Unfalldatenspeicher

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Beispiel für eine Datenkurve, die bei einem Verkehrsunfall aufgezeichnet wird.

Der Unfalldatenspeicher (Abk.: UDS), in der Schweiz auch Restwegaufzeichnungsgerät (Abk.: RAG)[1] ist ein elektronisches Gerät, das vor, während und nach einem Verkehrsunfall relevante Daten aufzeichnet und somit einem Flugschreiber ähnelt. Die internationale Bezeichnung lautet Event Data Recorder (EDR).

Der Unfalldatenspeicher wurde 1994 von der Mannesmann VDO AG erfunden und zum Patent angemeldet.[2]

Er kann in Kraftfahrzeuge (PKW, LKW, Busse und Sonderfahrzeuge) auf freiwilliger Basis eingebaut werden, um über die Vorgänge bei einem Unfall genauere Erkenntnisse zu erhalten. Der UDS nimmt ständig verschiedene Daten des Fahrzeugs auf (wie Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung, Fahrzeugbeschleunigung in Längs- und Querrichtung, Status der Beleuchtung, Blinker- und Bremstätigkeit etc.) und zeichnet diese einige Minuten auf, bevor sie automatisch gelöscht werden.

Im Falle eines Unfalles (erkannt wird dieses durch eine starke Beschleunigung des Fahrzeuges infolge eines Anstoßes) bleiben mindestens die letzten 30 Sekunden dauerhaft gespeichert. So lässt sich nach einem Unfall sehr viel einfacher das Geschehen rekonstruieren, damit ggf. die Frage des Verschuldens geklärt werden kann.

Viele Fahrzeuge von Behörden (wie Polizei oder Rettungsdienst) sind damit ausgestattet, da es bei Unfällen während Blaulichtfahrten häufig zu Streitigkeiten über die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften kommt. Ein Nebeneffekt bei mit UDS ausgestatteten Fahrzeugen ist, dass sich die Fahrer im Straßenverkehr vorsichtiger verhalten. [3]

Crash Recorder

Der Einbau (auch nachträglich) kostet ca. 700 Euro und kann bei manchen Versicherungen zu einem Beitragsnachlass führen. Ausgelesen werden kann der UDS per Schnittstellenkabel durch einen Sachverständigen. Der Unfalldatenschreiber besitzt einen Schalter, mit dem der Fahrer nach einem Unfall die gespeicherten Daten sofort löschen kann, um sich bei der späteren Schuldfrage nicht selbst zu belasten.[4] Diese Funktion kann jedoch, zum Beispiel zur Verwendung in Firmenfahrzeugen, gesperrt werden.[5]

Fahrzeuge mit Airbagsystemen speichern unfallrelevante Daten (Aufprallbeschleunigungen, Gurtschlosszustände, Sitzpositionen, Auslösezeiten) im internen Speicher der Auslöseelektronik. Der Datenumfang ist aber je nach Hersteller unterschiedlich und erstreckt sich nur über etwa 100 ms. Neueste Bestimmungen der US-amerikanischen Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit NHTSA fordern einheitliche Datensätze für alle ab 2010 hergestellten Systeme.

Belege[Bearbeiten]

  1. http://www.agv-ag.ch/fileadmin/NewsletterFeuerwehr/2010-01/Pruefung_RAG.pdf Infoblatt der Aargauer Gebäudeversicherung, abgerufen am 13. Januar 2014 (PDF).
  2. https://register.epo.org/espacenet/application?number=EP94905671 Europäisches Patentamt
  3. http://d-nb.info/968495222/34#page=48
  4. http://www.sachverstaendige-leipzig.de/leistungen/unfalldatenspeicher.html
  5. http://d-nb.info/968495222/34#page=51 (Abschnitt 3.9 UDS bei WKD Security)