Dashcam

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Unterschiede der Weitwinkel-Linsen
Kamerablick auf die Straße
Dashcams mit unterschiedlicher Brennweite

Als Dashcam (Kofferwort aus englisch dash board „Armaturenbrett“; camera „Kamera“) wird eine Videokamera auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe von Fahrzeugen bezeichnet, die während der Fahrt fortwährend aufzeichnet.

Technik[Bearbeiten]

Eigenständige Geräte[Bearbeiten]

Die Kamera wird meist am Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt. Als Befestigungsmaterial werden oft Saugnapfhalterungen oder Klebepads verwendet.

Bei einer Dashcam werden, im Gegensatz zu herkömmlichen Videoaufnahmesystemen, ununterbrochen Aufnahmen in einer Schleife gespeichert. Nach Ablauf einer programmierbaren Zeit oder bei Erreichen des Speicherlimits des Speichermediums werden ältere Aufnahmen überschrieben. Diese Funktion wird oft als Loop-Aufnahme bezeichnet.[1] Die Inhalte werden digital gespeichert. Typischerweise unterstützt werden SD Memory Cards und MicroSD-Karten bis zu 32 GB (SDHC) und bei neueren Dashcams bis zu 64GB (SDXC) Speicherkapazität. Überwiegend werden die Videodaten nach dem H.264-Standard gespeichert, so dass sich die Aufnahmen auf den meisten handelsüblichen Computersystemen betrachten lassen.

Viele Kameras besitzen einen Beschleunigungssensor (G-Sensor), der im Falle eines Unfalls das aktuelle Video mit einem Schreibschutz versieht. Damit wird sichergestellt, dass das Video nicht überschrieben wird. Bei falscher Justierung und einer holprigen Fahrt kann dies jedoch zu ungewollten Auslösern des Schreibschutzes führen.[2] In einigen Autokameras ist der Bewegungssensor ein- sowie ausschaltbar sowie die Empfindlichkeit regulierbar.

Manche Dashcams verfügen über einen integrierten GPS-Empfänger. Die hieraus ermittelten Daten, die jeweilige Position und die gefahrene Geschwindigkeit, können so direkt in die Aufnahmen eingeblendet oder je nach Modell zur späteren Auswertung genutzt werden.

In immer mehr Dashcams findet die aus dem Bereich von Überwachungskameras beliebte WDR-Technologie (engl. Wide Dynamic Range) ihren Einsatz. Diese Technologie ähnelt ein wenig der HDR-Technologie aus der Fotografie und wird über den Bildsensor gesteuert. Der Einsatz einer Dashcam mit WDR-Technologie hat den Vorteil, dass Anpassungen an sich schnell ändernde Lichtverhältnisse möglich sind. Zudem ermöglicht der Einsatz von WDR, dass auch unter sehr schlechten Lichtverhältnissen und bei schwachem Licht, noch kontrastreiche Videoaufnahmen möglich sind.

Es gibt auch Kameras mit Fahrerassistenzsystemen, beispielsweise Spurhalteassistent, Abstandswarner (engl. Front Collision Warning System, kurz: FCWS), sowie Verkehrszeichenerkennung. Durch die unmittelbare Anzeige der gefahrenen sowie der zulässigen Geschwindigkeit auf dem rückwärtigen Display können diese Systeme Funktionen ähnlich eines Head-up-Displays übernehmen.

Alternative Systeme[Bearbeiten]

Eine zumindest teilweise Alternative zu Dashcam sind sogenannte Dashcam Apps. Anstelle einer eigenen Hardware, handelt es sich hierbei um eine reine Softwarelösung in Form einer Mobile App für ein Smartphone. Diese bieten gewöhnlicher Weise bereits die nötigen Komponenten wie Kamera, Satellitennavigation und Beschleunigungssensor. Besonders für das Betriebssystem Android und für das iPhone gibt es zahlreiche solcher Dashcam Apps. Während Dashcam-Geräte normalerweise zwischen 50 und 300 Euro kosten, sind die meisten Dashcam-Apps gratis oder für wenige Euro zu haben. Da jedoch Dashcam-Geräte gegenüber Dashcam-Apps in der Regel fest montiert sind und nicht vor und nach jeder Fahrt montiert und demontiert werden müssen, bieten Dashcam-Geräte wie auch dedizierte Navigationsgeräte einen höheren Bedienkomfort. Zudem sind Smartphone-Kameras meist nicht dafür ausgelegt, eine Nachtfahrt aufzunehmen. Die Videoqualität und der Weitwinkel von derzeitigen Dashcams erreicht einen Blickwinkel von bis zu 160 Grad und ist auch hierdurch einem Smartphone überlegen. Insofern eignen sich Dashcam Apps eher für spontane Aufnahmen.

Als weitere Alternative bieten sich Action-Camcorder an, die dauerhaft über das Bordnetz mit Energie versorgt werden.

Verwendung und Geschichte[Bearbeiten]

Autofahrer installieren diese Kameras überwiegend, um Verkehrsabläufe zu dokumentieren und so die Frage des Verschuldens von Verkehrsunfällen zu beweisen oder Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer zur Anzeige bringen zu können oder zur Dokumentation von Polizeikontrollen. Allerdings kann sich bei einem Eigenverschulden die Dashcam-Aufnahme auch zum Negativen des Besitzers auswirken, da die Polizei je nach Land das Recht besitzt die Aufnahme sicherzustellen.[3]

In Russland ist der Einsatz von Dashcams sehr weit verbreitet. Daraus resultierende skurrile oder drastische Aufzeichnungen wurden zum Internetphänomen.[4] Besonders Dashcam-Aufnahmen vom Meteor von Tscheljabinsk haben zur Bekanntheit der Geräte in westeuropäischen Ländern beigetragen.

Situation einzelner Länder[Bearbeiten]

DACHlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Deutschland[Bearbeiten]

Die datenschutzrechtliche Zulässigkeit der ständigen Aufzeichnung sowie die Verwendbarkeit als Beweismittel in Zivil- oder Strafprozessen ist in Deutschland umstritten. Eine gefestigte Rechtsprechung liegt zu beiden Fragen bislang nicht vor. In Medienkommentaren[5] und Äußerungen der Datenschutzbehörden wird die Ansicht vertreten, dass bereits der laufende Aufnahmevorgang einen Verstoß gegen § 6b Absatz 1 Nr. 3 und Absatz 3 Bundesdatenschutzgesetz darstellt. So erklärte der Düsseldorfer Kreis der Landesbehörden für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich, der Einsatz der Kameras sei unzulässig, weil sie einen gravierenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Verkehrsteilnehmer darstelle und deren schutzwürdigen Interessen überwiegend seien.[6] Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht erließ Anfang 2014 eine entsprechende Unterlassungsverfügung gegen einen Autofahrer. Der Betroffene legte Rechtsmittel ein, im Juni 2014 war das Verfahren für eine erste richterliche Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Ansbach anhängig.[7]

Ob eine Aufnahme als Beweismittel anerkannt wird oder nicht, liegt im Ermessen des zuständigen Richters. Dabei kam es in Deutschland durchaus schon zu Fällen, in denen eine Dashcam-Aufnahme vom Gericht akzeptiert und das Urteil dadurch maßgeblich beeinflusst wurde.[8] So ließ das Amtsgericht München die von einem Radfahrer erstellte Bikecam-Aufnahme als Beweismittel zu, ging dabei aber davon aus, dass sie ursprünglich nicht zum Zweck der Beweissicherung erstellt worden war, sondern lediglich privaten Zwecken dienen sollte (Amtsgericht München, Urteil vom 6. Juni 13, Az. 343 C 4445/13).[9]

Großbritannien[Bearbeiten]

In Großbritannien bieten verschiedene KFZ-Versicherungen Rabatte an, wenn der Versicherungsnehmer eine Dashcam installiert.[10]

Schweiz[Bearbeiten]

Laut Digitec war die Nachfrage nach Dashcams im Sommer 2013 noch "gering, jedoch stark steigend".[3] Das Bundesamt für Strassen sieht in Dashcams keinen Verstoß gegen das Strassenverkehrsrecht, solange "die Kamera das Sichtfeld des Lenkers nicht einschränkt und er die Kamera während der Fahrt nicht bedient."[3] Demgegenüber sieht man im Amt des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten eine Verletzung des Datenschutzgesetzes, da bei Dashcam-Aufnahmen unweigerlich auch Personen zu erkennen sind und diese im Rahmen der vorgeschriebenen Transparenz nicht vorweg informiert werden. Aus diesem Grund veröffentlichte das Amt im Juli 2013 eine Erläuterung mit der Empfehlung auf Dashcams zu verzichten.[11] Für die Versicherung AXA Winterthur stellen Unfalldatenspeicher eine bessere Alternative dar, da Dashcams nur ein "eingeschränktes Sichtfeld" liefern würden.[12]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich vertritt die Datenschutzbehörde die Rechtsauffassung, dass Dashcams der im Datenschutzgesetz festgelegten Meldepflicht und dem Registrierungsverfahren für Videoüberwachungen unterliegen. Im bislang einzigen Beschluss über einen entsprechenden Antrag lehnte die Datenschutzkommission im Februar 2012 die Registrierung ab und untersagte dem Antragsteller damit den Einsatz.[13] Nach Ansicht der Behörde ist der der Betrieb von Dashcams durch Private in Österreich grundsätzlich nicht zulässig. Der Bescheid wurde vom Antragsteller keiner gerichtlichen Überprüfung zugeführt, insgesamt geht die Datenschutzbehörde davon aus, dass die Entwicklung "noch nicht abgeschlossen" sei.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einsatz von Autokameras. WDR, 7. Oktober 2013, abgerufen am 6. Januar 2014.
  2. Welt.de: Dashcam sammelt Beweise gegen Verkehrsrowdys
  3. a b c 20 Minuten: «Auto-Kameras verstossen gegen den Datenschutz» (Ausgabe vom 3. Juli 2013)
  4. Why Almost Everyone in Russia Has a Dash Cam, Damon Lavrinc in Wired, abgerufen am 4. April 2013
  5. Video auf dem Armaturenbrett (PDF; 39 kB) in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2013
  6. Düsseldorfer Kreis der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz im nicht-öffentlichen BereichBeschluss der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz im nicht-öffentlichen Bereich vom 25./26. Februar 2014
  7. Chip.de: Datenschutz: Bayern will Dashboard-Cams verbieten, Meldung vom 9. Februar 2014
  8. WISO: Sendung vom 4. März 2013.
  9. Amtsgericht München: Die private Videoaufnahme als Beweismittel im Zivilprozess, Pressemitteilung 30/13 vom 8. Juli 2013
  10. http://www.swiftcover.com/carinsurance/dashcams/ Beispiel: 10% Dashcam-Rabatt bei Swiftcover, abgerufen am 31. Mai 2014
  11. Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter: Erläuterungen zu Videoüberwachung in Fahrzeugen (Juli 2013)
  12. Schweizer Radio und Fernsehen: Dashcam: Die Kamera auf dem Armaturenbrett
  13. Bescheid K600.319-005/0002-DVR/2012 zur Entscheidung vom 7. November 2012
  14. Datenschutzbehörde: Videokameras in Autos
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