Burg Hardenstein

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Burg Hardenstein
Burgruine Hardenstein, Ostseite

Burgruine Hardenstein, Ostseite

Entstehungszeit: um 1354
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Umfassungsmauern, zwei runde Ecktürme
Ständische Stellung: Grafen
Bauweise: Bruchstein
Ort: Witten
Geographische Lage 51° 25′ 14,6″ N, 7° 18′ 5,4″ O51.4207222222227.301595Koordinaten: 51° 25′ 14,6″ N, 7° 18′ 5,4″ O
Höhe: 95 m ü. NN
Burg Hardenstein (Nordrhein-Westfalen)
Burg Hardenstein

Die Burg Hardenstein ist eine Ruine an der mittleren Ruhr nordwestlich von Witten-Herbede in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie wird vom gleichnamigen Naturschutzgebiet Hardenstein umschlossen und befindet sich in der Nähe des Muttentals. Bis zur Fertigstellung der Ruhrtalbahn (heute Museumsbahn) im neunzehnten Jahrhundert lag die Burg unmittelbar am Fluss. Typologisch ist die seit langem als Burg bekannte Anlage ein „festes Haus“ – also ein Herrenhaus.[1] Sie diente hauptsächlich als Wohnsitz seiner herrschaftlichen Besitzer und war daher nur bedingt wehrhaft.

Ruine der Burg Hardenstein um 1840

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1354 musste Heinrich II. von Hardenberg die Herrschaft Hardenberg im heutigen Velbert an Graf Gerhard I. von Jülich-Berg verkaufen. Im selben Jahr ließ sich Heinrich II. von Hardenberg mit seiner Familie am südlichen Ufer der Ruhr zwischen Herbede und Witten nieder. Die Wasserburg wurde zwischen 1345 und 1354 erbaut.

Dessen Nachfahren nannten sich dann auch von Hardenstein und litten wohl unter so manchen Geldsorgen. Im Jahre 1378 zettelte Heinrich IV. von Hardenstein eine Fehde gegen die Stadt Dortmund an, weil er bei einem dortigen jüdischen Geschäftsmann mit einem hohen Geldbetrag in der Kreide stand. Der Angriff mit etwa 1.000 Mann auf die Stadt Dortmund schlug fehl. Bei einem anderen folgenden Feldzug wurde er von den Kölner Truppen gefasst und hingerichtet.

Durch Heirat mit der Tochter des letzten Hardenbergers Heinrich V. kam die Burg 1439 an Robert Stael von Holstein. 1430/40 wurde die Südseite mit zwei flankierenden Türmen und einer Schildmauer erweitert.

Die Burgruine von Nordosten gesehen (Innenhof). Die Ruhr liegt außerhalb des rechten Bildrandes.
Künstlerische Impression der historischen Nord-Ost-Ansicht.[2] Das Dach war, anders als hier dargestellt, mit Sandsteinplatten gedeckt.
Blick von der anderen Uferseite

Im 16. Jahrhundert noch bewohnt, befanden sich in der Nähe der ehemaligen Burg über viele Jahre hinweg Kohlenlagerstätten. Erst seit dem 18. Jahrhundert, nachdem sie aufgegeben worden war, verfiel die Anlage.

1974 wurde die Burg von der Stadt Herbede gepachtet, ab 1975 von der Stadt Witten.

Die Sage von Goldemar[Bearbeiten]

Der Sage nach lebte zu Zeiten eines Neveling von Hardenstein auch ein Zwergen-König namens Goldemar bzw. Volmar, welcher unsichtbar war, als dessen Gast in der Burg. Man speiste, trank und feierte zusammen. Nachdem der Küchenjunge Erbsen und Mehl gestreut hatte, um wenigstens die Fußspuren des Zwergenkönigs sehen zu können, tötete, kochte und verspeiste ihn der Zwergenkönig und verschwand, nicht ohne einen Fluch über die Familie zu verhängen.[3][4]

Burgruine heute[Bearbeiten]

Die Burgruine wird seit 1974 vom Verein Burgfreunde Hardenstein erforscht, erhalten und gepflegt. Archivalien über die Burgruine Hardenstein und eine archäologische Fundsammlung davon befinden sich in der Grundschule Witten-Herbede51.42027.2811 und können dort besichtigt werden.

Unmittelbar hinter der südlichen Umfassungsmauer beginnt der Bergbauwanderweg Muttental; auf der Nordseite verläuft die Trasse der Museumseisenbahn RuhrtalBahn, die die Burganlage von der Ruhr trennt. Hier ist zudem ein Haltepunkt eingerichtet.

Seit April 2006 verkehrt die neue Ruhrtalfähre Hardenstein in der Nähe der Ruine. Als einzige Fähre auf der Ruhr ist sie eine besondere Attraktion im Radwegenetz des Ruhrtals. Diese Verbindung, die an dem gegenüberliegenden Ufer unweit der Schleuse Herbede endet, wird von fünfzehn ehrenamtlichen und einem hauptamtlichen Binnenschiffer betrieben. Am selben Anleger verkehrt auch das Ausflugsschiff MS Schwalbe II der Stadtwerke Witten. Auf diese Weise ist hier ein Verknüpfungspunkt zwischen dem Ausflugsschiff und dem Museumszug entstanden.

Witterungseinflüsse und nicht rechtzeitig durchgeführte Sicherungsmaßnahmen sorgen dafür, dass die Anlage weiter verfällt, unter anderem stürzte in der Nacht zum 16. März 2010 eine Zwischenmauer der Hauptburg ein. Die Sanierung/Restaurierung der einsturzgefährdeten Mauerbereiche ist abgeschlossen. Die Burgruine ist wieder für Besucher begehbar.

Lage[Bearbeiten]

  • Lage: Hardensteiner Weg, Witten-Herbede, am Südufer der Ruhr

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Schoppmeyer: Witten. Geschichte von Dorf, Stadt und Vororten. Band 1, VOHM, Witten 2012, ISBN 978-3-00-040266-1, S. 109–113.
  •  Hans Dieter Radke, Heinrich Schoppmeyer (Hrsg.): Burg Hardenstein. Geschichte und Geschichten. Burgfreunde Hardenstein, Witten 1999, ISBN 3-00-004703-4.
  • Hans Dieter Radke: Jahresarbeitsberichte des Vereins Burgfreunde Hardenstein e.V., ab 1974 Hrsg. (Selbstverlag) Burgfreunde Hardenstein.
  • Hans Dieter Radke: Burg Hardenstein. Ein Beitrag zur Baugeschichte. In: Burgen und Schlösser. Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Bd. 1 1980, S. 45–49.
  • Hans Dieter Radke: Burg Hardenstein. In: Heimatverein Herbede e.V. (Hrsg.): Herbede gestern,heute,morgen. Heft 2, Herbeder heimatkundlicher Schriften. Witten 1981, S. 20–26.
  • Hans Dieter Radke, Hans Gödecke: Rekonstruktionsstudien Burg Hardenstein. Witten 1978; Ergänzungen 1984. Hrsg.: Burgfreunde Hardenstein e.V. (Hauptburg im 18. Jh. Vier Seitenansichten, zwei Grundrisse Erdgeschoss u. Obergeschoss)
  • Hans Dieter Radke: Das Hardensteinarchiv. Der Aufbau des Archivs. In: Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher. 2/97, S. 38–39.
  • Hans Dieter Radke: Restaurierungsübersicht Burgruine Hardenstein. In: Heimatverein Herbede e.V. (Hrsg.): Herbeder Spuren. Bd. 3, Herbeder heimatkundlicher Schriften. Witten 2001, S. 32–37.
  • Hans Dieter Radke: Burgruine Hardenstein in Vergangenheit und Gegenwart. Kunstführer. 4. überarbeitete Auflage. Dortmund 2004. Hrsg.: Burgfreunde Hardenstein e.V.
  • Hans Dieter Radke: Werksteinfunde in der Burgruine Hardenstein. In: Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (Hrsg.): Märkisches Jahrbuch für Geschichte. Band 108, Dortmund 2008, S. 311–318.
  • Gotthard Kießling: Burg Hardenstein. In: Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW / Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Klartext Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0234-3, S. 149–153.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans Dieter Radke, Heinrich Schoppmeyer (Hrsg.): Burg Hardenstein. Geschichte und Geschichten. Burgfreunde Hardenstein, Witten 1999, ISBN 3-00-004703-4.
  2. Ansichts-Zeichnungen Rekonstruktion nach Ansichtszeichnungen der Burgfreunde-Hardenstein
  3. Dirk Sondermann (Hrsg.): Ruhrsagen. Von Ruhrort bis Ruhrkopf. Henselowsky Boschmann, Bottrop 2005, ISBN 3-922750-60-5.
  4. Sagenhaftes Ruhrgebiet: Zwergenkönig Goldemar auf Burg Hardenstein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Hardenstein – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien