Neue Zürcher Zeitung

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Neue Zürcher Zeitung
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Beschreibung Schweizer Tageszeitung
Verlag Neue Zürcher Zeitung
Erstausgabe 12. Januar 1780
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage
(WEMF 2012[1])
129'627 Exemplare
Chefredaktor Markus Spillmann
Weblink www.nzz.ch
ISSN 0376-6829

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), im Zürcher Dialekt Zürizytig genannt, ist eine Schweizer Tageszeitung und ein Medienunternehmen mit Sitz in Zürich. Als traditionsreiche Zeitung ist sie überregional bekannt, wird zu den Leitmedien im deutschsprachigen Raum gezählt und vertritt gemäss Statuten eine «freisinnig-demokratische Grundhaltung».[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Titelseite der Erstausgabe vom 12. Januar 1780

Salomon Gessner hatte die Zeitung erstmals am 12. Januar 1780 unter dem Namen Zürcher Zeitung herausgegeben. Sie ist damit die älteste heute noch erscheinende Zeitung der Schweiz. Seit 1821 trägt sie den Namen Neue Zürcher Zeitung. 1868 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die die NZZ bis heute herausgibt. Keiner der 1400 Aktionäre besitzt mehr als ein Prozent am Aktienkapital.

Die weltanschaulich kritischste Phase erlebte die Zeitung, als sie bei den Zürcher Gemeinderatswahlen 1933 eine Listenverbindung der Frontisten mit den bürgerlichen Parteien guthiess. Der Historiker Thomas Maissen spricht von einer «ambivalenten Haltung gegenüber der lokalen Frontenbewegung», die die NZZ, ebenso wie der Zürcher Freisinn, einnahm.[3] Mit der Wahl Willy Bretschers zum Chefredaktor im Herbst 1933 schlug die Zeitung jedoch einen klar antifaschistischen Kurs ein. Am 18. Juli 1934 wurde als Reaktion auf Berichterstattung zum Röhm-Putsch der Vertrieb der Zeitung im Deutschen Reich verboten.[4]

Die NZZ verkauft heute knapp 160'000 Exemplare pro Tag, 129'627 davon WEMF-beglaubigt.[1] Ihre «Internationale Ausgabe» wird auch in Deutschland gelesen. Sie geniesst einen Ruf als Qualitätszeitung. Dazu trägt neben dem Wirtschaftsteil vor allem die fundierte Auslandsberichterstattung bei, die auf ein dichtes Korrespondentennetz zurückgreift. Bundeskanzler Helmut Schmidt meinte einmal, dass er doch lieber gleich die NZZ lese als die Berichte seines Auslandsgeheimdienstes BND.[5] Hohes Ansehen geniesst von jeher ausserdem das Feuilleton, das der internationalen Kunstberichterstattung breiten Raum einräumt.

Politisch steht die NZZ der FDP Schweiz nahe; sie vertritt eine liberal-bürgerliche Haltung. Um Aktionär der NZZ zu werden, muss eine Person Mitglied der FDP sein oder aber sich zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung bekennen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein.[6] Der in vielen Belangen konservative Stil der Zeitung hat ihr in Journalistenkreisen auch den Spitznamen «Alte Tante» eingetragen.

Die NZZ verwendet eine eigene Version der neuen Rechtschreibung. So wird etwa placieren anstelle von platzieren verwendet. Einen Leitfaden dazu bietet das von NZZ Libro verlegte NZZ-Vademecum.

Die NZZ erscheint im üblichen Schweizer Zeitungsformat, das in Deutschland gelegentlich auch als «Format NZZ» bezeichnet wird. Die NZZ selbst hat diese Bezeichnung aufgenommen und bestreitet ein wöchentliches Fernseh-Magazin unter dem Titel NZZ Format. Der gedruckten NZZ ist jeweils in der ersten Montag-Ausgabe jedes Monats das Magazin NZZ Folio beigelegt, das sich zur Hauptsache einem Schwerpunkt-Thema widmet. Wie bei allen führenden Schweizer Tageszeitungen werden auch bei der NZZ die Beilagen von bedeutend mehr Personen gelesen als das Blatt selbst. So stehen den 283'000 Lesern der NZZ nicht weniger als 651'000 Folio-Leser gegenüber (WEMF, Mach-Basic 2012-2).

Im Juni 2012 wurden die Online-Redaktion sowie die Print-Redaktion zusammengeschlossen und die Website unter dem Label «Neue Zürcher Zeitung» (nicht mehr wie bisher «NZZ Online») neu lanciert. Nachrichten, die von der Print-Redaktion geschrieben werden, finden sich ab jetzt unmittelbar nach der Fertigstellung auf der Website.

Zentrale der NZZ-Gruppe an der Falkenstrasse 11 in Zürich

Die Zeitung[Bearbeiten]

Die NZZ gliedert sich seit der in Zusammenarbeit mit Meiré und Meiré, Art Director Brigitte Meyer und der Chefredaktion entwickelten Layout-Revision 2009 in drei Bünde. Der erste Bund enthält die internationale Politik sowie die nationale und regionale Berichterstattung. Der zweite Bund beinhaltet den Wirtschaftsteil und den Sport. Der dritte Bund ist dem Feuilleton gewidmet. Ebenfalls im dritten Bund finden sich die täglichen Beilagen Bildungs- und Gesellschaftsfragen (Montag), Medien (Dienstag), Forschung und Technik (Mittwoch), Mobil - Digital (Donnerstag), Reisen und Freizeit (Freitag) sowie Literatur und Kunst (Samstag).

In grösseren Abständen gibt es die Beilagen «Politische Literatur», «Staatspolitisches Forum» sowie «Bauen und Wohnen».

Bis zum 6. Dezember 1869 erschien die NZZ einmal täglich, danach zweimal, vom 3. Januar 1894 an gar dreimal täglich. Am 29. September 1969 ist man wieder zu zwei täglichen Ausgaben zurückgekehrt. Seit dem 30. September 1974 erscheint nur noch eine Tagesausgabe. Als ergänzenden Beinamen erhielt sie auch die Bezeichnung «Schweizerisches Handelsblatt».

Impressum[Bearbeiten]

Weitere Produkte[Bearbeiten]

Schriftzug der NZZ am Sonntag

Der Name NZZ wird neben der Zeitung selbst auch für viele andere Produkte verwendet. Die wichtigsten:

  • NZZ am Sonntag, Sonntagsausgabe
  • NZZ Folio, Monatsmagazin
  • NZZ Fokus, Schwerpunktdossier
  • NZZ Campus, Publikationen für Studierende
  • Z – Die schönen Seiten, Magazin im Spezialformat
  • NZZ Format, Fernsehsendung
  • NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung
  • NZZexecutive.ch, Stellenportal der NZZ für Kader und Fachspezialisten
  • NZZdomizil.ch, Immobilienplattform
  • NZZ-Vademecum, sprachlich-technischer Leitfaden der NZZ

Beteiligungen[Bearbeiten]

Weitere Zeitungen und Zeitschriften, die nicht unter dem Namen NZZ laufen, gehören zur NZZ-Mediengruppe:

  • St. Galler Tagblatt, Tageszeitung mit sieben Regionalausgaben in der Ostschweiz
  • Neue Luzerner Zeitung, Tageszeitung mit fünf Regionalausgaben in der Zentralschweiz
  • Werdenberger & Obertoggenburger, Regionalzeitung
  • Anzeiger St. Gallen, Ostschweizer Wochenzeitung
  • Tagblatt der Stadt Zürich, städtischer Anzeiger
  • Die neue Schulpraxis, Schweizer Schulzeitschrift
  • Smash, Schweizer Tennismagazin
  • Pack aktuell, Schweizer Verpackungs-Magazin
  • eLFORUM, Fachzeitschrift für Elektronik und Elektrotechnik
  • Schweizer Optiker, Branchenzeitschrift Schweizerischer Optikerverband
  • Schweizer Soldat, Fachzeitschrift über militärische und sicherheitspolitische Geschehen
  • Textil-Revue, die Schweizer Fachzeitschrift für die Textilbranche
  • Persorama, Branchenzeitschrift für Human Resources
  • viscom print+communication, Branchenzeitschrift in der Schweiz für visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Druck

Daneben ist die NZZ-Mediengruppe auch Inhaberin je zweier Fernsehsender und Radios.

  • Tele Ostschweiz, das Regionalfernsehen für die Ostschweiz
  • Tele 1, das Zentralschweizer Regionalfernsehen
  • Radio Pilatus, das Privatradio der Zentralschweiz
  • Radio FM1, das Ostschweizer Privatradio (Zusammenschluss der bisherigen Radio aktuell und Radio Ri)

Die NZZ-Druckerei «NZZ Print» druckt neben den verlagseigenen Produkten auch Produkte für Kunden.

Zusammen mit der Klinik Hirslanden und der Gesundheitsförderung Schweiz betreibt NZZ das Online-Gesundheitsportal eBalance.ch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Neue Zürcher Zeitung und schweizerisches Handelsblatt (NZZ). Neue Zürcher Zeitung, Zürich 42.1821, 2. Juli-ff. ISSN 0376-6829
  • Thomas Maissen: Die Geschichte der NZZ 1780–2005. NZZ Libro, Zürich 2005. ISBN 3-03823-134-7
  • Thomas Maissen: Vom Sonderbund zum Bundesstaat. Krise und Erneuerung 1798–1848 im Spiegel der NZZ. Zürich 1998, ISBN 3-85823-742-6.
  • Conrad Meyer: Das Unternehmen NZZ 1780–2005. NZZ Libro, Zürich 2005. ISBN 3-03823-130-4
  • Urs Hafner: Aus den Anfängen der NZZ. Texte und Kommentare. NZZ Libro, Zürich 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neue Zürcher Zeitung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b WEMF Auflagenbulletin 2012, Seite 11. Abgerufen am 29. August 2013.
  2. Statuten (PDF; 650 kB)
  3. Thomas Maissen: Geschichte der NZZ 1780–2005, NZZ-Verlag, Zürich 2005, S. 145.
  4. Adrian Sulc, Als Hitler den «Bund» verbieten liess, Der Bund (Online) vom 30. September 2010 (abgerufen am 18. April 2013)
  5. Still in der Ackerfurche, DER SPIEGEL 51/1994 Seite 25
  6. Vinkulierung gemäss § 3 Abs. 2 lit. c der Statuten der NZZ, vgl. Vinkulierung tut not (PDF; 453 kB), Finanz und Wirtschaft vom 11. Juli 2009, S. 22, mittlere Spalte und Kritik dazu von der IG Freunde der NZZ auf freundedernzz.ch.
  7. Veit Dengler wird neuer CEO der NZZ-Mediengruppe. In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. Juni 2013
  8. Jornod neuer Verwaltungsratspräsident. In: Neue Zürcher Zeitung vom 13. April 2013

47.3650738.547494Koordinaten: 47° 21′ 54,3″ N, 8° 32′ 51″ O; CH1903: 683760 / 246617