Richard Tauber

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Zigarettenkarte, ca. 1932

Richard Tauber (geboren als Richard Denemy; * 16. Mai 1891 in Linz; † 8. Januar 1948 in London) war ein österreichischer Tenor. Von der Presse und der Werbung wurde ihm der Name „König des Belcanto“ verliehen.

Biografie[Bearbeiten]

Charlotte Tauber-Vanconti mit Noch–Ehemann im November 1928

Richard Tauber war das uneheliche Kind der Soubrette Elisabeth Denemy (verwitwet nach Karl Seyfferth) und des Schauspielers und Chemnitzer Opern-Intendanten[1] Anton Richard Tauber. Das Geburtshaus war − in den Abendstunden − das Hotel Zum schwarzen Bären in Linz. Der Eintrag im Taufregister lautete auf Richard Denemy. Der rechtliche Status und der Name wurden 1913 infolge der Adoption durch den Vater geändert. Bedingt durch den Beruf der Mutter wuchs Tauber in Linz bei Pflegeeltern auf und besuchte dort auch die Volksschule.

Mit zwölf Jahren zog Tauber 1903 zu seinem Vater nach Wiesbaden und besuchte dort für die nächsten fünf Jahre das Gymnasium. Anschließend studierte er von 1908 bis 1910 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main Klavier und Komposition. Später kam noch das Fach Dirigieren dazu. Durch die Empfehlung seiner Dozenten wurde Tauber in der Zeit zwischen 1911 und 1912 in Freiburg im Breisgau Schüler von Carl Beines und ließ sich im Gesang ausbilden. Dort konnte er am 12. Mai 1912 als Solist des Gesangsvereins „Concordia“ öffentlich debütieren.

Fast ein Jahr darauf, am 2. März 1913, sang Tauber zum ersten Mal in einer Oper. Er debütierte am Stadttheater in Chemnitz als Tamino in Die Zauberflöte (Mozart). In diesem Jahr adoptierte ihn sein Vater; offiziell hieß er nun „Denemy-Tauber“, nannte sich aber nur „Tauber“. Ende 1913 bekam Tauber an der Oper in Dresden ein Engagement als Königlicher Hofopernsänger; er beendete diesen Vertrag erst 1918.

Während dieser Zeit sang Tauber den „Max“ in Der Freischütz (Carl Maria von Weber), den „Mathias“ in Der Evangelimann (Wilhelm Kienzl), den „Alfredo“ in La Traviata (Giuseppe Verdi) und viele mehr. Zwischen 1919 und 1920 wechselte Tauber von der Berliner Staatsoper an die Volksoper nach Wien und wieder zurück. 1921 trat er zum ersten Mal in einer Operette von Franz Lehár auf; er sang in der Zigeunerliebe in Salzburg. Diese vielen Gastspiele im Ausland führten zum Zerwürfnis in Dresden, so dass Tauber dort kündigte und nach Wien ging.

Zwischen 1922 und 1925 machte sich Tauber einen Namen als genialer Interpret von Mozart-Opern und sein Freund Franz Lehár schrieb ihm in vielen seiner Operetten die Tenorpartien auf den Leib. In dieser Zeit begannen Taubers regelmäßige Engagements bei den Salzburger Festspielen. 1926 heiratete Tauber die Hamburger Soubrette Carlotta Vanconti, die er seit zwei Jahren kannte. Nach zweijähriger Ehe trennten sich die Eheleute und wurden 1928 geschieden. Diese Scheidung sorgte für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass Vanconti mit 1 Mio. Mark abgefunden worden war; die Tagespresse nannte Vanconti „äußerlich eine Soubrette und innerlich ein Krokodil“.

Richard Tauber singt in einer Wohltätigkeitsmatinee für die Künstleraltershilfe im Berliner Zoo, Aufnahme von Georg Pahl vom August 1932
Richard Tauber 1932 vor dem Brandenburger Tor

Mit dem Lied „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette Das Land des Lächelns (Franz Lehár) wurde Tauber quasi über Nacht zum Weltstar. Das Erstaunliche dabei ist, dass er dafür kaum proben konnte, da er auf Grund eines Rheumaanfalls wochenlang auf Kur im Bad Piešťany weilte.

Obwohl durch die Scheidung finanziell angeschlagen, gründete Tauber die Richard-Tauber-Tonfilm-Gesellschaft und ging damit 1931 in Konkurs. 1930/31 bekam Tauber erste Engagements in London und New York.

1933 wurde Richard Tauber in Berlin vor dem Hotel Kempinski von einem SA-Trupp mit den Worten „Judenlümmel, raus aus Deutschland“ angegriffen und niedergeschlagen. Eigentlich wollte Tauber sofort emigrieren, blieb aber doch, um an seiner Operette Der singende Traum zu arbeiten. Das aus diesem Stück stammende Lied „Du bist die Welt für mich“ widmete er seinem Tenorkollegen und Freund Joseph Schmidt. Im darauffolgenden Jahr erlebte er in Wien die Uraufführung.

Zu dieser Zeit lebte er mit der Sängerin Mary Losseff zusammen. Seine Beziehung mit ihr begann bereits während er noch mit Carlotta Vanconti verheiratet war und endete tragisch durch die Alkoholkrankheit der Geliebten.

1935 machte Tauber bei Dreharbeiten zu Heart’s Desire die Bekanntschaft mit der britischen Schauspielerin Diana Napier und heiratete sie im darauf folgenden Jahr. Aber auch diese zweite Ehe war nicht von Dauer; bereits während des Krieges ging das Ehepaar getrennte Wege. 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich unternahm Tauber eine Welttournee und emigrierte nach Großbritannien.

Während des ganzen Zweiten Weltkriegs blieb Tauber in Großbritannien und trat unter anderem in vielen Städten zur Truppenbetreuung auf. 1940 wurde ihm die britische Staatsbürgerschaft verliehen. Verschiedentlich wirkte er als Dirigent beim London Philharmonic Orchestra. 1941 konnte Tauber mit seiner Operette Old Chelsea in London eine weitere Premiere feiern. Die offizielle Kritik verlieh ihm wegen seines Äußeren den Namen „Der Mann mit dem Monokel“.

Grabstelle Richard Taubers

1946 gab Tauber in Zürich ein Abschiedskonzert (ein Mitschnitt der Radiosendung ist erhalten) und widmete sich die nächsten zwei Jahre fast ausschließlich dem Komponieren und Dirigieren. In dieser Zeit lebte er schon mit Esther Moncrieff zusammen. Am 27. September 1947 gab Tauber seine Abschiedsvorstellung auf der Bühne. Er sang in London den „Ottavio“ in Don Giovanni (Mozart) mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper unter Leitung von Josef Krips. Eine bereits geplante große Australientournee Taubers wurde 1949 an seiner statt von Rudolf Schock bestritten.

Ende 1947 wurde Tauber im „Guy’s Hospital“ in London operiert und verstarb dort wenige Wochen später im Alter von 56 Jahren an den Folgen seines Lungenkrebsleidens. Seine letzte Ruhe fand Richard Tauber auf dem Londoner Friedhof Brompton. Ein Gedenkstein befindet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl.

Trotz seiner Berühmtheit und trotz horrender Einnahmen hinterließ Tauber Steuerschulden in Höhe von rund 750.000 Mark. Während der Trauerfeier in der Royal Albert Hall wurde dafür unter den 7.000 Anwesenden gesammelt.

Grüß mir mein Wien, Aufnahme von 1932. Richard Tauber war bei der damals sehr bekannten Plattenmarke Odeon unter Vertrag

Filme[Bearbeiten]

  • 1929: Ich küsse Ihre Hand, Madame
  • 1930: Ich glaub' nie mehr an eine Frau
  • 1930: Die große Attraktion
  • 1930: Das lockende Ziel
  • 1930: Das Land des Lächelns
  • 1931: Wie werde ich reich und glücklich
  • 1932: Melodie der Liebe
  • 1934: Dein ist mein Herz (Blossom Time)
  • 1935: Wien, Wien, nur du allein (Heart's Desire)
  • 1936: Das singende Land (Land Without Music)
  • 1936: Der Bajazzo (Pagliacci)
  • 1945: Hochzeitswalzer (Waltz Time)
  • 1946: The Lisbon Story

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred A. Fassbind: Joseph Schmidt. Ein Lied geht um die Welt. Spuren einer Legende. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1992, ISBN 3-7263-6664-4, S. 110 ff.
  • Michael Jürgs: Gern hab' ich die Frau'n geküßt. Die Richard-Tauber-Biographie. List, München 2000, ISBN 3-471-79429-8.
  • Otto Schneidereit: Richard Tauber, Ein Leben, eine Stimme. Verlag Parthas, Berlin 2000, ISBN 3-932529-25-1.
  • Christina Höfferer, Andreas Kloner: Dein ist mein ganzes Herz. Der Sänger Richard Tauber. ORF-Radiofeature 2011, 55 Min.
  • Evelyn Steinthaler: Morgen muß ich fort von hier. Richard Tauber. Die Emigration eines Weltstars. MILENA Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85286-208-8.
Lexikalische Einträge

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katharina Leuoth: Porträt eines Wagner-Verehrers. Auf: freiepresse.de am 29. Oktober 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Tauber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien