École nationale d’administration

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École nationale d’administration
Gründung 1945
Trägerschaft staatlich
Ort Straßburg, Frankreich
Präsident Jean-Marc Sauvé
Studenten 533 (2005)
Mitarbeiter 229
Jahresetat 41,65 Millionen Euro
Website www.ena.fr
Die École nationale d’administration (rechts) in Straßburg

Die École Nationale d’Administration (ENA) (dt.: Nationale Hochschule für Verwaltung) ist eine in Straßburg ansässige Grande école, die traditionell die Elite der französischen Verwaltungsbeamten ausbildet. Sie wurde am 9. Oktober 1945 von Charles de Gaulle ins Leben gerufen, um den Aufbau einer von der Vichy-Vergangenheit unbelasteten Verwaltung zu ermöglichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung der ENA war Teil eines Programms zur Reform der französischen Verwaltung, geleitet vom damaligen Generalsekretär der Parti communiste français (PCF), Maurice Thorez. Die Schule wurde in Paris eingerichtet, zunächst an der Adresse 56, rue des Saint-Pères, später an der Adresse 13, rue de l’Université. Édith Cresson setzte als Premierministerin im Zuge der bislang eher halbherzigen Dezentralisierungsbestrebungen 1992 gegen erhebliche Widerstände durch, dass die klassische ENA-Ausbildung nach Straßburg verlegt wurde. Sie bezog dort das ehemalige Kloster Sainte Marguerite (ursprünglich eine Kommende des Johanniterordens). Über zehn Jahre hinweg lief der Betrieb der ENA zugleich in Paris und in Straßburg ab, bevor 2005 der Umzug der restlichen Ausbildungseinrichtungen der ENA nach Straßburg abgeschlossen wurde. Damit einher ging auch die Integration des Institut international d’administration publique (IIAP) in die ENA. Die Pariser Gebäude wurden von Sciences Po Paris (früher bekannt als Institut d’études politiques de Paris/ IEP Paris) übernommen. Die meisten ENA-Studenten sind Absolventen der Sciences Po.[1]

Zulassung[Bearbeiten]

Die ENA ist geprägt von den historischen Umständen ihrer Gründung, insbesondere vom Geist derer, die - oftmals aus der Résistance kommend - den Wiederaufbau Frankreichs übernahmen. Vor 1945 hatte es keine zentrale Ausbildungsstätte für die höheren französischen Verwaltungsbeamten gegeben. Um den Zugang zur ENA so gerecht und transparent wie möglich zu gestalten, wurde ein rigoroser Concours als Zulassungsverfahren eingeführt. Von jährlich etwa 3000 Bewerbern bestehen 120 das strenge Auswahlverfahren. Viele der ausländischen Studenten an der ENA sind Deutsche, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium erhalten. Die ENA kooperiert mit mehreren ausländischen Hochschulen; Kooperationspartner in Deutschland sind die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAKÖV), die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, die Universität Potsdam und die Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg.

Ausbildung[Bearbeiten]

Aufgabe der ENA ist es, den zukünftigen höheren Verwaltungsbeamten eine fachübergreifende Ausbildung zukommen zu lassen. Der Unterricht dauert 27 Monate und teilt sich in eine Studienphase von 15 Monaten sowie eine Praktikumsphase von 12 Monaten. Die Praktika müssen bei Präfekturen, diplomatischen Vertretungen oder internationalen Organisationen abgeleistet werden. Die Ziele der Studienphase, die aus Fallstudien, Gruppen- und Einzelarbeiten besteht, sind

  • die Vertiefung der Kenntnisse des Rechts, der Ökonomie sowie europäischer und internationaler Themen
  • die Vermittlung von Verwaltungstechniken (z. B. das Verfassen juristischer Texte, öffentliches Rechnungswesen, Leitung, Mitarbeiterführung, Verhandlungstechniken, Sprachen, EDV)
  • die Entwicklung der Fähigkeit in den Verwaltungswissenschaften zu forschen.

Absolventen[Bearbeiten]

Französische Absolventen der ENA müssen nach dem Abschluss mindestens zehn Jahre im französischen Staatsdienst arbeiten. Viele „Enarchen“ treten ihren Dienst zunächst beim Conseil d’État, beim Rechnungshof oder in französischen Ministerien an. Einige verpflichten sich für den diplomatischen Dienst. Während Eintritt und Verbleib im Staatsdienst bereits mit Bestehen des ENA-Auswahlverfahrens garantiert sind, hängt die Erlangung lukrativer Dienstposten zu Beginn der Beamtenlaufbahn entscheidend vom erreichten Classement bei der Abschlussprüfung ab.

Ein Großteil der französischen Spitzenpolitiker haben ihre Laufbahn als ENA-Absolvent begonnen. Alle bisherigen Enarchen, d. h. Absolventen der ENA (von der Gründung bis 2007 ca. 5600), sind im Verzeichnis „annuaire“ gemeinsam mit den ausländischen ENA-Absolventen aufgeführt. Jeder Abschlussjahrgang wählt einen Namen, mit dem beispielsweise eine bestimmte Person geehrt wird. Später werden die Absolventen dann etwa als Mitglieder der Promotion Nelson Mandela bezeichnet. Die Ehemaligenvereinigungen wie die Association des anciens élèves de l’ENA (AAEENA) in Paris und die Gesellschaft der deutschen ehemaligen ENA-Schüler e. V. haben sich mit anderen ausländischen ENA-Ehemaligenvereinigungen zu einer Confédération zusammengeschlossen.

Zu den bekanntesten Absolventen zählen (nach Promotion geordnet):

Promotion France combattante (1947)

Promotion Union française (1948)

Promotion Europe (1951)

Promotion France-Afrique (1957)

Promotion 18 juin (1958)

Promotion Vauban (1959)

  • Jacques Chirac, ehemaliger Staatspräsident und ehemaliger Premierminister

Promotion Alexis de Tocqueville (1960)

Promotion Stendhal (1965)

Promotion Montesquieu (1966)

  • Jean-Paul Costa, ehemaliger Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte

Promotion Marcel Proust (1967)

Promotion Thomas More (1971)

Promotion Charles de Gaulle (1972)

Promotion François Rabelais (1973)

Promotion Michel de L'Hospital (1979)

  • Ronny Abraham, seit 2005 Richter am Internationalen Gerichtshof

Promotion Voltaire (1980)

Promotion Léonard de Vinci (1985)

Promotion Fernand Braudel (1987)

Promotion Liberté-Égalité-Fraternité (1989)

Bekannte ehemalige deutsche Austauschstudenten an der ENA sind etwa Wolfgang Schuster, Michael Jansen, Edda Müller, Gunter Pleuger, Reinhard Schäfers, Uwe H. Schneider, Joachim Bitterlich und Hartmut Bäumer.

Kritik an der ENA[Bearbeiten]

Die ENA ist in Frankreich hoch angesehen, ihre Ausbildung ist begehrt, zugleich aber nicht unumstritten. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass auch der neutrale Concours eine auffallende Homogenität der Studenten nicht verhindern konnte. Man fürchtet eine daraus resultierende Bildung eines gewissen Korpsgeistes und einseitig „enarchisch“ geprägte Sichtweisen, was faktisch zur Einengung der staatlichen Handlungsfähigkeit führen kann. Immer wieder werden Forderungen erhoben, nicht selten von ehemaligen Absolventen der ENA selbst, die Ausbildung, die Zulassung und die Verquickung mit dem Zugang zum öffentlichen Dienst (über das classement) zu reformieren. Im Zuge des Umzugs der ENA nach Straßburg ist zwar ihr Curriculum überarbeitet worden; ob dies die Kritiker verstummen lässt, bleibt allerdings abzuwarten. Mittlerweile rekrutiert sich die französische Elite nämlich nahezu ausschließlich aus einem Milieu, das gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht.[2] Auf dem Fernsehsender arte wurde das vierteilige Drama Lehrjahre der Macht ausgestrahlt, das sich insbesondere mit diesen Kritikpunkten befasst.[3]

2012 kam es in Frankreich durch die Präsidentschaftswahlen im Mai und die Parlamentswahlen im Juni zu einem historischen Machtwechsel: Zum ersten Mal seit 1981 (Mitterrand) wurde ein Kandidat des PS (Parti socialiste) zum Präsidenten gewählt (François Hollande löste Nicolas Sarkozy ab); in beiden Kammern des Parlaments (Nationalversammlung und Senat) bekam der PS die absolute Mehrheit. Zahlreiche der wichtigsten Ämter in Politik und Verwaltung wurden neu besetzt; viele mit Menschen, die Ende der 1970er an der ENA studierten und denen Mitterrand ab 1981 den Weg in staatliche Ämter ebnete. [4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: École nationale d’administration – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ENA: Frankreichs formatierte Elite., Blog auf arte.tv, 23. September 2011, abgerufen am 6. Juni 2013
  2. Julia Amalia Heyer: Schluss mit den Meriten. Sarkozy will den Eliteschulen eine Quotenregelung verpassen. In: Süddeutsche Zeitung vom 23/4. Januar 2010
  3. Lehrjahre der Macht
  4. sueddeutsche.de 6. April 2013: Wie eine Hochschul-Clique Frankreich regiert

48.5808375963897.7374380827778Koordinaten: 48° 34′ 51″ N, 7° 44′ 15″ O