Das Geschäft in der Hauptstraße

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Filmdaten
Deutscher Titel Das Geschäft in der Hauptstraße
Der Laden auf dem Korso
Originaltitel Obchod na korze
Produktionsland ČSSR
Originalsprache Slowakisch
Erscheinungsjahr 1965
Länge 128 Minuten
Stab
Regie Ján Kadár
Elmar Klos
Drehbuch Ján Kadár
Elmar Klos
nach der gleichnamigen Erzählung von Ladislav Grosman
Produktion Miloš Brož
Jaromír Lukáš
Musik Zdeněk Liška
Kamera Vladimír Novotný
Schnitt Diana Heringová
Jaromír Janáček
Besetzung

Das Geschäft in der Hauptstraße ist ein tschechoslowakischer Film von Ján Kadár und Elmar Klos aus dem Jahr 1965, der auch unter dem deutschen Titel Der Laden auf dem Korso bekannt wurde und mehrere Auszeichnungen erhielt.

Handlung[Bearbeiten]

In Zeiten der Ersten Slowakischen Republik wird der arme und unpolitische Schreiner Tono Brtko 1942 von seinem Schwager Marcus Kolkotsky, der Stadtführer bei der Hlinka-Garde ist, zum „arischen Treuhänder“ eines kleinen Geschäfts auf der Hauptstraße ernannt. Seine habgierige Frau Evelyna ist geblendet von dem möglichen Gewinn aus den Verkäufen, während Tono bald heraus findet, dass das Geschäft, das der tauben und zurückgezogen lebenden alten Witwe Rozalie Lautmann gehört, bankrott ist und nur durch die finanzielle Unterstützung fortbesteht, die die alte Frau durch die jüdische Gemeinde erhält. Tono wird zum mehr oder weniger unfreiwilligen Helfer von Frau Lautmann, unterstützt sie im Geschäft, repariert ihre Möbel, während er andererseits seiner eigenen Frau vormacht, dass er durch den Laden bereits Geld verdient. Dabei wird der indifferente Tono auch durch regelmäßige Geldzuweisungen der jüdischen Gemeinde dazu gebracht, sich halbwegs anständig zu verhalten. Als die Juden von den Faschisten aus der Stadt deportiert werden sollen, entschließt sich Tono, der alten Witwe zu helfen. Diese sieht zunächst überhaupt nicht, in welcher Gefahr sie sich befindet und dass Tono ihr helfen will. Er betrinkt sich, wodurch Ängste geweckt werden, dass er als ihr Helfershelfer auffliegen könnte. In seiner Ambivalenz will er sie zunächst ausliefern, bis er sich eines besseren besinnt. Als sie endlich versteht, dass es um die Deportation der Juden geht, gerät sie aus Furcht vor einem Pogrom in Panik. In seiner Angst, durch ihr Verhalten entdeckt zu werden, schiebt er sie mit Gewalt in eine Abstellkammer, in der sie zu Tode stürzt. Als er dies entdeckt, beschließt er, sich zu erhängen.

Gedenktafel am Drehort in Sabinov

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt bei der Oscarverleihung 1966 den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Ida Kamińska war 1966 darüber hinaus für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert und erhielt gemeinsam mit Jozef Króner bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1965 auch eine besondere Auszeichnung für die schauspielerischen Darstellungen. Außerdem war der Film bei den Festspielen für die Goldene Palme als bester Spielfilm nominiert. 1967 war Ida Kamińska außerdem für den Golden Globe Award als beste Hauptdarstellerin in einem Drama nominiert.

Des Weiteren gewann der Film den Kansas City Film Critics Circle Award (1967) und den New York Film Critics Circle Award als Bester fremdsprachiger Film (1966) sowie den Publikumspreis beim Pilsen Film Festival im Jahr 1968.

Kritik[Bearbeiten]

„Ein eindrucksvoller Film, der von den großartigen darstellerischen Leistungen der Hauptdarsteller Króner und Kamińska und von der stilistischen Konsequenz einer realistischen Inszenierung lebt, die nur in einigen Traumsequenzen an Intensität verliert.“

Reclams Filmführer[1]

„Eine engagierte Sozialstudie mit herausragenden Schauspielerleistungen und überzeugender Milieuschilderung.“

Lexikon des internationalen Films[2]

„Ein leider stets aktuelles Thema in meisterhafter Gestaltung: Totalitäre Systeme können sich auf die Mitarbeit auch anständiger Menschen verlassen, weil übergroße Macht „Durchschnittsgewissen“ erschlägt. Zu empfehlen als Erinnerung und Warnung.“

Evangelischer Filmbeobachter[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. RECLAMS FILMFÜHRER, S. 407, 7. Auflage 1987, ISBN 3-15-010205-7
  2. rororo-Taschenbuch Nr. 6322 (1988), S. 1292
  3. Kritik Nr. 196/1966, Evangelischer Presseverband München, S. 373