Chuhai

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Chūhai (jap. 酎ハイ) ist ein in Japan populäres alkoholisches Mixgetränk aus einer Spirituose, oft aus Shōchū, und einem Softdrink, das fast immer fertig in Dosen verkauft wird. Der Alkoholanteil der fertiggemixt erhältlichen Sorten liegt bei etwa 5 - 7 Vol-%. Das Mischungsverhältnis von Spirituose zu Softdrink ist etwa 1:3.

Chūhai könnte man auch als die japanische Version der in Deutschland beliebten Alkopops bezeichnen. Das Wort Chūhai ist ein Kunstwort aus Chū (die letzte Silbe von Shōchū) und hai (vom Longdrink Highball, siehe Geschichte).

In japanischen Kneipen bestellt man nicht Chūhai, sondern einen „Sour“ (サワー, sawā), um etwas Chūhai-ähnliches zu erhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in den zerbombten japanischen Städten der (schwarz gebrannte) Alkohol von derart schlechter Qualität, dass es sich in den Kneipen einbürgerte, ihn mit süßen Limonaden zu vermischen, um ihn überhaupt herunterzubekommen.

Als sich Japan wirtschaftlich erholt hatte, wurden importierte Spirituosen, vor allem Whisky, auch als Statussymbol populär. In Japan setzte sich als beliebteste Servierform der Highball, mit Sodawasser aufgespritzter Whisky, durch.

Aus diesen beiden Tendenzen, nämlich den starken Spirituosengeschmack mit Limonaden zu überdecken und ihn gleichzeitig kohlensäurehaltig zu machen, ergab sich der Chūhai.

Die Brauerei Asahi war 1983 der erste Hersteller, der einen Chūhai auf den Markt brachte. Aber erst mit dem ersten Dosen-Chūhai, dem "Lemon Chūhai" (Zitronen-Chūhai) des Herstellers Takara mit 7 % Alkohol begann der langsame Aufstieg des Getränks. Er war praktisch der erste stärkere Drink, den man einfach mit auf den langen Pendlerweg nach Hause mitnehmen und im Zug trinken konnte, ohne gleich, wie die Obdachlosen zu den sehr billig wirkenden Einweg-Glasbechern mit Reiswein greifen zu müssen.

Der Lemon-Chūhai von Takara schmeckt sehr herb, fast schon bitter und hatte (auch wegen der Pendler) jahrelang eher das Stigma eines billigen Fusels, um schnell betrunken zu werden (relativ hoher Alkoholgehalt im Vergleich zum Preis).

Derzeitiger Chūhai-Boom[Bearbeiten]

Erst in den letzten Jahren haben auch andere Hersteller Chūhais herausgebracht. Praktisch alle Gesellschaftsschichten trinken heutzutage Chūhai; in Supermärkten teilen sich Bier und Chūhai mittlerweile 50:50 das Kühlregal für Alkoholika. Mittlerweile gibt es eine riesige Palette, darunter auch pappsüße Lychee-Chūhais oder "Sekt"-Chūhais, die mit Traubensaft, Wodka, Kohlensäure und vor allem Zucker den Sekt-Geschmack imitieren.

Dieser Chūhai-Boom hängt teilweise zusammen mit dem Happoshu-Boom, bei dem das durch Steuern in Japan sehr teure Bier durch billigere „Hopfenschaumgetränke“ ersetzt wird, aber auch mit dem Shōchū-Boom (Shōchū verdrängt den Reiswein). Ironischerweise enthalten daher (Verknappung von Shōchū durch die hohe Nachfrage) immer weniger Chūhai echten Shōchū, sondern immer öfter Wodka oder andere Liköre, so dass man eigentlich kaum mehr von Chūhai im engeren Sinne sprechen kann.

In einer Nebenbedeutung bedeutet Chu-Hai im Japanischen auch "(schmatzender) Kuss" + "high (Droge)"; die Assoziationen zur Wirkung des Getränks entbehren dabei sicher nicht jeder Grundlage.