Festes Haus

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Festes Haus in Camarsac, 14. Jh. (Rekonstruktion von Viollet-le-Duc)
Schloss Hart am Harter Graben Kindberg/Österreich
Kränzelstein in Sarnthein/Südtirol

Als Festes Haus wird in der Burgenforschung ein bedingt wehrhaftes Gebäude mit relativ starken Mauern bezeichnet, das – ähnlich wie der Wohnturm – dem adligen Besitzer zu Wohn-, Wehr- und Repräsentationszwecken diente. Das so bezeichnete Gebäude kann Teil einer größeren Burg sein oder einzeln stehen. Das Feste Haus ist spätestens seit dem 10. Jahrhundert nachweisbar. In der Frühen Neuzeit (16. und 17. Jahrhundert) kam ein vergleichbarer Haustyp wieder vermehrt in Gebrauch, der als leicht bewehrter Adelssitz genutzt wurde.

Feste Häuser im Früh- und Hochmittelalter[Bearbeiten]

Der Bautyp des Festen Hauses lässt sich spätestens ab der Mitte des 10. Jahrhunderts nachweisen.[1] Es handelte sich dabei um ein freistehendes Gebäude mit längsrechteckigem Grundriss und bis zu drei Geschossen. Der Eingang befand sich meistens im Erdgeschoss, das in Steinbauweise (oft aus Feldsteinen) errichtet war. Der wehrhafte Charakter zeigt sich unter anderem an den nur kleinen Fensteröffnungen oder Lichtschlitzen im Erdgeschoss. Die Obergeschosse konnten in Holz- beziehungsweise Fachwerkbauweise oder ebenfalls in Stein ausgeführt sein. Da die erhaltene Bausubstanz jedoch oft nicht über die Grundmauern hinausgeht, ist eine genaue Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Festen Häuser meistens kaum möglich. Es kann aber festgehalten werden, dass sie schon durch ihre Steinbauweise einen erhöhten Verteidigungs- und Repräsentationswert hatten, wenn man bedenkt, dass im frühmittelalterlichen Burgenbau die überwiegend verwendeten Baumaterialien Holz, Lehm und Erde (Erdwälle) waren. Als Vorgänger der Bauform kann die frühmittelalterliche germanische Halle gelten, ein in Holzbauweise errichtetes Wohngebäude mit längsrechteckigem Grundriss.

Die Festen Häuser des 10. und 11. Jahrhunderts waren oft Bestandteil einer Burganlage und bildeten ihren Kern, der häufig in späterer Zeit durch Umbauten und zusätzliche Gebäude ergänzt wurde. Ein Beispiel ist ein in karolingischer Zeit um 900 errichtetes Steinhaus in Doué-la-Fontaine (Maine-et-Loire, Frankreich), das nach einem Brand um 940 mindestens zweigeschossig aufgestockt wurde und dann um 1000 zusätzlich noch im bisherigen Erdgeschossbereich mit einem aufgeschütteten Erdhügel (Motte) umgeben wurde. An Beispielen wie diesem zeigt sich außerdem, dass durch spätere Aufstockungen eine Umwandlung in einen Wohnturm stattfinden konnte. Der Wohnturm unterscheidet sich zunächst rein formal durch seine größere Höhe vom Festen Haus. Der Übergang zwischen den beiden Bauformen kann im Einzelfall fließend sein. Dies trifft auch für einige französische Donjons und englische Keeps zu, die mit ihrer gedrungenen Form nicht den vertikal betonten Charakter eines typischen Turmbaus haben.

Im 11. Jahrhundert gab es im Burgenbau ein Nebeneinander der beiden Bauformen Festes Haus und Wohnturm, beide fanden sich beispielsweise auch als Hauptgebäude auf den Motten der Zeit. Der bruchstückhafte Baubestand macht eine Zuordnung dabei oft schwer, zumal in der Zeit öfter auch Feste Häuser durch zusätzliche Geschosse zu Turmbauten aufgestockt wurden.

Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begann in Mitteleuropa eine neue Entwicklung in der Burgenarchitektur, bei der Wohn- und Wehrfunktion zunehmend voneinander getrennt wurden: Es entstand die Bauform des wehrhaften und üblicherweise unbewohnten Bergfrieds auf der einen Seite, und auf der anderen Seite der Palas oder ähnliche Saalbauten, die sich durch zahlreiche größere Fenster, Bauschmuck und höheren Wohnkomfort deutlich vom früheren Festen Haus unterschieden. Die Zusammenfassung und kompakte Konzentration von Wohn- und Wehrfunktion entsprach nicht mehr den Ansprüchen der adligen Burgherren dieser Zeit.

Feste Häuser in der Frühen Neuzeit[Bearbeiten]

Am Übergang vom Spätmittelalter in die Frühe Neuzeit verbreitete sich ein neuer Typus des Festen Hauses, der in der Funktion eines leicht bewehrten Adelssitzes im 16. und 17. Jahrhundert noch einmal eine neue Blüte erlebte.[2] Man begann, die ältere vielgliedrige Burg zu reduzieren, verschiedene Gebäude zusammenzufassen und die unterschiedlichen Gebäudefunktionen wieder unter einem Dach zu konzentrieren.[3] Diese Festen Häuser wurden beispielsweise als Ansitz genutzt und erfüllten oft für Landadlige bei geringem Bauaufwand die damaligen Anforderungen an Verteidigung und Repräsentation. Die Steinbauweise ist in dieser Zeit natürlich – anders als im Frühmittelalter – kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die Befestigung erfolgte oft durch Schießscharten für Handfeuerwaffen im Erdgeschoss, einen Wassergraben sowie Wehrerker und Ecktürmchen (Tourellen oder Scharwachttürme) im Dachbereich. Für die Erschließung der Obergeschosse wurde in vielen Fällen ein Treppenturm errichtet. Die Hauptgeschosse waren mit größeren Fenstern ausgestattet und für die standesgemäßen Wohnansprüche des adligen Besitzers ausgelegt. Damit erfüllten die frühneuzeitlichen Festen Häuser freilich nicht die Funktion einer militärischen Befestigung, konnten aber gegen kleinere Überfälle verteidigt werden und entsprachen mit den manchmal auch eher symbolischen Wehrelementen der adligen Repräsentation. Oft erreichen die Festen Häuser durch mehrere Geschosse auch turmartige Proportionen. In Frankreich werden die entsprechenden Gebäude als maison forte oder manoir, im englischen Sprachraum als fortified manor house bezeichnet. Sie bildeten oft den Mittelpunkt eines Landgutes und übernahmen dann die Funktion eines Herrenhauses.

Weiherhaus[Bearbeiten]

Ein Weiherhaus im Wolfegger Hausbuch (um 1480)

Beim Weiherhaus (oft auch in der Verkleinerungsform als Weiherhäuschen bezeichnet) handelt es sich um einen kleinen, leicht befestigten Adelssitz, der auf einer natürlichen oder künstlichen Insel auf einem Weiher oder einem Teich erbaut wurde. Der Zugang erfolgte über einen Steg mit Zugbrücke. Weiherhäuser finden sich häufig im Spätmittelalter vor allem im süddeutschen Raum.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Barth: Herrenhäuser und Landsitze in Brandenburg und Berlin. Bergstadtverlag, Würzburg 2008, S.78, ISBN 978-3-87057-292-1.
  • Dieter Barz: Das „Feste Haus“ – ein früher Bautyp der Adelsburg. In: Burgen und Schlösser. Jg. 34, Nr. 1, 1993, S. 10–24.
  • Horst Wolfgang Böhme, Reinhard Friedrich, Barbara Schock-Werner (Hrsg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. Philipp Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-010547-1, S. 123.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Wolfgang Böhme (Hg.): Burgen in Mitteleuropa. Darmstadt 1999, S. 257.
  2. Horst Wolfgang Böhme (Hg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen, Seite 123.
  3. Hans-Joachim Mrusek: Gestalt und Entwicklung der feudalen Eigenbefestigung im Mittelalter. Berlin 1973, S. 125