Brustschmerz

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Klassifikation nach ICD-10
R07.1 Brustschmerzen bei der Atmung
R07.2 Präkordiale Schmerzen
R07.3 Sonstige Brustschmerzen
R07.4 Brustschmerzen, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Brustschmerz (Synonym Thoraxschmerz) ist ein häufiges Symptom in der Medizin mit einer Vielfalt von Ursachen unterschiedlicher Gefährlichkeit. Beteiligte Organe sind in erster Linie Herz, Lunge, Speiseröhre, Muskel- und Skelettsystem der Brust.

Herz[Bearbeiten]

Mögliche Lokalisationen der Schmerzempfindung bei Angina pectoris
rot: häufig und stark
rosa: selten oder ausstrahlend
Legende s. o.

Echte Koronarinsuffizienz[Bearbeiten]

Beschwerden hervorgerufen durch Verengung oder Verschluss eines oder mehrerer Herzkranzgefäße bei einer koronaren Herzerkrankung

  • Angina pectoris: dumpf, bohrend, ziehender Schmerz mit Enge, die als einschnürend oder große Last beschrieben wird. Meist hinter dem Brustbein, einstrahlend in die linke, seltener in beide Schultern, Arm und Kiefer.
  • Herzinfarkt: wie bei Angina pectoris, aber meist schwerer, ohne Besserung auf Nitroglycerin

Relative Koronarinsuffizienz[Bearbeiten]

Durchblutung-Einschränkung der Herzkranzgefäße ohne koronare Herzerkrankung mit Beschwerden einer typischen Angina pectoris

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Pericarditis: scharfer, atemabhängiger linksseitiger Schmerz mit Ausstrahlung in Hals, Rücken und Schulter. Verbesserung der Beschwerden im vornübergebeugten Sitzen.
    • bakterieller oder viraler Genese
    • urämischer oder tuberkulöse Ursache, eher schmerzfrei.
    • Dressler-Syndrom, Sonderfall nach Infarkt
  • Aortendissektion der Aorta thoracica: therapierefraktärer, plötzlich einschießender Vernichtungsschmerz mit Ausstrahlung in Rücken, Genick, Bauch, evtl. auch Beine

Lunge und Pleura[Bearbeiten]

  • Lungenembolie: Vernichtungsschmerz mit begleitender Luftnot, kleinere Embolien häufig ohne Schmerzen
  • Pleuritis: atemabhängiger Schmerz
  • Tumor: langsam zunehmender Schmerz
  • Spontanpneumothorax: plötzlich auftretende, von atemabhängigen Schmerzen begleitete Luftnot

Speiseröhre[Bearbeiten]

  • Refluxösophagitis: brennender Schmerz hinter dem Brustbein, häufig abends oder nachts, Besserung im Sitzen oder Stehen und nach Trinken von Flüssigkeit.
  • Spasmus der Speiseröhre: Schmerzen hinter dem Brustbein, unabhängig von der Nahrungsaufnahme oder der Körperhaltung, auch nachts.
  • Achalasie: nahrungsabhängige retrosternale Schmerzen
  • Mallory-Weiss-Syndrom und Boerhaave-Syndrom: retrosternaler Schmerz nach Erbrechen
  • Zenker-Divertikel: Schmerzen nach dem Schluckakt

Magen[Bearbeiten]

  • Roemheld-Syndrom: Beschwerden nach übermäßiger Mahlzeit vor allem blähender Speisen
  • Gastritis, Beschwerden eher im Oberbauch

Skelettsystem[Bearbeiten]

  • Wirbelsäulensyndrom: bewegungs- und haltungsabhängiger Schmerz, evtl. mit Schonhaltung
  • Intercostalneuralgie: punktueller oder im Verlauf einer Rippe streifenförmiger bewegungsabhängiger Schmerz der durch Druck verstärkbar ist.
  • Tietze-Syndrom: punktueller Druckschmerz der sternalen Knorpelansätze der ersten und zweiten, seltener der dritten und vierten Rippen
  • Thoraxtrauma und Rippenfraktur: druck- und bewegungsabhängiger Schmerz eines umschriebenen Bereichs
  • Knochenmetastase: punktueller Druckschmerz
  • SAPHO-Syndrom: meist einseitiger Schmerz des Gelenks zwischen Schlüssel- und Brustbein
  • Eosinophiles Granulom: teils belastungsabhängiger, teils auch nächtlicher lokalisierter Knochenschmerz[1]

Muskulatur[Bearbeiten]

  • Myogelose: punktueller Druckschmerz der verhärteten Muskulatur, häufig neben der Wirbelsäule
  • Dermatomyositis: symmetrischer Muskelschmerz
  • Trichinose: punktueller muskulärer Druckschmerz, evtl. mit tastbaren Verkalkungen

Sonstiges[Bearbeiten]

Lokalisation von Herpes zoster auf der Brust

Quellen[Bearbeiten]

  •  Mewis, Riessen, Spyridopoulos (Hrsg.): Kardiologie compact. 2 Auflage. Thieme, Stuttgart, New York 2006, ISBN 3-13-130742-0, S. 1-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Fichter: Langerhans-Zellhistiozytose des Erwachsenen – eine interdisziplinäre Herausforderung. In: Deutsches Ärzteblatt. 19. April 2007. Abgerufen am 25. März 2009.
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