Der Evangelimann

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Werkdaten
Titel: Der Evangelimann
Originaltitel: Der Evangelimann
Originalsprache: deutsch
Musik: Wilhelm Kienzl
Libretto: Wilhelm Kienzl
Uraufführung: 4. Mai 1895
Ort der Uraufführung: Berlin
Spieldauer: ca. 2 3/4 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Benediktinerkloster St. Othmar und Wien, 1820 und 1850
Personen
  • Friedrich Engel, Pfleger/Justiziar des Klosters St. Othmar (Bass)
  • Martha Engel, dessen Nichte und Mündel (Sopran)
  • Magdalena, deren Freundin (Alt)
  • Johannes Freudhofer, Lehrer zu St. Othmar (Bariton)
  • Mathias Freudhofer, dessen jüngerer Bruder, Amtsschreiber des Klosters (Tenor)
  • Zitterbart, ein Schneider (Tenor)
  • Schnappauf, Büchsenmacher (Bass)
  • Aibler, älterer Bürger (Bass)
  • Frau Aibler, dessen Ehefrau (Mezzosopran)
  • Hans, ein Bauernbursche (Tenor)
  • Nachtwächter (Tenor)
  • Lumpensammlerin (Mezzosopran)
  • Leiermann
  • Mönche, Bürger, Landvolk, Kinder

Der Evangelimann ist ein musikalisches Schauspiel, also eine Oper, in 2 Akten aus dem Jahr 1895 von Wilhelm Kienzl, der Musik und Libretto verfasste.

Hintergrund und Geschichte[Bearbeiten]

Die titelgebende Figur des Evangelimanns war ursprünglich eine Gestalt der sogenannten Wiener Pawlatschenhöfe (Hinterhöfe), die dort bevorzugt an Samstagen oder Sonn- und Feiertagen erschien und - zumeist in würdigem und freundlichem Auftreten - aus der Bibel zitierte und dafür einige Kreuzer erhielt.

Wilhelm Kienzl benannte seine Oper nach dieser Gestalt. Angeregt wurde er von einer Erzählung aus Leopold Florian Meissners Buch Aus den Papieren eines Polizeikommissärs. Dieses berichtet vom Lebensweg des Evangelimanns als eine wahre Begebenheit. Auf dem Hellerhof in der Pfarrei Paudorf bei Göttweig in Niederösterreich habe sich 1812 eine Brandkatastrophe zugetragen, die man dem ebendort gebürtigen Engelbert Schwerdtfeger, dem späteren Abt des Benediktinerklosters Stift Göttweig, zur Last legte und ihn dafür unschuldig verurteilte. Diese Erzählung adaptierte Wilhelm Kienzl für seine Oper. Die Uraufführung des Werks fand am 4. Mai 1895 in Berlin statt.

Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Als nach dem Nachmittagsgottesdienst in St. Othmar das heimliche Paar Martha und Mathias glücklich die Kirche verlässt, wird es neidvoll von Mathias' Bruder Johannes beobachtet. Dieser wartet, bis Marthas Vormund Friedrich Engel erscheint, und verrät das Liebesglück der beiden. Friedrich Engel stellt daraufhin Mathias, der als armer Schreiber keinesfalls standesgemäß ist, zur Rede. Trotz dessen Beteuerungen jagt er Mathias aus seinem Amt und nimmt ihm seinen Lebensunterhalt. Johannes versucht die Gelegenheit zu nutzen, um sich Martha zu nähern, wird jedoch abgewiesen. Der Abend kommt und die Bürger zieht es zur Klosterschänke.

Mathias bittet Magdalena, Martha eine Stunde vor Mitternacht in den Wirtsgarten zu bestellen. Währenddessen kegeln die Bürger um die Wette. Nun treffen sich Martha und Mathias und geloben sich ewige Treue. Aber Johannes hat sie wieder belauert und stürzt betroffen davon. Bald steigt Rauch auf. Der Nachtwächter gibt Feueralarm. Mathias will zum Löschen, da nimmt ihn der Pfleger als mutmaßlichen Brandstifter fest. Martha bricht zusammen.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Dreißig Jahre später in einem typischen Wiener Hinterhof mit spielenden Kindern, Leierkastenklängen und einer Lumpensammlerin mit ihrem „Hadern“-Ruf. Magdalena erinnert sich wehmütig an ihre schönen Jugendtage. Es erscheint der Evangelimann und trägt aus der Bibel vor. Die Kinder bemühen sich, ihm nachzusingen. Als er Magdalena um Wasser bittet, wird er von ihr als Mathias Freudhofer erkannt. Er berichtet von seinen unschuldigen Leiden, der zwanzigjährigen Kerkerhaft und der Verzweiflung von Martha, welche sie den Tod in der Donau suchen ließ. Magdalena fordert ihn auf zu baldiger Wiederkehr, um einen Kranken zu trösten.

Der Kranke ist Johannes. Sein Körper und sein Geist werden von Schmerzen gepeinigt. Aber er will sein Geheimnis mit ins Grab nehmen. Da hört er draußen den Gesang des Evangelimann. Er bittet Magdalena, ihn heraufzuholen. Als dieser erscheint, fasst Johannes Vertrauen zu dem Fremden und beichtet ihm seine Tat. Die Brüder erkennen sich und der sterbende Johannes erbittet Vergebung. Nach schwerem inneren Kampf verzeiht ihm Mathias. Johannes stirbt. Draußen singen die Kinder „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich“.

Inszenierungen und Rezeption[Bearbeiten]

Die Oper war nach ihrer Uraufführung 1895 längere Zeit im deutschsprachigen Raum und auch im Ausland populär, wurde aber in den letzten Jahrzehnten kaum noch gespielt. Einzig die Tenor-Arie „Selig sind, die Verfolgung leiden“, gesungen unter anderem von Peter Anders, Nicolai Gedda, Joseph Schmidt, Richard Tauber, Fritz Wunderlich und Rudolf Schock, wurde noch vereinzelt im Radio gespielt. In den 1980er Jahren wurde die Oper in Wiesbaden aufgeführt; 2004 auch in Chemnitz.[1]

Diskographie[Bearbeiten]

  • GA 2006 (DVD); Alfred Eschwé; Walter Fink (Friedrich Engel), Alexandra Reinprecht (Martha), Janina Baechle (Magdalena), Wolfgang Koch (Johannes), Jürgen Müller (Mathias); Orchester der Volksoper Wien (Capriccio)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Schneider: Positive Kritik der Wiederaufführung der Oper in Chemnitz 2004 Vergebungskrimi : Kritik zu Wilhelm Kienzl: Der Evangelimann (Städtische Theater Chemnitz). In: klassik.com Magazin vom 30. Oktober 2004.