Der Rabe (1943)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Rabe
Originaltitel Le Corbeau
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1943
Länge 92 Minuten
Stab
Regie Henri-Georges Clouzot
Drehbuch Henri Chavance,
Henri-Georges Clouzot
Produktion René Montis,
Raoul Ploquin
Musik Tony Aubin
Kamera Nicolas Hayer
Schnitt Marguerite Beaugé
Besetzung

Der Rabe (Originaltitel „Le Corbeau“) ist der Titel eines französischen Kriminalfilms von Henri-Georges Clouzot, der 1943 in der Zeit der deutschen Besatzung entstand. Er war wegen seines Inhalts (Denunziation) und seiner Produktionsbedingungen anfangs extrem umstritten. Heute gilt er als nicht nur einer der ersten Film Noir des französischen Kinos, sondern auch als ein cineastisches Dokument der Atmosphäre unter der Besatzung und als frühes Meisterwerk des Regisseurs.

Handlung[Bearbeiten]

Das Leben in einer kleinen französische Provinzstadt wird durch eine Welle anonymer Briefe erschüttert, alle vom „Raben“ unterzeichnet. Erstes Ziel der Angriffe ist ein zugereister Arzt (Pierre Fresnay), dem illegale Schwangerschaftsabbrüche und ehebrecherische Beziehungen vorgeworfen werden. Doch bald sind auch andere prominente Mitglieder der Gemeinschaft Ziel der Angriffe, und der kleine Ort verfällt in Hysterie, als sich ein Kranker im Hospital nach Erhalt eines anonymen Briefes das Leben nimmt. Polizei, Justiz und städtische Notabeln versagen angesichts dieser Situation. Die Opfer bleiben allein. Angst, Gerüchte und Lynchlaune grassieren. Der attackierte Arzt muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Am Ende wird der Täter überführt und durch eines seiner Opfer gerichtet.

Politische Auswirkungen und Rezeption[Bearbeiten]

„Der Rabe“ war anfangs extrem umstritten, weil er die französische Gesellschaft in einem düsteren und wenig erfreulichen Licht zeichnete. Die deutschen Besatzer missbrauchten den Film zu antifranzösischer Propaganda, aber bezeichnenderweise kam das Werk nie in den deutschen Verleih. Nach der Befreiung war der Regisseur deshalb heftigen Angriffen ausgesetzt. Er wurde mit einem lebenslangen Arbeitsverbot belegt und Hauptdarsteller Fresnay kam für sechs Wochen in Haft. 1947 wurde der Bann gegen Clouzot aufgehoben, und als „der Rabe“ erneut in den französischen Kinos lief, war er ein großer Erfolg.

Clouzot war vom expressionistischen deutschen Kino der Zwanziger beeinflusst, aber erst lange nach Erscheinen des Films begriffen die französischen Filmkritiker, dass Clouzots „Rabe“ in Duktus, Story, Bildsprache, Einstellungen und Ausleuchtung alle klassischen Genre-Merkmale eines Film Noir erfüllt. Aus heutiger Sicht weist er bereits auf spätere Meisterwerke des Regisseurs wie „Lohn der Angst“ und „Die Teuflischen/Les Diaboliques“ hin.

Kritik[Bearbeiten]

Kay Wenigers Das große Personenlexikon des Films schrieb in der Biografie über Regisseur Clouzot:

„Zu früher Hochform lief Clouzot schon mit seinem zweiten, ebenfalls von der 'Continental' produzierten Stück auf: „Der Rabe“ schildert in einer morbiden, von Mißtrauen genährten Kleinstadtwelt, wie anonyme Briefe voller Unterstellungen gegenseitiges Mißtrauen nähren und bald die Atmosphäre total vergiften. „Der Rabe“ wurde das wohl beste Zeitporträt der Vichy-Ära, ein überaus stimmiges Spiegelbild einer von Denunziation und Spitzeltum bestimmten französischen Gesellschaft – was zur Folge hatte, daß der Film nach der Befreiung 1944, als jedes Kratzen an der Schimäre einer einig Nation von Widerständlern unerwünscht war und „Der Rabe“ einen Angriff auf diese Lebenslüge zu bedeuten schien, verboten wurde.“

Das große Personenlexikon des Films, Band 2. Berlin 2001, S. 104

Weblinks[Bearbeiten]