Chevauleger

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Postkarte: König Ludwig II. von Bayern in der Uniform des 4. Chevaulegers-Regiment

Chevaulegers (auch Chevauxlegers, Chevaux-Legers, Chevau-Legers, Cavalleggeri) waren ursprünglich eine Gattung der leichten Kavallerie. Im Königreich Bayern bildeten sie ab 1813 die mittelschwere Kavallerie und galten bis zum Ende der Monarchie als charakteristische Waffengattung des bayerischen Heeres. Bei den italienischen Streitkräften besteht heute noch unter dem Namen Cavalleggeri Guide ein Panzeraufklärungsregiment.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Chevauleger kommt über das Französische (chevaux = Pferde; leger = leicht) ursprünglich aus dem Italienischen (cavalleggeri).

Frankreich[Bearbeiten]

Chevauxlegers-Lancier der französischen Linienkavallerie, 1811 - 1815

Der französische König Ludwig XII. errichtete 1498 die Chevaulegers als eigenständige Waffengattung. Sie waren leichter gerüstet als andere Kavalleristen und zunächst noch mit einer Lanze bewaffnet. „Leicht“ bezog sich zu dieser Zeit vor allem auf die Ausrüstung und die verwendeten Pferde und nicht auf die Verwendung in den später klassischen Funktionen der leichten Kavallerie wie Aufklärung, Flankensicherung und Kleinkrieg. Seit 1593 bildeten diese Chevaulegers unter dem Namen Chevau-léger de la garde du roi eine Kompanie der Haustruppen des Königs, der zugleich ihr Hauptmann war. 1787 löste man sie aus Kostengründen auf. Die im napoleonischen Frankreich aufgestellten Chevauxlegers-Lanciers waren hingegen eigentlich Ulanen. Die Chevaulegers der französischen königlichen Garden wurden zwar 1814 wieder errichtet, jedoch bereits um 1816 wieder aufgelöst.

Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Von 1759 bis 1765 wurden in Österreich-Ungarn sechs Dragoner-Regimenter sukzessive zu Chevaulegers umgewandelt, die ähnlich wie Husaren als leichte Kavallerie eingesetzt wurden, aber aus deutschen Untertanen der Doppelmonarchie rekrutiert waren. Man sprach deshalb auch von „deutschen Husaren“. 1798 machte man sie (ohne Änderung von Aufgabe oder Uniformierung) zu leichten Dragonern, um sie von 1801 an wieder als Chevaulegers zu bezeichnen. 1851 wurden sie in Dragoner oder Ulanen umgewandelt. Eines der bekanntesten Chevauleger-Regimenter war das spätere Dragonerregiment „Fürst Windischgrätz“ Nr. 14.

Deutschland[Bearbeiten]

Bayern[Bearbeiten]

Uniformen der bayerischen Chevaulegers-Regimenter um 1904

1790 stellte man in Bayern Chevaulegers auf. In der Bayerischen Armee wurde 1811 die gesamte Kavallerie zu Chevaulegers umgewandelt, die vorübergehend als Einheitskavallerie alle Kavallerieaufgaben (Kleinkrieg, Aufklärung, Sicherung, massierter Einsatz in der Schlacht) übernahmen, bis dort 1813 mit der Wiederaufstellung des Heeres nach dem Russlandfeldzug wieder eine Spezialisierung eintrat. Trotzdem bestand der Großteil der bayerischen Kavallerie bis zum Ende des Ersten Weltkrieges aus Chevaulegers, die als typisch bayerische Waffengattung galten und in der Bevölkerung als „Schwalangschärs“ oder kurz „Schwolis“ ein beachtliches Ansehen genossen. Das in Augsburg garnisonierte Königlich Bayerisches Chevaulegers-Regiment „König“ Nr. 4 hatte seit 1799 stets den jeweiligen bayerischen Herrscher als „Inhaber“ (Ehrenoberst) und galt daher als Prestige-Regiment der bayerischen Reiterei. Die bayerischen Chevaulegers waren hellgrün, ab 1809 dunkelgrün uniformiert und trugen ab 1848 einen Waffenrock nach Art der Ulanen mit einem Brustbesatz in der Regimentsfarbe (1./2. Regiment karminrot, 3./6. rosa, 4./5. zinnoberrot, 7./8. weiß; Kragen und Ärmelaufschläge in der Abzeichenfarbe, Knöpfe und Helmbeschläge aus Weißmetall bei den Regimentern mit gerader Nummer, aus Gelbmetall für die mit ungerader Nummer). Im Jahr 1800 wurde der Raupenhelm eingeführt, der bis zu seiner Ablösung durch die Pickelhaube 1886 eine niedrigere Helmglocke annahm. Die Bewaffnung bestand aus Säbeln und Karabinern. Um 1890 wurden wie bei der gesamten deutschen Kavallerie zusätzlich Lanzen eingeführt.

Louis Braun, Gefecht bei Stürzelbronn, Chevauleger Hermann Weinacht rettet einen preußischen Husaren

Hermann Weinacht vom 5. Chevauleger-Regiment „Prinz Otto“ ging am 1. August 1870 in die bayerische Heeresgeschichte ein, als er im Gefecht bei Stürzelbronn zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges einen zu Fall gekommenen preußischen Husaren aufs Pferd zog und so vor den nachsetzenden Franzosen rettete. Louis Braun stellte das Ereignis in einem Gemälde dar, das als Symbol der neuen bayerisch-preußischen Waffenbrüderschaft unzählige Male reproduziert wurde.


Regiment Standort
Gründung Auflösung
1. Chevaulegersregiment „Kaiser Nikolaus von Rußland“ Nürnberg 29. Juni 1682 1919
2. Chevaulegersregiment „Taxis“ Regensburg 29. Juni 1682 1. April 1919
3. Chevaulegersregiment „Herzog Karl Theodor“ Dieuze 23. Januar 1724 1919
4. Chevaulegersregiment „König“ Augsburg 1. September 1744 1919
5. Chevaulegersregiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“ Saargemünd 1. April 1776 1920
6. Chevaulegersregiment „Prinz Albrecht von Preußen“ Bayreuth 1. April 1803 1919
7. Chevaulegersregiment „Prinz Alfons“ Straubing 1. Oktober 1905 1919
8. Chevaulegersregiment Dillingen 1. Oktober 1909 17. Februar 1919
Chevauleger-Denkmal an der Nordseite des Langhauses der Basilika St. Ulrich und Afra.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges bildeten die acht Regimenter Chevaulegers das Rückgrat der aus insgesamt zwölf Regimentern bestehenden bayerischen Kavallerie. Die Regimenter wurden im weiteren Kriegsverlauf zum größten Teil eskadronsweise als 'Divisionskavallerie' auf die bayerischen Infanteriedivisionen verteilt und mit diesen an allen Fronten eingesetzt. Sowohl kavalleristische als auch infanteristische Aufgaben fielen ihnen dabei zu.

Die Regimenter wurden danach bis auf kleine Stammeinheiten demobilisiert, die nach Übergang der Wehrhoheit von Bayern auf das Reich (1919) im (bayerischen) Reiter-Regiment Nr. 17 in Bamberg aufgingen. Dieses einzige bayrische Kavallerie-Regiment der Reichswehr führte auch die Tradition der je zwei bayerischen Schweren-Reiter- und Ulanen-Regimenter der Alten Armee fort. Das Regiment wurde 1936 in Kavallerie-Regiment 17 umbenannt und 1939 zur Aufstellung von Aufklärungsabteilungen aufgelöst.

Das Andenken der bayerischen Chevaulegers wird heute von verschiedenen Traditions- bzw. Reenactment-Vereinigungen fortgeführt.

Andere[Bearbeiten]

In Sachsen bestanden ab 1735 Chevaulegers, die aber erst ab Ende des 18. Jahrhunderts als leichte Reiterei eingesetzt wurden. Diese Verbände wurden in den Befreiungskriegen allesamt zu Ulanen umgewandelt oder aufgelöst.

Ab 1790 stellte man in Hessen-Darmstadt, Württemberg und Würzburg Chevaulegers auf. Die Würzburger Streitkräfte wurden 1814 ins bayerische Heer übernommen, in Württemberg wurden 1816 alle Kavallerie-Regimenter in Reiter-Regimenter umbenannt und in Hessen-Darmstadt 1872 die Chevaulegers zu Dragonern umgewandelt. Äußerlich folgte die Uniformierung in der Regel den Dragonern, war jedoch von grüner Grundfarbe.

Die in den napoleonischen Satellitenstaaten Westfalen und Berg aufgestellten Chevauxlegers-Lanciers waren hingegen eigentlich Ulanen.

Italien[Bearbeiten]

Von den verschiedenen italienischen Chevauleger-Verbänden seit der Cisalpinischen Republik besteht heute noch das Regiment Cavalleggeri Guide, das als Panzeraufklärungsverband fungiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm von Diez: Unterm Raupenhelm. Die Bayerische Armee 1848 – 1864. Herausgegeben von Paul Ernst Rattelmüller. Verein der Freunde des Bayerischen Armeemuseums, München-Ottobrunn 1979
  • Liliane und Fred Funcken:
    • Historische Uniformen, Napoleonische Zeit, französische Kaisergarden, die Truppen der Alliierten, die schwedische, österreichische und russische Armee zur Zeit des Ersten Kaiserreichs. Mosaik-Verlag, München 1979, ISBN 3-570-05449-7;
    • Historische Uniformen, 19. Jahrhundert, 1814-1850: Frankreich, Großbritannien, Preußen. Infanterie, Kavallerie, technische Truppen und Artillerie. Mosaik-Verlag, München 1982, ISBN 3-570-04961-2;
    • Historische Uniformen, 19. Jahrhundert, 1850-1900: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Österreich, Rußland. Infanterie, Kavallerie, technische Truppen, Artillerie. Mosaik-Verlag, München 1983, ISBN 3-570-01461-4;
  • Richard Knötel, Herbert Knötel und Herbert Sieg: Farbiges Handbuch der Uniformkunde. (2 Bände), Augsburg 1997

Weblinks[Bearbeiten]