. In: U.S. Stamps & Postal History, Vol. II, No. 1, Winter 1993, S. 25–29
  • M. Burzan: Wiedergeburt einer Rarität. In: Briefmarken Spiegel Ausgabe Nr. 11/2013, S. 24 f
  • M. Burzan: philatelie Ausgabe Nr. 443 vom Mai 2014, S. 49–53
  • M. Burzan: Deutsche Briefmarken-Zeitung Ausgabe Nr. 14/2014, S. 34
  • L. N. Williams: Encyclopaedia of Rare and Famous Stamps. Band 1 The Stories. Feldman, Genf 1993, ISBN 0-89192-435-3, S. 325–329

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Inverted Jenny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lisa Zeitz, 2,7 Millionen Dollar: Rekordpreis für vier Briefmarken, FAZ vom 22. Oktober 2005, abgerufen am 21. Juni 2013.
  2. Unter anderem wurde die Inverted Jenny auch von dem als Fälscher von Sammler-Devotionalien in den 1980er Jahren bekannt gewordenen Peter Winter gefälscht, siehe „Falsche Töne eines Opernsängers“ zuletzt abgerufen am 21. Juni 2013.
  3. Sarasotan: 'Inverted Jenny' stamp on ballot not what it seems, Herald Tribune 13. November 2006
  4. Meldung auf tagesschau.de vom 15. November 2006: Ein 200.000-Dollar-Irrtum - oder ein Witz? (archiviert) (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  5. Ein 200.000-Dollar-Irrtum - oder ein Witz?, Website eines Briefmarkenforums zu diesem Fall, abgerufen am 21. Juni 2013.
  6. Reuters: Stamp used on Florida ballot a fake, 4. Dezember 2006
  7. Detlev Moratz: USA: Die gedrehte Inverted Jenny; in: Südwest Aktuell, Heft 253 vom März 2014; S. 40–41 (PDF-Datei 6,2 MB)
  8. Postal Service Announces Very Limited Edition Stamps Circulated with Recent Issue of Famous ‘Upside Down’ Jenny Stamp / Customers who purchased Inverted Jenny stamps could have one of only 100 stamp sheets printed with plane flying ‘right side up,’ First recipient comes forward Mitteilung Nummer: 13-079 vom 2. Oktober 2013 (englisch)