Fuerzas Armadas Revolucionarias

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Revolutionäre Streitkräfte
Fuerzas Armadas Revolucionarias
FAR emblem.png
Führung
Oberbefehlshaber: Raúl Castro
Verteidigungsminister: Leopoldo Cintra Frías
Militärische Führung: Führungsstab der Streitkräfte
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 85.000 (2011)
Wehrpflicht: 2 Jahre, beide Geschlechter
Wehrtaugliche Bevölkerung: Männer (16–49): 2.998.201

Frauen (16–49): 2.919.107 (2010)

Wehrtauglichkeitsalter: 17-28 Jahre
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: 0,76% (2011)
Haushalt
Militärbudget: US$ 1,5 Mrd. (2006)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 3,8 %[1] (2006)
Geschichte
Gründung: 2. Dezember 1956

Die Fuerzas Armadas Revolucionarias (FAR, spanisch für „Revolutionäre Streitkräfte“) sind die Streitkräfte Kubas. Die Bezeichnung wurde erstmals im Herbst 1959 für das kubanische Militär im neuen Staat verwendet, nachdem die bereits vor der Revolution bestehenden Streitkräfte mit der siegreichen Rebellenarmee zusammengefasst und unter dem Kommando des neuen Verteidigungsministers Raúl Castro völlig neu strukturiert wurden.

Die Armee gliedert sich heute in ein Heer mit ca. 58.000, eine Luftwaffe mit ca. 10.000 und einer Marine mit ca. 3000 Soldaten. Ferner besteht eine paramilitärische Bürgerwehr, die Milizen zur Territorialverteidigung (MTT – Milicias de Tropas Territoriales) mit rund 1 Million Mitgliedern[2], welche in Kriegszeiten in die militärischen Streitkräfte eingegliedert werden.

Zur Bekämpfung der inneren Opposition und Niederschlagung von Unruhen wurden die FAR vor allem in ihren Anfangsjahren eingesetzt, als sich zahlreiche ehemalige Revolutionskämpfer gegen die kommunistische Castro-Regierung erhoben und vom Escambray-Gebirge aus einen erfolglosen Guerillakampf führten. Auch nach den Unruhen in Havanna 1994 gab es Überlegungen zum Einsatz des Militärs zur Aufruhr-Bekämpfung.[3]

Die kubanische Armee tat sich im Kalten Krieg durch Militärberater und bis in die 1980er Jahre auch durch Kampfeinsätze hervor, wie etwa beim Einsatz in Angola oder auch in Grenada, Äthiopien, Syrien und Mosambik.

Die Ausrüstung des Militärs besteht überwiegend aus veralteten sowjetischen Waffen. Eine grundlegende Modernisierung konnte Kuba aufgrund seiner hohen Auslandsverschuldung bisher noch nicht einleiten.[4]

Seit dem Ende der Unterstützung durch die Sowjetunion und die übrigen Ostblock-Staaten um 1990 wurden die Streitkräfte zum zentralen Akteur der kubanischen Wirtschaft ausgebaut, was zunächst vor allem der Sicherstellung ihrer Finanzierung diente. Dabei haben Firmen des Militärs zahlreiche Joint Ventures mit ausländischen Investoren gebildet, z.B. im Tourismus, betreiben aber auch landwirtschaftliche Großbetriebe. Diese Strukturen befinden sich außerhalb der zentralstaatlichen Planung und werden mit größeren wirtschaftlichen Freiräumen pragmatisch gelenkt. Nach Auffassung von Beobachtern bildet der militärisch-unternehmerische Komplex einen eigenen „Staat im Staate“.[5] Heute befinden sich nach Schätzungen rund 40 Prozent der Wirtschaftskraft unter Kontrolle der Streitkräfte, deren zentrale Holding GAESA von Luis Alberto Rodríguez López-Calleja geleitet wird, einem Schwiegersohn des Staatspräsidenten Raúl Castro.[6] Bereits in den 1980er Jahren engagierten sich zumindest Teile der Militärführung im Bereich der Devisenbeschaffung: Bekanntestes Beispiel ist Kubas Verwicklung in den internationalen Drogenhandel, für die 1989 der populäre Kriegsheld General Arnaldo Ochoa in einem höchst kontroversen Verfahren zum Tode verurteilt wurde.

Noch deutlicher als in der Wirtschaft sind hohe Vertreter des Militärs an den wichtigsten Positionen der Politik vertreten. Dieses bereits seit der schrittweisen Verdrängung der zunächst zivilen Regierung durch Fidel Castro im Laufe des Jahres 1959 augenfällige Phänomen hat sich seit der Übernahme des Präsidentenamts durch seinen Bruder Raúl durch Neubesetzungen noch verstärkt. So besteht sowohl der Ministerrat als auch das Politbüro der Kommunistischen Partei mehrheitlich aus Angehörigen der Streitkräfte.

In Guatemala gab es eine gleichnamige marxistisch-leninistische Guerillabewegung, die während des Bürgerkrieges aktiv war. Die Namensüberschneidung lässt sich nicht zuletzt durch die Unterstützung Kubas erklären.

Später haben sich andere Guerilleros bei der Namensfindung daran angelehnt, so z. B. die FARC in Kolumbien.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jay Mallin: The Cuba's armed forces. From colony to Castro, Reston, Virginia (Ancient Mariners Press) 2000, ISBN 0-9700721-1-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The World Factbook
  2. Maniobras militares en Cuba, que se prepara ante "agresividad" de Bush Europa Press in Cubanet.org vom 2. Dezember 2004
  3. Michael Zeuske: Insel der Extreme – Kuba im 20. Jahrhundert, 2. Auflage (2004), Seite 331.
  4. Cuba necesita modernizar sus arsenales de época soviética pero carece de recursos (Spanisch) in RIA Novosti vom 4. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011
  5. Bert Hoffmann:Wie reformfähig ist Kubas Sozialismus? (PDF; 218 kB) Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011
  6. Corruption in Cuba: The cleanup continues (Englisch) In: The Economist vom 5. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011