Café Slavia

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Café Slavia
Viktor Oliva: Der Absinthtrinker (1901)

Das Café Slavia (Adresse: Smetanovo nábřeží 1012/2) ist ein bekanntes Prager Künstlercafé im Stil der 1930er-Jahre am Ufer der Moldau. Der bekannteste Einrichtungsgegenstand ist allerdings das aus 1901 datierende Jugendstilgemälde "Der Absinth-Trinker" von Viktor Oliva.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Café wurde 1884 als Theatercafé in einem dem Grafen Leopold Lazansky gehörigen, 1861-1863 errichteten, Zinspalais eingerichtet. Der 1868 begonnene Bau des benachbarten tschechischen Nationaltheaters hatte das rundum liegende Gastgewerbe stimuliert.

Das Café Slavia öffnete seine Pforten am 30. August 1884 und profitierte stark vom Theater. Zu den Stammgästen zählten Bedřich Smetana (der auch zeitweilig an dieser Adresse wohnte), der Schauspieler Jindrich Mosna und der Regisseur Jaroslav Kvapil.

In der Zwischenkriegszeit wurde das Lokal im Sinne des französischen art deco-Stils umgestaltet. Das Lokal wurde Treffpunkt von Autoren wie Karel Čapek, Jaroslav Seifert oder später, zur Zeit des Kommunismus Václav Havel. Die avantgardistische tschechische Künstlervereinigung „Devětsil“ (Neunkraft) traf sich hier.

Wie der Name schon sagt, war das Lokal von Anfang an eher national tschechisch konnotiert. Aber auch Egon Erwin Kisch und die letzte deutschsprachige Erzählerin Prags Lenka Reinerová verkehrten hier, gelegentlich traf sich hier auch die sog. Freitagsrunde der Pátečníci.

Rainer Maria Rilke verewigte das Slavia literarisch als "Café National" in seinen Novellen "König Bohusch" und "Die Geschwister". Auch im Buch "Der Halleysche Komet" von Jaroslav Seifert spielt das Slavia eine Rolle.

Im Gedicht "Cafe Slavia" (1967) schreibt Seifert über den Besuch Guillaume Apollinaires im Slavia:

„Dem Dichter zu Ehren wurde Absinth getrunken,
der grüner als alles Grüne ist,
und wenn wir von unserem Tisch aus dem Fenster blickten,
floss die Seine unter dem Kai.
Ach ja, die Seine!“

Jaroslav Seifert

Ota Filip schrieb 1985 den Roman Cafe Slavia[1] und bei Reiner Kunze heißt ein Unterabschnitt seines Buches Die wunderbaren Jahre Café Slavia.[2]

Das Slavia wurde 1948 verstaatlicht und 1992 an eine russo-amerikanische Unternehmerin verpachtet. Es ist im Jahre 1997 wiedereröffnet worden und ist heute beim Prager Publikum wie bei auch Touristen beliebt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neuausgabe: Cafe Slavia. Herbig, München 2001, ISBN 3-7766-2255-5.
  2. Reiner Kunze: Die wunderbaren Jahre. Fischer, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-10-042003-9.

50.0818214.413258Koordinaten: 50° 4′ 55″ N, 14° 24′ 48″ O