Britisch-Guayana

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Flagge Britisch-Guayanas
Grenzen von Britisch-Guayana 1896

Britisch-Guayana (englisch British Guiana) war der Name einer Kolonie des Vereinigten Königreiches an der Nordküste von Südamerika. Sie bildet seit 1966 den unabhängigen Staat Guyana.

Entstehung[Bearbeiten]

Am Beginn des 17. Jahrhunderts waren es Niederländer, die zunächst in diesem Gebiet an den Flüssen Pomeroon, Essequibo und Berbice Handelsposten zum Tauschhandel mit Einheimischen errichteten. Hieraus und aus ersten Pflanzungen entstanden die Kolonien Essequibo und Berbice. Ab 1745 wurden auch die Ufer des Demerara, der zu Essequibo gehörte, intensiver für die Plantagenwirtschaft genutzt. Im Laufe der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekam dieser Bereich als Demerara einen eigenständigen Charakter.

Niederländisch-Guayana[Bearbeiten]

Zusammen mit Suriname war dieser Bereich an der Nordküste von Südamerika auch unter dem Sammelbegriff Niederländisch-Guayana bekannt.

Die einzelnen Gebiete wechselten ab Ende des 18. Jahrhunderts mehrmals zwischen den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich die Besitzer.

Britische Kolonie[Bearbeiten]

Der von Brown im April 1870 beschriebene Kaieteur-Wasserfall im Landesinnern - Zeichnung des Forschers

Nach den Napoleonischen Kriegen fielen die Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice durch den Britisch-Niederländischen Vertrag vom 13. August 1814 definitiv an Großbritannien.

Am 21. Juli 1831 wurden diese drei Kolonien dann als Britisch-Guayana zusammengefügt.

Nachdem 1834 die Sklaverei abgeschafft wurde, importierten die Briten ab 1838 vor allem Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien als Ersatz für die von Zuckerrohr-Plantagen wegziehenden Afro-Guyaner.

Britisch-Guayana wurde 1928 zur Kronkolonie. Im Jahre 1953 intervenierten Britische Truppen in Britisch-Guayana. Großbritannien befürchtete, dass das Ehepaar Janet und Cheddi Jagan und die durch sie gegründete People's Progressive Party (PPP) Guyana zum kommunistischen Staat machen wollten.

Britisch-Guayana erreichte schließlich als Staat Guyana am 26. Mai 1966 die Unabhängigkeit von Großbritannien, und Guyana wurde am 23. Februar 1970 zur Republik.

Forschungsreisen, Grenzkonflikte[Bearbeiten]

Von 1841 bis 1844 war der deutsche Forschungsreisende Robert Hermann Schomburgk im Auftrag der britischen Regierung in Britisch-Guayana zur Fixierung der östlichen und westlichen Grenzen. Das Ergebnis war die vorläufige Grenze zwischen Britisch-Guayana und Venezuela, die als „Schomburgk-Linie“ bekannt wurde, sowie die Festlegung der Grenze mit der niederländischen Kolonie Suriname.

Außerdem bereiste der britische Geologe und Topograph Charles B. Brown von 1868 bis 1871 im Auftrag der Kolonialverwaltung das meist unerforschte Hinterland der Region zwischen Suriname und Venezuela. Brown war mit der exakten Vermessung der Flussläufe und geologischen Untersuchungen beauftragt. Dank seiner 40 monatigen Forschungsreisen im tropischen Urwald wurden zahlreiche Einheimischensiedlungen, Lagerstätten von Bodenschätzen und topographische Besonderheiten im Landesinnern dokumentiert. Seine Arbeit war ebenfalls für die exakte Bestimmung der Grenzverläufe mit den Nachbarstaaten Suriname, Brasilien und Venezuela von Bedeutung.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles B. Brown: Canoe and Camp Life in British Guiana. London 1876.