Düsseldorfer Jazz-Rally

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Klaus Doldinger 2004 bei der
12. Düsseldorfer Jazz-Rally

Die Düsseldorfer Jazz-Rally (auch: Düsseldorfer Jazz Rally) ist ein renommiertes Musikfestival in Düsseldorf, das seit 1993 alljährlich an einem Wochenende im Frühsommer stattfindet. Es ist das mit Abstand meistbesuchte Jazzfestival in Deutschland.

Die Veranstaltung orientierte sich zunächst an der Jazz Rally von Brüssel[1] und fand erstmals vom 25. bis 27. Juni 1993 unter dem Namen Brussels Jazz Rally statt.[2] Bei der neunten Auflage des inzwischen Düsseldorfer Jazz Rally genannten Festivals vom 25. Juni bis 1. Juli 2001 kamen zu den teilweise im Freien stattfindenden Konzerten trotz zwischenzeitlichen Regens bereits 280.000 Besucher.[3] In den letzten Jahren lag die Besucherzahl regelmäßig bei einer viertel Million Menschen und mehr.[4] Diesen wird von freitags bis sonntags an mehreren Dutzend Spielstätten eine Reihe von annähernd hundert Konzerten geboten.

Für die außerordentliche Popularität ist es einerseits bedeutsam, dass nahezu sämtliche Auftritte mit nur einem einzigen Ticket besucht werden können, das in Form eines leicht kontrollierbaren „Buttons“ ausgegeben wird, und andererseits, dass sich ein Großteil der Spielstätten in der Düsseldorfer Innenstadt befindet und prinzipiell die eine von der anderen aus zu Fuß erreichbar ist, was durch die Bezeichnung Rally versinnbildlicht werden soll. Nicht unwichtig ist zudem, dass mehrere Spielstätten in der ohnehin stark frequentierten Düsseldorfer Altstadt und im Flughafen offen und kostenfrei zugänglich sind. Dagegen sind wenige Sonderkonzerte auch nicht mit dem „Button“ zugänglich, sondern nur mit eigens erworbener Eintrittskarte.

Schirmherr der Jazz Rally ist seit einigen Jahren Klaus Doldinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind mit seiner Familie von Wien nach Düsseldorf geflüchtet war und dort als Jugendlicher seine ersten Schritte als Jazzmusiker tat.

Kritik[Bearbeiten]

Das Festival erhält starke Unterstützung durch die Stadt Düsseldorf sowie große lokale Unternehmen und wird von der Destination Düsseldorf, einer Vereinigung Düsseldorfer Unternehmen, veranstaltet. Dadurch und indem ein Großteil der Konzerte von weniger renommierten Musikern, noch relativ unbekannten Nachwuchskünstlern oder auch Musikschülern getragen sowie zugleich ein geringerer Stellenwert auf internationale Stars gelegt wird, ermöglicht man die publikumswirksame Preisgestaltung, die einer Flatrate vergleichbar ist. Besucher können, wenn sie es möchten, zum Preis üblicher Konzertkarten an jedem der drei Veranstaltungstage mehrere Konzerte hintereinander besuchen. In den Sonderkonzerten werden auch populäre Musikrichtungen jenseits des Jazz dargeboten, so zuletzt Roger Cicero (2007), Die Fantastischen Vier (2008) und Jan Delay (2009).

In diesem im Laufe der Zeit vorangetriebenen Konzept kann einerseits sowohl eine Verwässerung der Qualität entdeckt werden als auch andererseits eine erfolgreiche Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen, das über den üblichen Besucherkreis von Jazzkonzerten und -festivals weit hinausgeht. Die Besucherzahl übertrifft zum Beispiel die Leverkusener Jazztage, eines der renommiertesten Jazzfestivals in Deutschland, um mehr als das Zehnfache.

Sparda Jazz Award[Bearbeiten]

Seit 2012 wird jährlich ein Jazz-Award der Düsseldorfer Jazz-Rally verliehen, ein Nachwuchspreis exklusiv für Jazzmusiker im Alter von 18 bis 28 Jahren. Sponsor ist die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.[5] Die drei Bestplatzierten erhalten neben einem Live-Auftritt während der Düsseldorfer Jazz-Rally ein Preisgeld in Höhe von 3.000 € (1. Platz) bzw. 1.500 € (jeweils 2. und 3. Platz). In der wechselnd 4-5-köpfigen Jury vertreten sind Musiker, Jazz-Produzenten, Musikjournalisten und der Vorstand der Sparda-West-Stiftung. Ständige Mitglieder sind Schirmherr Klaus Doldinger sowie Ursula Wißborn vom Vorstand der Stiftung. Als Musiker waren beispielsweise der Bassist Nico Brandenburg (2012, 2014) oder der Pianist Sebastian Gahler (2013) dabei. Aus der Jazz-Szene kamen der Elbjazz-Programmmacher Götz Bühler (2012), der Jazz-Autor Klaus Hübner[6] (2013), sowie WDR-Musikjournalist Karsten Mützelfeldt und Jazz-Produzent Rüdiger Herzog (beide 2014). Der zunächst auf drei Jahre geplante Jazz-Nachwuchsförderpreis wurde zuletzt um zwei weitere Jahre bis 2016 vertraglich verlängert.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Warum die Jazz Rally nach Düsseldorf gehört Westdeutsche Zeitung, 19. Mai 2012
  2. Chronik 1993 im Stadtarchiv Düsseldorf
  3. Chronik 2001 im Stadtarchiv Düsseldorf
  4. 2012 kamen 300.000 Besucher. Vgl. Jazz Rally lockt 300.000 Musikfans, Die Welt 27. Mai 2012
  5. a b Der Sparda Jazz Award bis 2016 verlängert
  6. Autorenprofil Klaus Hübner, Literatur im Netz NRW, abgerufen 22. Oktober 2014