Camilo Cienfuegos

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Camilo Cienfuegos 1959

Camilo Cienfuegos Gorriarán (* 6. Februar 1932 in Havanna, Kuba; † 28. Oktober 1959 wahrscheinlich bei einem Flugzeugabsturz über dem Ozean zwischen Camagüey und Havanna, Kuba) war kubanischer Revolutionär.

Camilo Cienfuegos war neben Ernesto „Che“ Guevara, Fidel und Raúl Castro einer der führenden Revolutionäre und Guerillaführer der „Bewegung des 26. Juli“ bzw. der Rebellenarmee gegen das Batista-Regime. Obwohl Cienfuegos weltweit nicht so bekannt ist wie die anderen kubanischen Revolutionsführer, nimmt er in der offiziellen Ikonografie Kubas eine hohe Stelle ein. Sein Todestag ist ein Nationalfeiertag, an dem die kubanischen Schulkinder angehalten werden, eine Blume begleitet von dem Spruch „Una flor para Camilo“ (eine Blume für Camilo) in die Karibische See zu werfen.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Cienfuegos kam als zweiter von drei Söhnen der spanischen Einwanderer José Ramón Cienfuegos Flores und Emilia Gorriarán Zaballa im Stadtteil Lawton der kubanischen Hauptstadt Havanna in einfachen Verhältnissen zur Welt. Kurz darauf lebt die Familie für mehrere Jahre im Stadtteil San Francisco de Paula und kehrte anschließend nach Lawton zurück. Cienfuegos besuchte die Schule bis zum achten Schuljahr, bevor er sich 1949 zunächst in einer Kunstschule einschrieb, aufgrund der verschlechterten finanziellen Situation der Familie jedoch statt des Schulbesuchs als Hilfskraft in einer Schneiderei zu arbeiten begann.[1][2] Im Mai 1953 reiste er mit einem Touristenvisum in die Vereinigten Staaten, wo er illegal arbeitete, bis er im Juni 1955 nach Kuba abgeschoben wurde.[3] Im Dezember 1955 nahm Cienfuegos in Havanna an einer Studentendemonstration zu Ehren des kubanischen Volkshelden Antonio Maceo und gegen die diktatorische Regierung Fulgencio Batistas teil. Im Laufe der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei; dabei wurde Cienfuegos von einer Kugel in den Fuß getroffen. Er beschreibt seine anschließende emotionale Erfahrung im Krankenhaus als die wichtigste seines Lebens. Am Eingang des Krankenhauses empfingen ihn Hunderte begeisterter Menschen. Unter Tränen und Applaus wurde er hochgetragen. Später sagte er, dass er seit diesem Erlebnis davon überzeugt war, dass Kuba unter allen Umständen befreit werden müsse. Im Umfeld einer weiteren Protestdemonstration zu Ehren des Nationalhelden José Martí wird Cienfuegos Ende Januar 1956 verhaftet und vom BRAC, der für ihre Repressionsmaßnahmen berüchtigten antikommunistischen Sondereinheit der Polizei, als Aufrührer registriert. Nach Eheschließung mit der aus Guatemala stammenden Krankenschwester Isabel Blandón, die er bei seinem ersten USA-Aufenthalt kennengelernt hatte und die die US-amerikanische Staatsangehörigkeit besaß, kehrte er im März 1956 mit einer regulären Aufenthaltserlaubnis in die USA zurück. Nachdem die Beziehung im September 1956 zerbrochen war, entschied sich Cienfuegos, nach Mexiko zu gehen, wo er sich den Mitgliedern der Bewegung des 26. Juli anschloss.[3]

Kubanische Revolution[Bearbeiten]

Nach kurzer Vorbereitungszeit in Mexiko gehörte Camilo Cienfuegos zur 82-köpfigen Invasionstruppe, die im Dezember 1956 mit der Yacht „Granma“ in Kuba landete. Innerhalb der in den Bergen der Sierra Maestra kämpfenden Truppe bewährte er sich als fähiger Kämpfer und stellte seine Eignung als Anführer unter Beweis. Am 16. April 1958 wurde er in den Rang eines Comandante erhoben. Als solcher führte er schließlich die 700-köpfige dritte Kolonne der Rebellenarmee an. Er lieferte sich dabei mehrere Gefechte mit Batista-Truppen in der Provinz Las Villas, von denen die Schlacht von Yaguajay im Dezember 1958 als eine der entscheidenden des Bürgerkriegs gilt. Nach hartem Kampf und 20 Tagen Belagerung musste der Kommandant der Garnison von Yaguajay aufgeben. Das Gefecht brachte Cienfuegos den Beinamen Held von Yaguajay ein.

Während Cienfuegos in die Provinz Camagüey vordrang, erkämpfte sich Che Guevara die Stadt Santa Clara. Mittels eines kleinen Funkgeräts und einiger Kuriere hielt Cienfuegos dabei den Kontakt mit Guevara aufrecht. Cienfuegos' Leute drangen ebenfalls in die Provinz Las Villas ein, nachdem sie in zahlreiche Gefechte mit den weit überlegenen Gegnern verwickelt worden waren. Sie belagerten die Kaserne von Yaguajay und nahmen diese nach erbitterten Kämpfen ein. Die anschließende Teilung der Insel war der Grundstein für das weitere Vorgehen. Nach zweijährigem Guerillakampf gegen die zahlenmäßig weit überlegene und von den USA unterstützte Batista-Armee in den Bergen der Sierra Maestra war damit auch der Durchbruch in der Ebene geschafft und der Weg in die Hauptstadt Havanna frei. Am 1. Januar 1959 flüchtete der Diktator Fulgencio Batista aus Kuba. Unter dem Oberbefehl von Comandante Che Guevara rückten die beiden Gruppen auf Havanna vor.

Camilo Cienfuegos führte am 2. Januar 1959 die ersten Kolonnen der Rebellenarmee in die Hauptstadt. Dabei entwaffnete er mit seinen 500 Guerillakämpfern die über 10.000 Soldaten im Hauptquartier Batistas in Havanna, die jede Kampfmoral verloren hatten.

Nach der Revolution[Bearbeiten]

Nach dem Sieg war er im Oberkommando der Armee tätig und kämpfte gegen Konterrevolutionäre; außerdem war er maßgeblich an der Agrarreform beteiligt. Auf den Aufbau des neuen politischen Systems konnte Camilo Cienfuegos nur noch wenig einwirken. Seine Haltung zum Aufbau eines puristischen marxistisch-leninistisch geprägten Systems ist umstritten.

Sein Bruder Osmany ist ebenfalls Politiker und hat zeitweise in mehreren höheren Ämtern von Staat und Partei im sozialistischen Kuba mitgewirkt.

Tod[Bearbeiten]

Bild von Camilo Cienfuegos an der Fassade des Informationsministeriums in Havanna

Am 28. Oktober 1959, also weniger als ein Jahr nach seinem Sieg, kam Cienfuegos bei einem mysteriösen Cessna-Unfall auf dem Flug von Camagüey nach Havanna ums Leben. Sein Flugzeug wurde trotz einer schnell eingeleiteten Rettungsaktion nie gefunden.

Es gibt verschiedene Mutmaßungen über die Geschehnisse dieses Tages.[3] Fakt ist, dass Cienfuegos eine Woche zuvor den Auftrag Fidel Castros ausgeführt hatte, seinen guten Freund Huber Matos zu verhaften, der gerade aus Protest gegen den Kurs Castros von seinem Amt als Militärbefehlshaber der Provinz Camagüey zurückgetreten war. Kurz zuvor hatte Cienfuegos angeblich eine Aussprache mit Fidel Castro, in der er diesem vorwarf, das Prestige der Revolution und der Revolutionäre zu missbrauchen, um eine persönliche Diktatur zu errichten. Als plausibles Motiv für eine von den meisten Castro-Kritikern vermutete Ermordung Cienfuegos' im Auftrag Castros kann Cienfuegos' große Popularität gesehen werden, mit der er im Falle eines offen ausgetragenen Streits über den kommunistischen Kurs der Revolutionsregierung große Teile der Bevölkerung und der Rebellenarmee gegen Fidel Castro hätte mobilisieren können. (Im Herbst 1959 hatten bereits mehrere prominente Revolutionskämpfer den bewaffneten Kampf gegen Castro aufgenommen.) Diese These wird u.a. von Huber Matos selbst vertreten.[4] Cienfuegos' Position in der Hierarchie der Revolutionsführung war zwei Wochen zuvor von Fidel Castro verringert worden, indem er seinen Bruder Raúl, neben Ernesto Guevara prominentester Vertreter der kommunistischen Kräfte, zum Verteidigungsminister und damit Vorgesetzten von Generalstabschef Cienfuegos beförderte.

Der damalige Kommandeur des Flughafens und der Luftwaffenbasis Camagüey und persönliche Freund Cienfuegos' aus Widerstandszeiten, Hauptmann Roberto de Cárdenas, der auch in die Suchaktion eingebunden war, bezweifelte in seinem 1961 in Argentinien veröffentlichten Bericht, dass sich Cienfuegos am vermeintlichen Abflugtag überhaupt in Camagüey aufgehalten hatte und seine Maschine die für diesen Tag offiziell angegebene Route (von Havanna über Camagüey nach Santiago und zurück) geflogen war und berichtet stattdessen von Schüssen im Präsidentenpalast am Vorabend.[5] Nach anderen Berichten wurde die Cessna von einem Jagdflugzeug der kubanischen Luftwaffe abgeschossen. Mehrere enge Vertraute Cienfuegos' sowie Zeugen und Beteiligte der Aufklärungskommission starben innerhalb kurzer Zeit unnatürliche Tode: so z.B. sein persönlicher Adjutant Hauptmann Cristino Naranjo, der zwei Wochen später beim Betreten des Militärhauptquartiers in Havanna erschossen wurde. Täter soll der Leutnant Manuel Beatón gewesen sein, der seinerseits wenige Monate später als Aufständischer in der Sierra Maestra gefasst wurde und anschließend vor seiner Hinrichtung in Haft aussagte, die Brüder Castro, Guevara und die weiteren hohen Angehörige der Revolutionstruppen Félix Torres und Jorge Enrique Mendoza seien direkt für den Tod Cienfuegos' verantwortlich. Der mit dem Strafverfahren gegen Beatón befasste Leutnant Agustín Onidio Rumbaut, der diese Aussagen in einem vertraulichen Bericht dokumentierte, starb kurz darauf bei einem Jagdunfall. Der diensthabende Luftwaffenmechaniker, der berichtet hatte, dass das Jagdflugzeug (vom Typ Sea Fury) mit komplett leergeschossenem Geschütz von seinem Einsatz zurückgekehrt war, starb bei einem Verkehrsunfall in Havanna vier Tage nach dem Verschwinden von Camilo Cienfuegos.[6]

Die regierungsoffizielle Version des Zeitgeschehens geht von einem Unfall aus.[7] Castro selbst hat darauf verwiesen, dass Huber Matos ein Mord nicht bewiesen werden konnte, weshalb er lediglich für seine (von Matos energisch bestrittene) Erhebung gegen Havanna bestraft wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homenage a Camilo Cienfuegos, Dokumentarfilm, abgerufen über Vimeo am 31. August 2013 (spanisch)
  2. Alejandro Cremata Sánchez: De Lawton: Camilo Cienfuegos, geschichtswissenschaftliche Studienarbeit, November 2007, im Blog Isla al Sur, abgerufen am 31. August 2013 (spanisch)
  3. a b c Luis Guardia: ¿Asesinaron a Camilo? Dokumentarfilm von 2007, abgerufen über Vimeo am 13. Januar 2012 (spanisch mit englischen Untertiteln)
  4. Aún persiste el misterio de la muerte de Camilo Cienfuegos (Spanisch) In: El Nuevo Herald vom 28. Oktober 2010, abgerufen am 8. Mai 2011
  5. Roberto de Cárdenas: La muerte de Camilo Cienfuegos (Spanisch; PDF; 4,8 MB) In: Reconstruir von November/Dezember 1961, S. 19-23, abgerufen am 8. Mai 2011
  6. Pedro Corzo: El hombre que le hacía sombra a Fidel, in: El Nuevo Herald vom 25. Oktober 2009, abgerufen am 31. August 2013 (spanisch)
  7. Camilo Cienfuegos (Spanisch) In: EcuRed.cu, abgerufen am 8. Mai 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Carlos Franqui: Camilo Cienfuegos, Planeta 2001 (spanisch)
  • Regine Deforges: Camilo, Fayard 1999 (französisch)
  • William Gálvez: Camilo: El señor de la vanguardia, 1979 (spanisch)
  • William Gálvez: El joven Camilo, Gente Nueva 1998 (spanisch)
  • Ernesto Che Guevara, 2002: Pasajes de la Guerra Revolucionaria. Cuba 1959–1969. Reimpresión La Habana.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Camilo Cienfuegos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien