Burg Falkenstein (Niederösterreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burg Falkenstein
Burgruine Falkenstein

Burgruine Falkenstein

Entstehungszeit: Um 1050
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Falkenstein
Geographische Lage 48° 43′ 30″ N, 16° 34′ 42″ O48.72516.578333333333415Koordinaten: 48° 43′ 30″ N, 16° 34′ 42″ O
Höhe: 415 m ü. NN
Burg Falkenstein (Niederösterreich) (Niederösterreich)
Burg Falkenstein (Niederösterreich)

Die Burg Falkenstein liegt im nördlichen Weinviertel in der Marktgemeinde Falkenstein.

Lage[Bearbeiten]

Die Burg liegt in 415 Meter Höhe auf einer Kalkklippe in strategisch hervorragender Lage.
Es gibt fast keinen Punkt Südmährens, den man von der Burg aus nicht sehen kann.

Geschichte[Bearbeiten]

Um das Jahr 1050 wurde die erste Burg als Reichsfeste errichtet und die Pfarre Falkenstein geschaffen. Es wird angenommen, dass die Gründung im Zuge der zweiten bairischen Kolonisation des Weinviertels unter Kaiser Heinrich III. durch die Grafen von Neuburg-Falkenstein entstand. 1106 dürfte die Burg anlässlich der Eheschließung Leopold III. mit der Kaisertochter Agnes als Königsgut in den Besitz des Landesfürsten gekommen sein. Die Burg blieb bis 1571 landesfürstliches Lehen.

Falkenstein wurde aber immer wieder für längere Zeit als Pfandherrschaft an verschiedene Adelsgeschlechter übertragen, u.a. an die Liechtensteiner, von 1480 bis 1571 hatten es die Fünfkirchen inne. 1572 verkaufte Maximilian II. Burg und Herrschaft Falkenstein an seinen Obersthofmeister Hans Freiherr von Trautson. Er und seine Nachfolger bauten die Burg zur Renaissancefestung aus.

1539 wurden 150 Anhänger der radikal-reformatorischen Täuferbewegung in der Burg gefangen gesetzt und anschließend nach Triest verbracht, um dort als Galeerensklaven verkauft zu werden. Unter ihnen war auch der hutterische Chronist Kaspar Braitmichel, dem jedoch die Flucht gelang.[1] Vom Schicksal der inhaftierten Täufer berichtete auch der Märtyrerspiegel.

Im Jahre 1645, in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Burg von den Schweden unter General Lennart Torstensson erobert, jedoch nicht zerstört. Die Einnahme der Burg wurde den Schweden durch Verrat ermöglicht - es wurden ihnen die Torschlüssel zugespielt.[2] Der Verfall der Burg setzte erst Ende des 17. Jahrhunderts. ein, zusätzlich wurde die Burg von den eigenen Besitzern des Baumaterials wegen abgebrochen. Nach dem Tod von Fürst Johann Wilhelm, des letzten männlichen Trautsons, fiel Falkenstein an Heinrich Josef von Auersperg, später an die Bartenstein und 1850 an die Freiherrn Vrints (ab 1860 Grafen von Falkenstein). Georg Graf Thurn–Vrints begann im Jahre 1989 die Burgruine zu revitalisieren und zu erforschen und machte sie für Besucher zugänglich.[3]

Die Burg heute[Bearbeiten]

Unter dem derzeitigen Besitzer Georg Thurn-Vrints wurde die Burgruine wieder für Besucher geöffnet und ein Verein zur Erhaltung der Burgruine Falkenstein gegründet. Seit 1992 werden archäologische Grabungen unter der Leitung des Bundesdenkmalamtes durchgeführt. Im Sommer wird der Turnierhof zum stimmungsvollen Schauplatz für mittelalterliche Feste und Sommertheater.

Zur Erinnerung an die in der Reformationszeit auf der Burg festgehaltenen Täufer wurde im Juni 2011 im historischen Gewölbe der Burgruine ein Museum unter dem Namen Täufergwölb eröffnet. Im Burghof wurde zudem ein maßstabsgetreu nachgebauter Rumpf einer historischen Galeere aufgestellt.[4][5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Falko Daim (Hrsg.): Burgen – Weinviertel. 1. Auflage, Verlag Freytag & Berndt, Wien 2005, ISBN 3-7079-0713-9, S. 96-100.
  • Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen – Burgruinen in Niederösterreich, 1. Auflage 1999, Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St.Pölten–Wien, ISBN 3-85326-114-0, S. 247–250

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgruine Falkenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Braitmichel-Biographie bei GAMEO; eingesehen am 23. November 2010
  2. Norbert Sinn: Die operative Bedeutung des Raumes Weinviertel, in: Stefan Bader, Mathias Hirsch u. a. (Hg.): Die Garnison Mistelbach. Die Geschichte einer Kaserne und ihrer Umgebung, Wien 2012, S. 54
  3. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen ..., S. 248
  4. Eröffnung Täufergwölb und Galeere auf der Ruine Falkenstein. Evangelikale Akademie, abgerufen am 11. September 2011.
  5. Eröffnung "Täufergwölb" Burgruine Falkenstein. Marktgemeinde Falkenstein, abgerufen am 11. September 2011.