Der Krieg mit den Molchen

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Der Krieg mit den Molchen (Originaltitel: Válka s mloky) ist ein satirischer Science-Fiction-Roman des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek aus dem Jahr 1936. Der Roman gehört zur UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Čapeks Molche sind fiktive Nachfahren des ausgestorbenen Riesensalamanders Andrias scheuchzeri

Zufällig findet die Besatzung eines Kolonialschiffs vor Sumatra eine Gattung bislang unbekannter Molche, die im seichten Wasser vor der Küste leben. Diese scheinen intelligent zu sein und der Kapitän beginnt mit den Molchen einen Tauschhandel, indem er ihnen einfache Werkzeuge als Gegenwert für Perlen gibt. Zusammen mit einem Jugendfreund zieht er ein großes Handelsunternehmen auf, im Zuge dessen siedeln die Molche mit Hilfe des Kapitäns an weiteren Inseln, da sie nicht allein tiefere Gewässer durchqueren können.

Die Molche vermehren sich stark und sind bald global verbreitet. Obwohl sie nach dem Tod des Kapitäns lediglich als billige Arbeitstiere ausgebeutet werden, stellt sich die Frage nach ihrem gesellschaftlichen Status, da ihnen ebenso ein Recht auf Bildung und Entfaltung zugesprochen werden kann wie den Menschen. Durch ein Leben in Gefangenschaft erlernen die Molche die Sprache ihrer Umgebung, so dass sich nationale Differenzen zwischen ihnen ergeben.

Im Zuge ihrer Zivilisierung erkennen die Molche das Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihrer Art und der Art der Menschen, mit denen sie durch wirtschaftliche und politische Kooperation verbunden sind. Beide ‚Völker‘ sind nunmehr gezwungen, in einer Symbiose zu leben. Als die Molche sich gezwungen sehen, immer weitere Gebiete des Festlandes abzutragen, um neuen Lebensraum durch Erweiterung der Küsten für sich zu schaffen, kommt es zum Krieg zwischen den Menschen und den Molchen.

Interpretation[Bearbeiten]

Čapeks Roman von 1936 bildet in einer Parabel den Zustand der Staatengemeinschaft am Vorabend des Zweiten Weltkriegs ab. Die Molche sind vordergründig die Widersacher der Menschen, sie verhalten sich jedoch genauso, wie es die Menschen seit jeher tun. Aufgrund der wirtschaftlichen Vernetzung zwischen beiden Lebensformen schließt sich eine direkte Konfrontation aus. Die Kritik des Autors zielt vor allem auf die vermeintlichen Sachzwänge einer Nation, sich dem Lauf der Dinge unterwerfen zu müssen. Erst indem sie ein Bewusstsein über sich selbst erlangen, ermöglicht es den Molchen ihre Existenz als Machtfaktor wahrzunehmen, womit sie für die Menschen, die sie zuerst als Arbeitsmaterial ausgenutzt haben, zur Bedrohung werden.

Dabei sind es die Menschen selbst, die den Molchen durch Erziehung sowie ihre Rolle als Abnehmer von Waren ein Modell ihrer Gesellschaft geliefert haben, das sie korrumpiert und letztendlich zu berechnenden Geschäftsmännern werden lässt. Gemäß dem Diktum Rousseaus sind die Molche von Natur aus friedfertig und kennen keine Heimtücke. Allein die Nähe zur menschlichen Gesellschaft befördert sie auf eine Stufe der Evolution – zudem vermehren sie sich exponentiell – die auch die Molche zwingt, in den Kampf ums Dasein einzutreten. Čapeks schwarze, aber dabei sehr unterhaltsam geschriebene Satire warnt vor der Hybris der Menschheit, alles zum Zweck der eigenen Bereicherung wahrzunehmen, denn die ehemaligen Diener kehren die Verhältnisse um und schwingen sich zu Herren auf.

Gleichzeitig kann man diesen wie auch den früher erschienenen Roman Das Absolutum oder die Gottesfabrik als Utopie darauf lesen, wie die Menschheit an ihrem eigenen Untergang arbeitet, obwohl sie stets die besten Absichten hat.

„Das Theme ist dem von Frankenstein nicht unähnlich: ein Streben nach Wissen, wie bewundernswert es an sich sein mag, ist destruktiv, wenn es mit Gleichgüligkeit gegenüber den Folgen dieses Wissens einhergeht. Die Molche sind nicht nur die Nazis, sondern die dunkle Seite unseres eigenen Wesens.“

Brian W. Aldiss: Der Milliarden-Jahre-Traum. Die Geschichte der Science Fiction, Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 1987, S. 225

Es gibt noch eine weitere Interpretationsmöglichkeit, diese wird deutlich im letzten Kapitel "Der Autor spricht mit sich selbst": als Warnung vor dem sich weltweit ausbreitetenden Faschismus. Es entwickeln sich zwei "Molchreiche", in Europa unter dem "Chief Salamander", in Asien unter dem "King Salamander". Dieser ist eine deutliche, wenngleich dessen Macht überzeichnende Allegorie auf Tenno Hirohito, jener auf Hitler ("Der Chief Salamander ist ein Mensch. Er heißt eigentlich Andreas Schulze und ist während des Krieges ..." gemeint ist der Erste Weltkrieg "... irgendwo Feldwebel gewesen."). Letztlich gewinnen die Menschen den Krieg mit den Molchen nicht, sondern überleben ihn nur: die Molche meucheln sich gegenseitig, als ihre Eroberungspläne (wegen Afrika) aufeinanderprallen.

Im Protektorat Böhmen und Mähren gab der Roman den deutschen Behörden Anlaß, Čapeks Werk zu ächten, weil er die nordische Rasse verunglimpft habe.[2] Der Roman beeinflußte den Philosophen Vilém Flusser, der sich in seinen Werken mehrfach – vor allem in Vampyroteuthis infernalis – auf ihn bezieht.[3]

Ausgaben[Bearbeiten]

Übersetzungen ins Deutsche:

  • Der Krieg mit den Molchen. Aus dem Tschechischen von Julius Mader. Passer, Wien 1937.
Diese Übersetzung wurde 1954 vom Aufbau-Verlag in Berlin übernommen. In Westdeutschland erschien erst 1964 bei Blüchert in Hamburg eine Übersetzung durch Eliška Glaserová. Deren Übersetzung wurde nach dem tschechischen Original durch Mirek Ort gründlich überarbeitet und z.T. neu übersetzt, erschienen 1985 bei Heyne in München.

Literatur[Bearbeiten]

  • Válka s mloky. In: Kindlers Literatur Lexikon, Band 22 Tral-Vim. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1974, S. 9809–9810.
  • Antonín Brousek: Karel Čapek und die tschechische wissenschaftliche Phantastik. Nachwort zur Ausgabe Heyne 06/46, München 1985, ISBN 3-453-31155-8, S. 281–299.
  • Andreas Ohme: Karel Čapeks Roman „Der Krieg mit den Molchen“. Verfahren, Intention, Rezeption. (= Slavische Literaturen. 27). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2002, ISBN 3-631-37477-1.
  • Darko Suvin: Karel Čapek oder die Fremdlinge in unserer Mitte. In: ders.: Poetik der Science Fiction (= suhrkamp taschenbuch 539). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-37039-1, S. 305–319.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag auf der UNESCO-Liste
  2. Vgl. Tim Fauth: Deutsche Kulturpolitik im Protektorat Böhmen und Mähren 1939 bis 1941, V und R Unipress, Göttingen 2004, ISBN 3-89971-181-5, S. 43
  3. Vgl. Gustavo Bernando Krause: Brasilianische Philosophie? Philosophieren "in situ", in: Das dritte Ufer. Vilém Flusser und Brasilien. Kontexte - Migration - Übersetzungen, herausgegeben von Susanne Klengel und Holger Siever, Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, ISBN 978-3-8260-3687-3, S. 39–50
  4. Bettina Kaibach: Aufstand der Sklaven. Karel Capeks "Der Krieg mit den Molchen": Ein Klassiker nimmt die Klimakatastrophe vorweg. In: Der Tagesspiegel vom 1. Februar 2009. Abgerufen am 15. Juli 2013.