Pierre Moscovici

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Pierre Moscovici (2010)

Pierre Moscovici (* 16. September 1957 in Paris) ist ein französischer Politiker der Parti Socialiste (PS). Moscovici war von 1994 bis 1997 und erneut von 2004 bis 2007 Abgeordneter im Europaparlament. Von Juni 1997 bis Mai 2002 bekleidete er das Amt eines Ministers für Europaangelegenheiten in der Regierung Lionel Jospin. Seit 1997 vertritt er in der französischen Nationalversammlung als Abgeordneter den 4. Wahlbezirk des Départements Doubs. Nach Antritt der Regierung Jean-Marc Ayrault am 16. Mai 2012 wurde Moscovici zunächst zum Ministre de l’Économie, des Finances et du Commerce Extérieur (Minister für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel) ernannt.[1] Nach der Kabinettsneubildung nach den Parlamentswahlen 2012 war er bis 2014 Finanzminister; die Zuständigkeit für Außenhandel ging auf ein eigenständiges Ministerium unter Nicole Bricq über.

Biographie[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Pierre Moscovici entstammt einer jüdischen, an linksgerichteter Politik orientierten Intellektuellenfamilie rumänisch-polnischer Herkunft. Sein Vater war der 1947 aus Rumänien nach Frankreich emigrierte Sozialpsychologe, Anthropologe und politische Ökologe Serge Moscovici (* 14. Juni 1925 in Brăila, Rumänien) [2], seine Mutter die Psychoanalytikerin Marie Bromberg-Moscovici (* 1932), deren Familie kurz vor ihrer Geburt aus Polen nach Frankreich emigriert war und dort die deutsche Besatzungszeit unter falschem Namen überlebte. [3] Marie Bromberg-Moscovici war eine der Unterzeichnerinnen des Manifestes der 121 vom 6. September 1960, in dem 121 Intellektuelle, Universitätsangehörige und Künstler Stellung gegen den Algerienkrieg bezogen. Das Paar lernte sich in Paris kennen, als Marie Bromberg am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) arbeitete. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Pierre Moscovici ist das ältere dieser beiden Kinder.

Nachdem Pierre Moscovici das Lycée Condorcet in Paris abgeschlossen hatte, studierte er am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po) Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft. 1978 schloss er sein Studium ab mit je einem Diplôme d’études approfondies (DEA; mittlerweile ersetzt durch den Masterabschluß) in Wirtschaftswissenschaften (Universität Paris X) und in Politikwissenschaft (Universität Paris I). Er ging 1982 – 1984 zur École nationale d’administration (ENA) in Straßburg, studierte dort u.a. bei Dominique Strauss-Kahn und wurde ebenda 1984 promoviert (Cadre de la promotion Louise Michel). [4] [5] [6]

Politische Karriere[Bearbeiten]

1984 wurde er Mitglied des Parti socialiste. Ab 1994 war Moscovici Europaabgeordneter. Das Mandat legte er 1997 nieder, nachdem er zum Abgeordneten für die Nationalversammlung für das Département Doubs gewählt worden war. Kurz darauf wurde er zum beigeordneten Minister für Europaangelegenheiten in der Regierung von Lionel Jospin berufen, sein Mandat ruhte daher.

2002 schied Moscovici nach dem Rücktritt der Regierung Jospin aus seinem Ministeramt aus. Kurz darauf scheiterte er bei der Wahl zur Nationalversammlung. 2007 kandidierte er erfolgreich für das Parlament und wurde 2012 wiedergewählt, sein Mandat ruht seit seinem Eintritt in die Regierung.

Als Vertreter der sozialdemokratischen Strömung innerhalb des Parti socialiste unterstützte Moscovici lange Dominique Strauss-Kahn. Nach dessen Rückzug aus der französischen Politik erwog er eine eigene Bewerbung um die sozialistische Präsidentschaftskandidatur 2012, unterstützte dann aber François Hollande, dessen innerparteilichen Wahlkampf er leitete. Er hat sich insbesondere auf internationale und Wirtschaftsthemen spezialisiert.

Am 5. Mai 2013 kommentierte er die vage Ankündigung der EU-Kommission, Frankreich mehr Zeit (2 Jahre?) zur Haushaltssanierung zu geben, wie folgt:

Dies bedeute das Ende des „Austeritäts-Dogma“ in der EU; dies sei „entscheidend, [...] eine Wende in der Geschichte des europäischen Projekts seit der Einführung des Euro“; man erlebe „das Ende einer bestimmten Form der finanzpolitischen Orthodoxie und das Ende des Dogmas der Austerität“. Dies sagte er zwei Tage vor seinem Treffen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble [7] [8] [9] und wenige Tage nach dem Antrittsbesuch des neuen italienischen Premierministers Enrico Letta in Berlin[10], Paris und Brüssel.[11]

Publikationen[Bearbeiten]

  • L'heure des choix, pour une économie politique (gemeinsam mit François Hollande), Odile Jacob, 1991.
  • À la recherche de la gauche perdue, Calmann-Levy, 1994.
  • Quelle économie pour quel emploi? (Autorenkollektiv), L` Atelier, 1995.
  • L'urgence, plaidoyer pour une autre politique, Plon, 1997.
  • Au cœur de l'Europe, le Pré aux Clercs, 1999.
  • L'Europe, une puissance dans la mondialisation, Seuil, 2001.
  • Un an après, Grasset, 2003.
  • Les 10 questions qui fâchent les Européens, Perrin, 2004.
  • L'Europe est morte, vive l'Europe, Perrin, 2006
  • La France dans un monde dangereux : de l'exception à l'influence, Plon, 2006
  • Le liquidateur, Hachette 2008
  • Mission impossible ? Comment la gauche peut battre Sarkozy en 2012, Paris, Le Cherche midi, 2009
  • Défaite interdite, Flammarion, 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pierre Moscovici – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung auf lemonde.fr vom 16. Mai 2012 (frz.), abgerufen am 16. Mai 2012
  2. Homepage Serge Moscovici mit Biographie
  3. Psychoanalytikerinnen. Biographisches Lexikon: s.v. Marie Moscovici (geb. Bromberg)
  4. Homepage Serge Moscovici mit Biographie
  5. TF1 News 10. Mai 2012: Pierre Moscovici, ministre de l'Economie, des Finances et du Commerce extérieur
  6. Europaparlament – Bio
  7. dem Sender Europe 1: Moscovici : "l'austérité, c'est fini"
  8. faz.net: „Ende des Austeritäts-Dogma“
  9. Le Monde: [1]
  10. RP 30. April 2013: [2]
  11. NZZ: Italiens Regierungschef bei Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande