Commodore Records

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Milt Gabler (links), Herbie Hill, Lou Blum, Jack Crystal. Commodore Record Shop, August 1947.
Fotografie von William P. Gottlieb.

Commodore Records war ein US-amerikanisches Jazzlabel, vor allem im Bereich des Dixieland und Swing. Es ist das älteste Independent Jazzlabel in den Vereinigten Staaten[1] und entstand wenige Monate nach dem französischen Label Swing.

Geschichte des Labels[Bearbeiten]

Commodore Records wurde im Januar 1938 von Milt Gabler gegründet, der den Commodore Music Shop in Manhattan (East 42. Street) besaß, ein Treffpunkt aller Jazzfans aus New York und Umgebung. Schwerpunkt seiner Aktivitäten war der Dixieland Jazz, aber auch andere Stilrichtungen wie Rhythm & Blues erschienen auf dem Label. Außerdem gab er Neuveröffentlichungen von Jazzplatten heraus, indem er die Pressungen von Platten, die nicht mehr lieferbar waren, aufkaufte.

Erster Künstler des neuen Labels war Eddie Condon. Im Jahre 1938 wurde er als Bandleader einer der Hauptkünstler beim neu gegründeten Label Commodore Records: Am 17. Januar 1938 spielte er dort mit Love Is Just Around the Corner / Ja-Da (Commodore #500) die allererste Platte der New Yorker Plattenfirma ein. [2] Am selben Tag entstand mit dem legendären Bud Freeman Trio I Got Rhythm / Beat To The Socks, das aber mit Katalog #502 später veröffentlicht wurde als Freemans There’s A Crowd / You Took Advantage of Me (#501). Jelly Roll Morton spielte hier mit #587 am 16. Dezember 1939 Mamie’s Blues / Original Rags ein. Weitere Musiker des Labels waren Fats Waller, Muggsy Spanier, Edmond Hall, Lester Young, Bobby Hackett, Wild Bill Davison, Lester Young, Earl Hines, Coleman Hawkins, Art Tatum, Willie „The Lion“ Smith, Hot Lips Page und Pee Wee Russell.

"Commodore" war eines der ersten Plattenlabels, die das vollständige Personal ihrer Plattenaufnahmen auflisteten. Billie Holiday nahm Ende der 1930er Jahre - nach Ende ihres Vertrags mit dem "Brunswick"-Label (später Columbia Records) - einige Platten für Commodore auf, darunter am 20. April 1939 ihr berühmter Titel "Strange Fruit", der mit der Rückseite Fine and Mellow zuerst auf diesem Label erschien.[3] Strange Fruit erreichte einen Rang 16 der Pop-Hitparade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Gabler für das große Plattenlabel Decca Records. Für sein eigenes Label hatte er immer weniger Zeit. Letzte Aufnahmen wurden Anfang der 1950er Jahre mit Frank Foster und Frank Wess gemacht, allerdings wurde das Label durch den Schwiegersohn von Gabler, Jack Crystal[4], weitergeführt, der auch den Plattenladen führte. Die letzten Platten erschienen 1957 bei Commodore.

Wiederveröffentlichungen[Bearbeiten]

Der "Commodore"-Label-Katalog wurde später von Decca auf Vinyl wiederveröffentlicht. Ab 1995 erschien der gesamte Katalog auf "Mosaic Records", ab 1997 auf CD bei MCA/Universal Music;[1] er umfasst 66 LPs, darunter seltene Aufnahmen von Teddy Wilson, die er seinerzeit für eine Klavierstunde eingespielt hatte.

Die bekanntesten Commodore-Sessions[Bearbeiten]

Bud Freeman Trio - I Got Rhythm
Billie Holiday - Strange Fruit

Sammlungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bielefelder Katalog Jazz 2001
  • Donald Clarke: Billie Holiday, München, Piper, 1995
  • Richard Cook & BrianMorton: The Penguin Guide to Jazz on CD, 6th Edition, London, Penguin, 2002 ISBN 0-14-017949-6
  • V. Pelote The Complete C-Jazz Recordings. A Discography. Stanford (CT) 1990

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Jürgen Wölfer, Lexikon des Jazz Wien 1999, S. 103
  2. Besetzung hierbei: Artie Shapiro (Bass), Bobby Hackett (Kornett), Bud Freeman (Saxophon), Eddie Condon (Gitarre), George Brunies (Posaune), George Wettling (Schlagzeug), Jess Stacy (Piano) und Pee Wee Russell (Klarinette)
  3. Nach "Strange Fruit" und "Fine and Mellow" (aufgenommen am 20. April 1939) nahm Billie Holiday vier weitere Titel auf (Yesterdays und I Gotta Right to Sing the Blues). Später (nach dem Schallplattenstreik) sang sie noch 12 Titel für "Commodore" innerhalb von zwei Wochen im März und April 1944, wie I Cover the Waterfront, I'll Get By, My Old Flame und How am I now
  4. Vater von Billy Crystal, der so u.a. zu der Ehre kam, Billy Holiday als Babysitter zu haben