Pestwurzen

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Pestwurzen
Asiatische Pestwurz (Petasites japonicus)

Asiatische Pestwurz (Petasites japonicus)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Pestwurzen
Wissenschaftlicher Name
Petasites
Mill.

Die Pestwurzen (Petasites) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Bei den Pestwurz-Arten handelt es sich um meist sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von meist 10 bis 25 (selten bis zu 120) cm erreichen. Sie bilden Rhizome als Überdauerungsorgane. Die aufrechten Stängel sind nicht verzweigt. Die Stängel der „männlichen“ Pflanzen verwelken bald. Die Stängel der „weiblichen“ Pflanzen verlängern sich nach der Blütezeit bis zur Samenreife. Sie bilden grundständige, gestielte, große Laubblätter. Die Blätter einiger Arten werden bis zu 30 bis 60 (bis 100) cm breit und sind die breitesten der mitteleuropäischen Flora. Die grundständigen Laubblätter erscheinen meist nach den Blütenständen und sind gestielt. Ihre Blattspreiten besitzen einen glatten, gelappten oder gezähnten Rand. Die Oberseite der Blattspreite kann kahl bis etwas wollig behaart und die Unterseite ist wollig behaart. Die wechselständig verteilten Stängelblätter sind hochblattartig (es sind im Grunde vergrößerte Blattstiel, die manchmal am Ende Spreiten besitzen).

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Ausschnitt eines Blütenstandes der Weißen Pestwurz (Petasites albus) mit gut erkennbaren fünf weißen Kronzipfeln der Röhrenblüten.

Pestwurz-Arten sind zweihäusig oder einhäusig (Subdiözie). In schirmtraubigen, traubigen oder rispigen Gesamtblütenständen sind oft viele körbchenförmige Teilblütenstände zusammengefasst; selten stehen die Blütenkörbchen einzeln. Die kreis- bis diskusförmigen Blütenkörbchen enthalten nur Röhrenblüten. Die Körbchenhülle ist mit einem Durchmesser von 6 bis über 15 mm verkehrt-konisch bis kreiselförmig und vergrößert sich bis zur Fruchtreife. Die meist 12 bis 15 haltbaren Hüllblätter stehen in selten einer, meist zwei Reihen und sind oft purpurfarben, aufrecht, frei oder verwachsen, schmal-länglich bis lineal (ein- bis fünfnervig), fast gleich mit mehr oder weniger trockenhäutigen Rändern. Die Blütenstandsböden sind flach bis konvex und feingrubig. Es sind keine Spreublätter vorhanden. Die Blüten sind eingeschlechtig oder zwittrig. Die „männlichen“ Blütenkörbchen sind meist kreisförmig und besitzen außen 1 bis 20 (bis 70) ursprünglich weibliche, aber sterile oder neutrale Blüten und innen 11 bis 78 Blüten die meist funktional männlich, selten zwittrig und fertil. Die „weiblichen“ Blütenkörbchen sind auch meist kreisförmig und besitzen außen selten 1 bis, meist 30 bis über 130 Blüten, die rein weiblich und fertil sind, und innen 1 bis 12 funktional männlichen Blüten.

Die fünf weißlichen oder rosafarbenen, selten gelben Kronblätter sind zu einer dünnen Röhre verwachsen, die in linealen bis länglichen Kronzipfeln endet. Die linealischen bis gekeuten Griffel sind nicht oder in zwei Griffeläste geteilt, die kurz-konisch und papillös, manchmal lanzettlich bis länglich und mehr oder weniger kurz-steifhaarig sind.

Fruchtstand der Gewöhnlichen Pestwurz (Petasites hybridus).

Es werden schmal-zylindrische, schwach spindelförmige bis mehr oder weniger prismatische Achänen gebildet, die fünf- oder zehnrippig und meist kahl, selten zottig behaart sind. Der leicht abfallende oder fragile Pappus besteht aus 60 bis über 100 weißen, glatten oder bärtigen Borsten, die sich bis zur Fruchtreife vergrößern.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 30.

Petasites frigidus var. palmatus.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gesamtverbreitung auf der Nordhalbkugel umfasst das boreale Nordamerika, südwärts bis in die westlichen Kordilleren und Eurasien.

Filzige Pestwurz (Petasites spurius).

Systematik[Bearbeiten]

Ein Synonym für Petasites Mill. ist Nardosmia Cass.[1] Die Gattung Petasites gehört zur Tribus Senecioneae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie der Asteraceae.

Die bisher mehreren nordamerikanischen Arten werden oft zu einer Art Petasites frigidus zusammengefasst mit einigen Varietäten.

Es gibt etwa 15 bis 18 Pestwurz-Arten (Petasites):

Verwendung[Bearbeiten]

Archäologische Funde[6] im ältesten Salzbergwerk der Welt, dem sogenannten Salzberg bei Hallstatt haben belegt, dass die Blätter vermutlich einer Pestwurz-Art in der Bronzezeit auch als Toilettenpapier verwendet wurden. Heute noch gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurz für die Pflanze.

Die in manchen Petasites-Arten enthaltenen Petasine (Sesquiterpenester vom Eremophilan-Typ) sollen spasmolytisch wirken.[7] Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) wird wegen ihrer spasmolytisch und antiallergisch wirksamen Inhaltsstoffe arzneilich verwendet.

Zwei relativ großblättrige Petasites-Arten werden in Gebieten mit gemäßigtem Klima als Zierpflanzen verwendet: Die europäische Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) und die asiatische Asiatische Pestwurz (Petasites japonicus). Sie sind gelegentlich „Gartenflüchtlinge“, verwildern also; beispielsweise sind etablierte Bestände in Michigan vorhanden.[8]

Bilder[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Randall J. Bayer, A. Linn Bogle, Donna M. Cherniawsky: Petasites. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae), Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, S. 635., online. (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung, Verwendung und Systematik)
  •  Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 2 (Dicotyledones: Compositae). Organization for the Phyto-Taxonomic Investigation of the Mediterranean Area (OPTIMA), Genève 2008, ISBN 978-2-8279-0011-4, S. 551–552.,
  • Werner Greuter: Compositae (pro parte majore): Petasites. In: Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2006–2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Petasites im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. a b Tatjana Shulkina: Ornamental Plants From Russia And Adjacent States Of The Former Soviet Union. A botanical guide for travelers and gardeners. Rostok, Sankt Petersburg 2004, ISBN 5-946680-32-3, online.
  3. Anonymus: Flora of Taiwan Checklist: Petasites. online.
  4. a b c d e f Yilin Chen, Bertil Nordenstam: Petasites. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 20–21: Asteraceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2011, ISBN 978-1-935641-07-0, S. 461., PDF-Datei, online.
  5. John Robert Press, Krishna Kumar Shrestha, David Andrew Sutton: Annotated checklist of the flowering plants of Nepal. Natural History Museum, London 2000, ISBN 0-565-09154-9, fortgeschriebene Version online.
  6. ZDF.de, Terra-X, Sendung vom 7. September 2008: [1]
  7. Hildebert Wagner: Arzneidrogen und ihre Inhaltsstoffe. 6. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1999, Seite 420.
  8. Randall J. Bayer, A. Linn Bogle, Donna M. Cherniawsky: Petasites. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae), Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, S. 635., online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pestwurz (Petasites) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pestwurz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen