Cour des Comptes (Frankreich)

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Cour des Comptes

Cour des comptes ist die Bezeichnung für den französischen Rechnungshof. Dieser hat seit 1912 seinen Sitz im Palais Cambon (erbaut 1898–1912) in der gleichnamigen Straße im 1. Arrondissement von Paris.

Der Rechnungshof geht auf ein Edikt des französischen Königs Philipp V. (Ordonnance de Pontoise) aus dem Jahre 1318 zurück. Dies macht ihn zu einer der ältesten und mächtigsten Institutionen des französischen Zentralstaates.

Der Chef des Rechnungshofs führt den Titel Erster Präsident. Von 21. Juli 2004 bis zum 7. Januar 2010 war dies der frühere Parlamentspräsident Philippe Séguin (er starb an einem Herzinfarkt). Sein Nachfolger wurde Didier Migaud (* 1952); er wurde ernannt vom damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.

Traditionsgemäß bewerben sich die besten Absolventen der Eliteuniversität ENA beim Rechnungshof, um ihre Karriere als Inspecteur des Finances zu beginnen.

Das Palais Cambon[Bearbeiten]

Mit der Errichtung des Repräsentationsbaus an Stelle der früheren Klosteranlage des Couvent des Filles de l'Assomption, von der einzig die Kirche erhalten blieb, wurde der im Jahr 1898 als Preisträger aus einem Wettbewerb hervorgegangene Architekt Constant Moyaux († 1911) beauftragt. Nach dessen Tod setzte sein Mitarbeiter Paul Guadet die Arbeiten fort. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 16. Oktober 1912 im Beisein des damaligen Staatspräsidenten Armand Fallières statt.

Der Bau wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert. Die große Ehrentreppe steht seit 1979 unter Denkmalschutz; die Fassaden, Dachpartien und verschiedene Innenräume (2. Etage) seit 1993.

Geschichte[Bearbeiten]

Philippe Séguin wurde vom damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac ernannt; auf Vorschlag von Nicolas Sarkozy.[1] Im Jahr 2007 bot ihm Sarkozy nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten an, Minister im Kabinett des Premierministers François Fillon zu werden. Séguin lehnte dies ab und zog es vor, Präsident des Cour des Comptes zu bleiben.

Im Mai und Juni 2012 kam es zu einem historischen Regierungswechsel: Zum ersten Mal seit 1981 (François Mitterrand) wurde wieder ein Sozialist Staatspräsident; die Sozialisten erlangten auch die Mehrheit in der Nationalversammlung. François Hollande ordnete nach seiner Amtsübernahme einen Kassensturz durch den Rechnungshof an. Allein 2012 fehlen nach Angaben der Behörde (2. Juli 2012) im Haushalt sechs bis zehn Milliarden Euro; die Regierung will jedoch ihre internationalen Sparverpflichtungen einhalten. 2013 müssten sogar 33 Milliarden Euro an den geplanten Staatsausgaben gekürzt werden, um die dann wieder geltende allgemeine Defizitobergrenze von 3,0 Prozent des BIP nicht zu überschreiten.[2][3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cour des Comptes, Paris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Béatrice Gurrey, « Philippe Séguin, Raminagrobis à la Cour des comptes », Le Monde, 9 novembre 2005
  2. spiegel.de 2. Juli 2012: Rechnungshof verlangt Milliarden-Einsparungen von Hollande
  3. spiegel.de 2. Juli 2012: Milliardenloch gefährdet Hollandes Wahlversprechen

48.86692.3257Koordinaten: 48° 52′ 0,8″ N, 2° 19′ 32,5″ O