Der eherne Reiter

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Dieser Artikel beschreibt das Reiterstandbild Peters des Großen in Sankt Petersburg; das gleichnamige Poem wird unter Der eherne Reiter (Gedicht) behandelt.
Detailaufnahme mit Inschrift

Der eherne Reiter[Bearbeiten]

Der eherne Reiter (russisch Медный всадник / Medny wsadnik; wörtlich Der kupferne Reiter) bezeichnet das 1782 errichtete bronzene Reiterstandbild des Zaren Peter der Große auf dem Sankt Petersburger Senatsplatz.

Die Reiterstatue ist eines der weltbekannten Wahrzeichen von Sankt Petersburg. Zar Peter I. sitzt „hoch zu Ross“ auf einem sich aufbäumenden Pferd. Unter den Hufen des Pferdes wird eine Schlange zertreten – die Szene soll Peters Sieg über die Schweden symbolisieren.

Die Zarin Katharina die Große ließ das Denkmal von dem berühmten französischen Bildhauer Étienne-Maurice Falconet errichten und wollte damit ebenso Peter wie sich selbst Unsterblichkeit verleihen – es trägt die Beschriftung in Latein („Petro Primo / Catharina Secunda / MDCCLXXXII“) auf der linken und in Russisch („Петру Первому / Екатерина Вторая / Лѣта 1782“; deutsch: „Peter dem Ersten / Katharina die Zweite / 1782“) auf der rechten Seite.

Seit 1934 bis heute ist es zudem das Erkennungszeichen von Lenfilm (russ. Ленфильм), einem der größten Filmstudios Europas mit Sitz in Sankt Petersburg, das von 1924 bis 1991 Leningrad hieß.

Peter und Puschkin[Bearbeiten]

Standbild mit Hochzeitsgesellschaft auf dem Petersburger Senatsplatz. Im Hintergrund das alte Senatsgebäude

Wegen des 1833 erschienenen Gedichts „Der eherne Reiter“ (im russischen Original Medny wsadnik, „Kupferner Reiter“) von Puschkin, das von diesem gewissermaßen ewig gleichen Reiter und dem Kampf eines kleinen Mannes handelt, bekam die Figur ihren charakteristischen Beinamen. Dabei besteht der „eherne“ Reiter weder aus Eisen noch aus Kupfer, sondern aus Bronze. Das Puschkin-Gedicht gehört heute zum Literaturunterricht an russischen Schulen; es ist daher allen Russen geläufig. Das Denkmal spielt bis heute eine bedeutende Rolle im Stadtbild – fast ständig liegen frische Blumen zu seinen Füßen, frisch verheiratete Paare kommen hierher, um zu feiern und sich vor ihm fotografieren zu lassen.

Vorbilder der Reiterstatue[Bearbeiten]

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Die Reiterstatue erinnert in wesentlichen Zügen stark an die Reiterdarstellungen Alexanders des Großen auf seinem Pferd Bukephalos. Es heisst, Peter der Große hätte ein Lieblingspferd namens Liseta gehabt. Des Weiteren hat der Reiter keine Steigbügel, und ein Schwert hängt am Gurt seiner rechten Seite. Die Russische Armee verwendete jedoch zu dieser Zeit Säbel und kannte auch Steigbügel; sie orientierte sich eher an Preußen.

Die Reiterstatue erinnert auch an den Heiligen Georg als Drachentöter, der üblicherweise die Münzen des Russischen Zarenreiches schmückte. Bezeichnenderweise hält sie eine Hand vorgestreckt, wie es Caesar-Statuen gewöhnlich zeigen, wodurch man leicht einen Speer hinein legen könnte, der genau auf den Kopf der darunter sich windenden Schlange zielen würde. Es wird vermutet, dass dies auch bezweckt war.

Technische Herausforderungen[Bearbeiten]

Der Transport des Felsens auf einer zeitgenössischen Darstellung

Eine technische Meisterleistung war der Transport des Fundaments. Der Donnerstein (russisch grom-kamen) genannte Monolith wiegt etwa 1250 Tonnen und wurde in einem Stück aus der Umgebung des etwa 22 km entfernten Lachta (finnisch Lahti) herantransportiert. Der Findling war während der Eiszeit nahe der Küste im Wald liegen geblieben. Seit die Baugrube voll Wasser lief, existiert an der Fundstelle ein kleiner See (Petersee). Später errichtete man davor eine russisch-orthodoxe Kirche.

Die Aufgabe, einen so schweren Stein zu bewegen, stellte 1780 eine Meisterleistung des Ingenieur Marinos Charvouris dar. Er galt als schwerste bis zu dem Zeitpunkt in einem Stück gewegte Masse. Der ursprüngliche Findling wog fast 2000 Tonnen und wurde mit Holzkohlefeuern etwas geglättet. Charvouris ließ den Findling ausgraben, ersann eine Art Wagenkasten und ließ diesen mit Seilwinden und Muskelkraft über Baumstämme ziehen. Angesichts des sumpfigen Bodens in dem Gebiet war das gelingen des Vorhabens nicht sicher. Entgegen aller Befürchtungen kamen keine Menschen zu Schaden. Auf zeitgenössischen Gemälden ist der Transportvorgang dargestellt.

Zudem gibt es umfangreiche Beschreibungen in der russischen Literatur, die zur Legendenbildung und Verehrung des Denkmals beitrugen. So soll ein Blitz in den Stein eingeschlagen sein, was zur Veränderung der Farbe an dessen Vorderseite geführt haben soll. Tatsächlich hat man wohl zwei weitere Findlinge angefügt, um die Form einer Welle nachzustellen, wodurch der Eindruck eines Risses entsteht. Die steinerne Welle mit dem Reiter symbolisiert die Eroberung des Meeres.

Im Jahre 2002 ließ die Stadtverwaltung das Denkmal restaurieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der bronzene Reiter (Sankt Petersburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

59.93655555555630.302169444444Koordinaten: 59° 56′ 11,6″ N, 30° 18′ 7,81″ O