Caumasee

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Lag la Cauma
Caumasee im August 2012
Caumasee im August 2012
Geographische Lage Kanton Graubünden
Zuflüsse unterirdisch
Abfluss unterirdisch
Größere Städte in der Nähe Flims
Daten
Koordinaten 741712 / 18713546.8202777777789.2958333333333997Koordinaten: 46° 49′ 13″ N, 9° 17′ 45″ O; CH1903: 741712 / 187135
Lag la Cauma (Graubünden)
Lag la Cauma
Höhe über Meeresspiegel 997 m ü. M.
Fläche 10 haf5
Länge 600 mf6
Breite 300 mf7
Maximale Tiefe 30 mf10

Der Caumasee (rätoromanisch Lag la Cauma, manchmal auch Lai da Cauma) liegt bei Flims im Schweizer Kanton Graubünden. Er liegt mit jahreszeitlich schwankendem Pegel auf zirka 997 m Höhe und wird mit einer eigens dazu gebauten Standseilbahn erschlossen.

Name[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens leitet sich vom griechisch-lateinischen cauma, was so viel bedeutet wie ‚Sonnenhitze‘. Im Romanischen bezeichnet es auch den Rastplatz des Viehs über die Mittagszeit, also bei Sonnenhitze. Das Wort hat jedoch auch die Bedeutung von ‚Schlafstätte‘. «Caumasee» lässt sich also am ehesten mit ‚See der Mittagsruhe‘ übersetzen.

Lage/Umgebung[Bearbeiten]

Der See ist gänzlich von Wald umgeben. Er liegt in einer Senke südlich des etwa hundert Meter höher gelegenen Flims im Flimser Grosswald, welcher die bündnerische Surselva abtrennt als "Gebiet ob dem Wald". Der See ist nur zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu erreichen - für Fahrräder gilt jedoch auf dem Hauptweg, welcher direkt von Flims Waldhaus zur Standseilbahn führt, das einzige Fahrverbot im Grosswald.

Geologisch liegt er in der Schuttmasse des Flimser Bergsturzes. In anderen Senken dieses grösstenteils bewaldeten, coupierten Geländes liegen auch die andern drei Flimser Seen: Lag Prau Pulte, Lag Prau Tuleritg, und Crestasee. Südwestlich des Caumasees liegt der höchste Hügel der Seeregion, die Anhöhe La Mutta (1'236 m). Fast in der Mitte des Sees liegt eine grössere, zum Teil bewaldete Insel.

Das Wasser des Caumasees ist auffallend türkisgrün. Zudem friert die westlichste Bucht des Sees auch im Winter nicht zu, weil der See von grossen unterirdischen Quellen gespeist wird. Auch der Abfluss erfolgt unterirdisch. Der Wasserspiegel unterliegt beträchtlichen Schwankungen. Den Höchststand erreicht der See Mitte/Ende Juli gegen das Ende der Schneeschmelze im umliegenden Gebirge, den niedrigsten Stand nach dem Wegschmelzen des winterlichen Schnees am See im Frühling gegen Ende April.

Nutzung[Bearbeiten]

Badebetrieb am Caumasee (15. April 2007)

Der See ist im Sommer ein beliebter Badeort; in seiner windgeschützten Mulde erreicht er eine Wassertemperatur von bis zu 24 Grad. Besonders im Frühsommer weist der See vergleichsweise hohe Temperaturen auf, wegen des geringeren Volumens auf dem noch tiefen Wasserstand und der unterirdischen Speisung. Die westliche Bucht bleibt denn auch den ganzen Winter selbst in längsten Kälteperioden eisfrei.

Seit 1937 führt eine Standseilbahn von 125 Metern Länge zum See hinab, welche 1999 auf dem alten Trassee erneuert wurde. Der Caumasee-Lift ist in Betrieb während der Sommersaison, dessen Benutzung ist gratis. Während der Badesaison wird bei einigermassen schönem Wetter im Infrastruktur-Bereich eine Eintrittsgebühr erhoben. Im Winter ist das Restaurant geschlossen; der See kann jedoch auf geräumten Fusswegen erreicht und umrundet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Prospekt von 1920

Schon früh, sicher aber im 19. Jahrhundert, galt das Wasser des Caumasees als heilkräftig. Kranke kamen, um mit seinem Wasser Augen- und Hautleiden, Gicht und nicht verheilte Wunden zu kurieren. 1835 wurde am nordöstlichen Ufer eine Badehütte errichtet; ein Pumpwerk trieb Caumaseewasser in drei Badebecken und eine Gemeinschaftswanne, die jedoch nach ein paar Jahren wieder zerfielen.

Die Insel im See gehörte damals einem Flimser, der sie als Belohnung für besondere Verdienste erhalten hatte. Er baute darauf ein Restaurant, das sich aber nicht halten konnte und von der 1875 gegründeten Gesellschaft «Kur- und Seebadanstalt Waldhaus» wieder entfernt wurde. Die Gesellschaft erhielt von der Gemeinde die Konzession zur alleinigen Bewirtschaftung des Caumasees mit der Auflage, die notwendigen Fahr- und Wanderwege zu erstellen.

Um 1880 wurden Wanderwege um den Caumasee angelegt; Ruderboote wurden gekauft und ein Bootshaus und eine erste Badeanstalt gebaut. 1884 ging die Insel in den Besitz des Hotels Waldhaus über.[1] 1906 wurde die erste Badeanstalt durch einen Neubau im Chaletstil mit zwei nach Geschlechtern getrennten Nichtschwimmerbecken und zahlreichen Umkleidekabinen ersetzt. Wegen des stark schwankenden Pegelstandes des Sees war das Gebäude mit zwei Schwimmkörpern ausgestattet und hob und senkte sich je nach Wasserstand, zum Ende der Saison auf die gemauerten Fundamente. Auf diesen Flächen stand das Gebäude jeweils den ganzen Winter. 1911 wurde dem Gebäude ein zweiter Stock aufgesetzt und ein Restaurant wurde eingebaut. Zwei kleine Buchten im Westteil und ein Abschnitt im Ostteil wurden später mit Steinplatten belegt und bis zur Übernahme durch die Gemeinde jährlich im Frühling gereinigt, sodass ein komfortabler Einstieg in den See möglich war. Eine der Plattenanlagen ist ein Nichtschwimmerbecken mit Sitzrand. Leider erreichte der See diesen normalen Sommerpegelstand in jüngster Zeit bei weitem nicht mehr, siehe Probleme mit dem Wasserstand. Auch schon früher hatten sich zwar teilweise tiefere Pegelstände als gewünscht ergeben; nicht nur zur Erbauung der Spaziergänger hatte Hoteldirektor Bezzola eines der Bewässerungsbächlein im Flimser Wald bis oberhalb des Prau-Pulté-Sees verlängern lassen, wo es in einer Kaskade und unterhalb der kleinen Brücke auf der Westseite den See erreichte, um den Ausfluss des Prau-Pulté-Sees zu verstärken, in der Hoffnung, den Pegel des Caumasees so zu stützen.

1969 wurde der Caumasee mit allen Einrichtungen von der Gemeinde für eine halbe Million Franken zurückgekauft. Die in die Jahre gekommene schwimmende Badeanstalt wurde abgerissen und durch verteilte Neubauten an Land ersetzt. Einzig die Terrasse des Restaurants wurde belassen. In den 1980er-Jahren wurde für den Triathlon eine breite Einstiegstreppe gemauert. Zudem wurde eine wilde, unzugängliche Bucht im Ostteil aufgefüllt, um zusätzlichen Raum für eine Liegewiese zu gewinnen. Am 2. Juni 2003 wurde das Neubauprojekt «Fels» des Flimser Architekten Valerio Olgiati mit 1007 zu 267 Stimmen von den Stimmberechtigten abgelehnt.[2] Die 1970er-Jahre Klötzchen-Bauten im «Provisoriums-Stil» wurden daraufhin im Jahr 2005 zum Teil abgerissen, zum Teil aussen verschönert. Ein Kinderbecken aus den 1980er-Jahren wurde ebenfalls abgerissen und durch einen Kinder-Wasser-Spielplatz ersetzt, zudem ein Beach-Volley-Feld zusätzlich erstellt.[3]

Galerie[Bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten]

Silberreiher am Caumasee

Im Caumasee leben Fische in Grössenordnungen von der Elritze (in der Schweiz auch "Bammeli" oder "Bambeli" genannt) bis zu ausgewachsenen Karpfen von ca. 50 Zentimeter Länge. Vereinzelt kommen deshalb Graureiher zu Besuch, die sich jedoch vom Badebetrieb gestört fühlen. Etwas weniger lassen sich die Bachstelzen stören, mindestens ein Paar nistete schon mehrmals im "Stein", dem grossen Felsbrocken, der die Fahne trägt und Ziel unzähliger Schwimmer ist, was zu grossen Fütterungspausen führt. Eine Besonderheit waren die Aale, die um 1900 im See ausgesetzt wurden. Noch 1986 konnte der Bademeister sicher ein Exemplar beobachten.

In den 1970er-Jahren überführte der Flimser Fotograf Jules Geiger im Sommer ein Schwanenpaar zum See. Die seit Ende der 1980er-Jahren auftauchenden Stockenten mögen beim Brüten den steigenden Wasserspiegel des Caumasees nicht. Darum gab es Entenfamilien, die mit ihre Küken vom nahe gelegenen Lag Prau Tuleritg mit seinem fast konstanten Pegel auf dem Landweg zum grösseren Caumasee wechselten und somit eine gefährliche Wanderung durch den Wald in Kauf nahmen. Früher unbekannt aber immer häufiger sind die vorkommenden Krebse. Vermutlich handelt es sich um Dohlenkrebse, die auch im nahen Crestasee vorkommen. Vereinzelt kommen weitere Vögel zu Besuch; immer wieder sind Möwen zu sehen und im Juli und Ende August 2013 war ein Zwergtaucher zu Gast, der sich jedoch als scheues Wildtier im Caumasee mit dem vielen Betrieb nicht wohl fühlen kann. Hartnäckiger war einer von drei aufgetauchten Silberreihern, welcher 2013 dem See sogar in der Hochsaison wochenlang treu blieb. Ebenfalls 2013 war ein Kormoran zu sehen.

Problem mit dem Wasserstand ab 2003[Bearbeiten]

Seit 2003 ist beim Caumasee ein auffällig tiefer Wasserspiegel zu beobachten: Beim Bau der unterirdischen Umfahrung von Flims wurde eine grosse Karströhre angeschnitten, sodass dem Karstsystem Lag Tiert-Lag Prau Pulté seit 2002 über tausend Liter/Sekunde entzogen werden. Da dieses Karstsystem via Lag Prau Pulté und Lag Prau Tuleritg den Caumasee speist, hat auch der Caumasee selbst weniger Wasser zur Verfügung.

Ab 2002 stieg der Wasserstand (gemessen am Massstab am grossen Fels vor der Insel) deutlich weniger und erreichte kaum mehr den Durchschnitt von 8 Metern, der in den vergangenen zwanzig Jahren vor dem Tunnelbau erreicht wurde. In einer hydrogeologischen Untersuchung des Karstexperten Pierre-Yves Jeannin vom Februar 2009 wurde der Einfluss des Tunnelbaus auf den Wasserstand des Caumasees nachgewiesen. Auch die allgemeine Trockenheit der letzten Jahre spielte dabei eine Rolle.[4]

Der Pegel wird seit 2011 angehoben, indem dem Pultébach, der den Caumasee über Versickerungsquellen hauptsächlich speist, jährlich bis 700'000 Kubikmeter zusätzliches Wasser zugeführt wird. Es wird dem Platt-Alva-Bach sowie dem Flembach während sechs bis acht Wochen im Jahr Wasser entnommen und dem Pultébach zugeführt, welcher indirekt den Caumasee speist. Dadurch soll der Seespiegel um einen halben bis zu einem Meter gehoben werden. Durch eine direkte Einleitung von Tunnelwasser in den See würde das Wasser die charakteristische Türkisfarbe verlieren. Eine Volksinitiative, die dies verlangt hatte, wurde zurückgezogen.[5] Einsprachen von Umweltschutzorganisationen wurden nach positiver Begutachtung des Projektes durch Experte Simon Löw von der ETH-Zürich zurückgezogen und das Projekt realisiert.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hermann Anliker: Flims. Haupt, Bern 1961, DNB 450091937 (Schweizer Heimatbücher, Bd. 106–108).
  •  Sina Semadeni-Bezzola: Waldhaus Flims. Geschichte und Geschichten eines Kurhotels. Werner Classen, Zürich 1976, ISBN 3-7172-0229-4.
  •  Emil Kirchen: Wenn der Berg stürzt. Das Bergsturzgebiet zwischen Chur und Ilanz. Terra Grischuna, Chur um 1993, ISBN 3-7298-1087-1.
  •  Philipp Häuselmann, Pierre-Yves Jeannin, Schweizer Institut für Speläologie und Karstforschung, Gemeinde Flims (Hrsg.): Wasserwege der Gemeinde Flims und ihre Einflüsse auf den Caumasee. Öffentlicher Bericht. 2004–2008. La Chaux-de-Fonds 27. Januar 2009 (PDF, abgerufen am 6. Oktober 2011).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waldhaus Flims
  2. NZZ
  3. Sina Semadeni-Bezzola: Waldhaus Flims, Werner Classen-Verlag, Zürich 1976
  4. PDF bei www.gemeindeflims.ch
  5. Schweiz Aktuell vom 17. Februar 2009, Beiträge in der Südostschweiz vom 17. und 18. Februar 2009
  6. Projekt Wasserbeschaffung Caumasee kann realisiert werden – Medienmitteilung Kanton Graubünden vom 6. April 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Caumasee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien