Jo Jones

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jonathan „Jo“ Jones (* 7. Oktober[1] 1911 in Chicago, Illinois; † 3. September 1985 in New York City) war ein stilbildender US-amerikanischer Jazz-Schlagzeuger. Er revolutionierte die Verwendung des Schlagzeugs im Jazz, indem er den Jazzbeat von der Basstrommel auf die Hi-Hat verlegte „und damit der Musik Raum und Atem schenkte“ (Hans-Jürgen Schaal).[2] Er wurde zunächst vor allem als Schlagzeuger des Count Basie Orchestra bekannt, mit dem er von 1935 bis 1948 zusammenarbeitete. In seinen letzten Lebensjahren trat er unter dem Namen Papa Jo Jones auf.

Leben[Bearbeiten]

Jones, der in Alabama aufwuchs, lernte zunächst Saxophon, Trompete und Piano, um eine Laufbahn als Stepptänzer[3] und Sänger zu beginnen. Zunächst spielte er mit den Blue Devils von Walter Page in Oklahoma City. Anschließend war er in der Band von Lloyd Hunter in Nebraska tätig, bevor er 1933 nach Kansas City zog. Dort spielte er in der Territory Band von Tommy Douglas, 1934 bei Bennie Moten und anschließend im Count Basie Orchestra, bei dem er bis zum Ende der 1940er Jahre blieb. Nach einer Tournee mit Jazz at the Philharmonic spielte er bei Illinois Jacquet (1948/49), bei Lester Young (1950/51) und Joe Bushkin, bevor er als Freelancer in New York tätig wurde. 1957 kam er mit Ella Fitzgerald und mit Oscar Peterson nach Europa. Auf dem Newport Jazz Festival 1958 begleitete er zusammen mit Buck Clayton die Sängerin Big Maybelle.

Ab den späten 1950er Jahren leitete er eigene Bands. Er nahm zunächst für Vanguard (1955, 1959, produziert von John Hammond) und Everest (1959–60) auf, dann erst wieder für Jazz Odyssey (1970), später dann für Pablo und Denon; eine seiner All Star-Formationen leitete Jones 1976, als er mit Harry Sweets Edison, Roy Eldridge, Vic Dickenson, Eddie Lockjaw Davis, Tommy Flanagan, Freddie Green und Sam Jones The Main Man aufnahm. 1985 wurde er mit der NEA Jazz Masters Fellowship ausgezeichnet.

Er spielte auch in verschiedenen Musikfilmen mit, vor allem in Jammin’ the Blues (1944) und The Sound of Jazz (1957).

Musik[Bearbeiten]

Jones erweiterte die Kunst des Schlagzeugspiels durch seinen eigenen Stil, den er bis 1934 entwickelte. Seine neuen Ideen bilden die Grundlage für das moderne Schlagzeugspiel, die später von Kenny Clarke, Max Roach und vielen anderen musikalisch weiter entwickelt wurden. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Gene Krupa, Cozy Cole und Chick Webb spielte er selten längere Soli. Er war einer der ersten Schlagzeuger, die den Einsatz der Besen vorführten und die Möglichkeiten damit bekannt machten. Außerdem legte er den zeitgebenden Grundrhythmus von der Basstrommel auf das Hi-Hat-Becken, das bei ihm zum wichtigsten Teil des Drumsets wurde.[4]

Im Gegensatz zu Drummer Gene Krupa, der stark und beharrlich gewichtig die Basstrommel auf jedem Viertel eines Taktes spielte, spielte Jones die Basstrommel oft gar nicht. Jones spielte einen durchgehenden zeitgebenden Rhythmus auf der Hi-Hat weiter, während sie dauernd auf und zu ging, im Gegensatz zur üblichen Praxis, die die Hi-Hat nur anschlug, wenn sie geschlossen war. Diese Stilart von Jones beeinflusste die Neigung moderner Jazzschlagzeuger, den zeitangebenden Grundrhythmus auf einem freien ungedämpften hängenden Becken zu spielen, das seither als Ride Becken, sozusagen das "durchgehende Becken", bekannt ist, weil es durchgehend gespielt wird.

Jones selbst sprach von einer "singin´ hi-hat", für den federnden leicht drivenden Beat, der teils so stark synkopiert ist, dass er manchmal wie rückwärts gespielt erscheint. Er gestaltete den Beat, indem er ihn legato spielte. Er setzte Akzente und zusätzlich kalkulierte Gegenrhythmen. Er unterstützte die Themenarbeit teils erheblich, indem er das Thema des Frontmanns rhythmisch exakt mitspielte. Von modernen Schlagzeugern wird dieses Stilmittel noch akzentuierter eingesetzt, und die Themenmelodie auf den Becken auf die gleiche Art und Weise "mitgesungen".

Er genoss das Privileg, in der Rhythmusgruppe des Count Basie Orchestra mitzuspielen, die neben Basie am Klavier (seit 1936) Walter Page am Bass und Freddie Green an der Gitarre einschloss. Diese Rhythmusgruppe, in der er den 4/4-Swing entwickelte, blieb in der Formulierung von Paul Whiteman als All-American Rhythm Section in Erinnerung.[5] Auch nahm er mit Benny Goodman, Billie Holiday, Duke Ellington, Teddy Wilson, Lester Young, Johnny Hodges und Art Tatum auf.

Zitate[Bearbeiten]

„Er legte Dinge fest, die wir heute als Naturgesetz betrachten.“

Billy Hart[6]

„Ich weiß nicht, wo er das her hatte, die Art wie Jo spielte war etwas ganz Besonderes, so sanft, wie man es sich eigentlich von jedem Schlagzeuger wünscht, und dabei so einfach.“

Gus Johnson[7]

„Er kombiniert unglaubliche Technik mit Leichtigkeit, Humor und Präzision.“

John Hammond[6]

„Ich habe ihn Sachen auf dem Schlagzeug spielen sehen, die wohl noch niemand je erlebt hat.“

Oliver Jackson[6]

„Jo Jones erinnert mich an den Wind. Er ist eine Klasse für sich und steht über allen Schlagzeugern, die ich je in meinem Leben gehört habe.“

Don Lamond[2]

„Der Mann, der brodelt, stürmt, kocht und mitreißt.“

Duke Ellington[6]

Diskographische Hinweise[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

  • Jammin’ the Blues (1944)
  • Born to Swing (1973)
  • The Last of the Blue Devils (1979)

Lexikalische Einträge[Bearbeiten]

  • Ian Carr et al. (Hrsg.): Rough Guide Jazz. Metzler, Stuttgart 2004, S. 363

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. nach Kunzler Jazzlexikon 2002 und Bohländer Reclams Jazzführer 1989
  2. a b Leicht wie der Wind: „Papa“ Jo Jones
  3. Seine Stepptanz-Schuhe schleppte Jones bis zu seinem Lebensende wie einen Talisman mit sich herum und zog sie an, wenn er am Schlagzeug saß: Sie waren Teil seines Equipments. Als sie in einem Club versehentlich im Müll verschwanden, weigerte er sich aufzutreten. Der Clubbesitzer durchsuchte mit einem Team von Helfern die städtische Müllhalde, bis er die Schuhe wiedergefunden hatte.
  4. Vgl. Ross Russell Jazz Style in Kansas City and the Southwest 1983, S. 227
  5. Die im US-amerikanischen gebräuchliche Bezeichnung "All-American" hat ungefähr die Bedeutung wie "stellvertretend für alle Amerikaner" oder "beste amerikanische"
  6. a b c d Kunzler, Jazz-Lexikon, 1988, Band 1, S. 586
  7. zit. n. Jazz Rough Guide