Findling

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Findling (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mit 15.000 t Gewicht, 41 m Länge, 18 m Breite und 9 m Höhe einer der weltweit größten bekannten Findlinge: der Big Rock oder auch Okotoks Erratic in Kanada

Ein Findling, auch erratischer Block oder Erratiker genannt, ist ein heute meist einzeln liegender sehr großer Stein, der etwa während der Eiszeiten durch Gletscher transportiert und in seine heutige Lage abgelegt wurde. Auch heutige Gletscher transportieren solche Findlinge und lassen sie z.B. bei ihrem Rückzug zurück.

Die Grenze zwischen Findlingen und den kleineren Geschieben zieht man bei einem Volumen von einem Kubikmeter.

Verbreitung[Bearbeiten]

Yeager Rock im Douglas County, US-Bundesstaat Washington
Schwanenstein, fünftgrößter Findling vor der Ostseeinsel Rügen
Beilstein im Oberdreiser Wald
Findling am Monte Cimino, Italien
Der Düvelstein oder Teufelsstein bei Großkönigsförde (Gemeinde Lindau), der größte Findling in Schleswig-Holstein

Findlinge sind weltweit ein typisches geologisches und geomorphologisches Erkennungsmerkmal für Landschaften, die unmittelbar von Gletschern geformt worden sind bzw. werden. In Europa sind dies insbesondere das skandinavische (einschl. nördliches Mittel- und Westeuropa) und das Vereisungsgebiet rund um die Alpen.

Entstehung der Findlinge[Bearbeiten]

Ein Gletscher als fester Körper sortiert das Material (Moräne), welches er befördert, nicht. Das gilt für die Aufnahme des Gesteins (durch Abtragung oder Sturz auf den Gletscher), den Transport und die Ablagerung (Sedimentation). Die Abtragung großer Gesteinsbruchstücke geschieht entweder durch die Aufnahme bereits gelockerter Steine, wenn der Gletscher sie überfährt, oder aber durch das Anfrieren und Herausbrechen von Blöcken am Gletschergrund. Letzteres geschieht vor allem an Leehängen von Rundhöckern. Wenn Berge aus den Gletschern ragen, wie etwa in den Alpen, kann auch Gestein von oben auf die Gletscher stürzen; derartige Findlinge zeigen i.A. schärfere, unabgerundetere Bruchkanten. Als festem Körper ist es dem Gletscher ohne weiteres möglich, Material von der minimalen Korngröße der Tonminerale bis hin zu Brocken von über zehntausend Tonnen Masse zu bewegen.

Ablagerungen, die direkt vom Eis abgesetzt werden, sind unsortiert und meist auch ungeschichtet. Im deutschsprachigen Raum hat sich dafür die Bezeichnung Geschiebemergel durchgesetzt. Der Geschiebemergel enthält zwar deutlich mehr Feinmaterial (Ton, Schluff, Sand und Kies), dennoch kommen immer wieder größere und große Steine vor. Von einem Findling spricht man aber erst dann, wenn er an der Erdoberfläche offen zu Tage tritt.

Findlinge finden sich im skandinavischen Vereisungsgebiet meist innerhalb von Grundmoränenlandschaften, die zum Formenschatz der Glazialen Serie gehören. Sie können aber auch in anderen Elementen der Glazialen Serie auftreten, zum Beispiel als Erosionsrest in Schmelzwassersanden.

Bei großen Findlingen handelt es sich im nördlichen Mitteleuropa meist um magmatische Gesteine, wie Granit, oder um metamorphe Gesteine. Sedimentgesteine sind auf Grund ihrer Widerständigkeit deutlich seltener. Im Alpenbereich finden sich entsprechend dem Gesteinsvorkommen stärker Sedimentgesteine auf Kalkbasis, etwa der Dengelstein, aber auch sehr große granitische Findlinge, wie der Pierre des Marmettes.

Findlinge als Problem der Wissenschaft[Bearbeiten]

Im wissenschaftlichen Weltbild des 18. Jahrhunderts, das die Erdgeschichte seit der Schöpfung als weitgehend statisch betrachtete, waren Gesteinsblöcke, die in Gebieten zu finden waren, aus denen sie geologisch offensichtlich nicht stammen konnten, ein Problem. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts beschäftigten sich Geologen intensiv mit der Frage, durch welche Kräfte die Findlinge über so weite Strecken transportiert werden konnten, zum Beispiel von Skandinavien in die Norddeutsche Tiefebene und aus den Alpen ins Alpenvorland. Sagenhafte Erklärungen, wie Riesen, die die Steine durch die Luft geschleudert hätten, wurden im Zeitalter der Aufklärung nicht mehr akzeptiert. Stattdessen wurden vulkanische Vorgänge in Betracht gezogen, die Toteislöcher wurden als Krater gedeutet. 1787 hatte zwar schon der Schweizer Politiker und Heimatkundler Bernhard Friedrich Kuhn als Ursache Gletschertätigkeiten vermutet, auch der schottische Geologe James Hutton hatte sich dahingehend geäußert, aber die Vorstellung von einer Vergletscherung weiter Teile Europas widersprach dem damaligen Weltbild. Daher wurde der Begriff Erratischer Block geprägt, da der Steinblock anscheinend umhergeirrt (lat. errare = umherirren, umherstreifen) war.

Der Begriff Eiszeit war noch nicht geprägt. Eher konnte man sich vorstellen, dass die riesigen Gesteinsbrocken bei der Sintflut oder anderen Überschwemmungskatastrophen auf Eisschollen aus dem Norden an ihre heutigen Fundorte in Norddeutschland getragen worden seien. Die Findlinge im Alpenvorland könnten ebenfalls durch große Wassermassen von den Alpengipfeln bis weit ins Vorland gelangt sein, so vermutete man. Goethe, der in dieser Zeit selbst als Geologe tätig war, beschrieb in seinem Drama Faust II die Probleme mit den Findlingen in Spottversen.

Die These, dass einstmals die Gletscher weite Teile der Alpen sowie Teile im Norden Europas überzogen hätten, wurde 1822 von Ignaz Venetz aufgestellt. Gehör fand er lediglich bei Jean de Charpentier, dem Salinendirektor in Bex (Kanton Waadt) im schweizerischen Tal der Rhône.

Ab dem Jahr 1835 reiste der deutsche Naturforscher, Geologe und Botaniker Karl Friedrich Schimper mit Vorträgen über das Problem der Findlinge und seine Vorstellungen über einen „Weltwinter“ durch Deutschland und die Schweiz und prägte den Begriff Eiszeit. Zusammen mit Charpentier und dem Schweizer Naturforscher Louis Agassiz wurde die Theorie weiterentwickelt und durch Forschungen an rezenten Gletscherlandschaften erhärtet. Das Problem des Transports der Findlinge durch das Eis der langsam fließenden Gletscher konnte als gelöst betrachtet werden. Es dauerte jedoch noch bis in die 1870er, bis sich die Theorie der Eiszeiten durchsetzte. Der Beitrag Schimpers, der keine Bücher schrieb, sondern nur mündliche Berichte oder kurze Schreiben abgegeben hatte, geriet dabei fast in Vergessenheit.

Kulturhistorie[Bearbeiten]

In der Jungsteinzeit wurden Findlinge in Nord- Mittel- und Westeuropa zum Bau von Hünengräbern verwendet. Die mitteleuropäische Variante der paneuropäischen Megalithanlagen ist primär im norddeutschen Raum (Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt) aber auch in Hessen (Wartberg-Kultur), in den Niederlanden, in Polen und in Südskandinavien zu finden. Die unverbaut liegengelassenen, mitunter riesigen Steinblöcke tragen (teils seltsame) Eigennamen, die meistens mit Sagen und Legenden verbunden sind. Aus unbehauenen (Ulanendenkmal) und behauenen Findlingen (Lindhoopdenkmal in Kirchlinteln) wurden neben Gebäuden auch Denkmäler gebaut. Bearbeitete Findlinge wurden als Amboßstein, Dengelstein, Wiesen- oder Straßenwalze verwendet. Eine Walze von 1,2 m Durchmesser und einem Meter Breite und drei Tonnen Gewicht liegt auf dem Hof Möhr in Schneverdingen. Findlinge werden/wurden auch als Grabsteine (z. B. Hermann Löns-Grab) gebraucht. Kleine Rollsteine (von Geröll) wurden im ländlichen Brunnenbau oder gespalten für Fundamente oder Wasserführungen eingesetzt.

Heinrich Himmler ließ 1934/36 bei Verden 4.500 Findlinge zusammentragen für eine Gedenkstätte an die beim Blutgericht von Verden von Karl dem Großen umgebrachten Sachsen, den sogenannten Sachsenhain. Dabei müssen wertvolle Grabanlagen zerstört worden sein.

Bekannte Findlinge ab 100 Tonnen Masse[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Findling Alter Schwede (217 t) an der Elbe bei Övelgönne
Der Giebichenstein bei Stöckse
Der Siebenschneiderstein auf Rügen
„Blauer Stein“ in Krahne
  • Der Erratische Block in der Allgäuer Marktgemeinde Weiler-Simmerberg war einer der größten Findlinge Europas, wurde aber bis ins 19. Jahrhundert hinein als Steinbruch und Materialquelle zum Kalkbrennen genutzt. Heute umfasst er noch etwa die Hälfte seines ursprünglich 4000 m³ großen Volumens
  • Der Dengelstein im Kempter Wald (Allgäu) gilt mit ca. 3.000 m³ Volumen und 7.900 t Gewicht als einer der größten Findlinge im Iller-Vorlandgletschergebiet. In seiner Umgebung liegen mit dem Stein, dem Beilstein und dem Baltenstein weitere noch größere Findlinge, die größten Findlinge in Deutschland.[1]
  • Etwa 300 m vor der Küste von Rügen bei Göhren liegt der größte Findling Norddeutschlands, der Buskam. Sein Volumen beträgt 600 m³, was einer Masse von 1.600 t entspricht.
  • Die Markgrafensteine in den Rauenschen Bergen bei Bad Saarow, Brandenburg. Der Große Markgrafenstein war ursprünglich der mit geschätzten 700 bis 750 Tonnen größte landliegende Findling in Norddeutschland (heute zerteilt, u.a. für die größte Granitschale der Welt im Lustgarten in Berlin). Seine Größe war 7,8 m lang × 7,5 m breit × 7,5 m hoch mit rund 250 m³. Der Kleine Markgrafenstein ist jetzt der größte Findling Brandenburgs. Beide Steine bestehen aus Karlshamn-Granit, der ursprünglich aus Südschweden stammt.
  • Der Große Stein bei Altentreptow, Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Klosterberg; Länge 8,2 m, Breite 6 m, Höhe 5,2 m, Volumen 133 m³, Gewicht 360 t (Granit)
  • Der Große Stein von Tonnenheide (Nordrhein-Westfalen) ist 10 Meter lang, 7 Meter breit, 3 Meter hoch und hat ein Gewicht von ca. 350 Tonnen. Er kann als größter freiliegender, genau vermessener, landliegender Findling Norddeutschlands gelten.
  • Giebichenstein (330 t) bei Stöckse, Niedersachsen
  • Der Große Stein bei Nardevitz (281 t) auf Rügen (einst dreimal so groß; aus ihm wurden Mitte des 19. Jahrhunderts die sogenannten Preußensäulen und Bauteile für den Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard bei Bergen auf Rügen geschlagen)
  • Der Kobbelner Stein (256 t) bei Kobbeln in der Gemeinde Neuzelle, Brandenburg
  • Der Findling Alter Schwede bei Övelgönne, Hamburg; er hat einen Umfang von 19,7 m bei einer Höhe von 4,5 m (217 t). Er wurde 1999 bei Baggerarbeiten in der Elbe gefunden und am Elbufer aufgestellt.
  • Die Johannissteine bei Lage (Lippe); Der größte Findling ist 6,2 m lang, 5,5 m breit und wiegt ca. 200 Tonnen.
  • Der Düvelstein von Großkönigsförde (Gemeinde Lindau), Schleswig-Holstein (ca. 200 t)
  • Siebenschneiderstein (165 t) am Gellort auf Rügen, Mecklenburg-Vorpommern
  • Der Schwanenstein (162 t) von Lohme (Rügen). Er gilt als einer der schönsten Findlinge.
  • Der Wandhoff-Findling (126 t) liegt im „Findlingsgarten“ von Kreuzfeld bei Malente-Gremsmühlen.
  • Klein Helgoland (Uskam) (110 t) an der nördlichen Strandpromenade von Sassnitz (Rügen)
  • Großer Stein in Ventschau (100 t), Landkreis Lüneburg wurde vor etwa 150.000 Jahren während der Saale-Eiszeit dorthin verbracht.

Dänemark[Bearbeiten]

Findling am Hafen von Fåborg
  • Der Dammestenen oder Hesselagerstenen auf Fünen, der größte Findling Dänemarks; 370 m³ und 1.000 t
  • Høvængestenen, Lolland
  • Barsten (oder Dybbølstenen), Dybbøl, 130 t
  • Mørupstenen, Snejbjerg
  • Tirslundstenen, Brørup
  • Hvissingesten wurde 1966 auf Seeland gefunden, 250 t
  • Orestenen im Tybjerg Skov
  • Sjælland (Seeland) und Skåne (Schonen) wurden zwei Findlinge genannt, die beim Bau der Verbindung zwischen Dänemark und Schweden aus dem Meer geholt und am Strand der künstlichen Insel Peberholm aufgestellt wurden. Sie wiegen 105 t bzw. 75 t.

Schweiz[Bearbeiten]

  • Der rund 1.000 m³ große Pflugstein in Herrliberg, Kanton Zürich
  • Die 1.200 m³ messende Grossi Flue in Steinhof, Kanton Solothurn
  • Der 175 m³ Agassiz-Stein (ursprünglich Erratiker) zum Mont Vully im Kanton Freiburg verlagert
  • Der Erdmannlistein zwischen Wohlen und Bremgarten
  • Die beiden Pierre du Niton im Genfer Hafenbecken. Der größere von ihnen ist als Repère Pierre du Niton seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Referenzpunkt der Schweizer Landvermessung.
  • Der ca. 1600 m³ große Pierre des Marmettes bei Monthey, Kanton Wallis
  • Der grösste Findling der Schweiz ist der Luegibodenblock bei Habkern, Kanton Bern

Sonstige[Bearbeiten]

Transport von zukünftigen Findlingen auf einem Gletscher; Athabasca Glacier, Jasper National Park, Alberta, Canada
  • Der Big Rock in der kanadischen Provinz Alberta nahe der Stadt Okotoks gilt mit 15.000 Tonnen Gewicht, 41 Meter Länge, 18 Meter Breite und neun Meter Höhe als einer der größten bekannten Findlinge der Welt.
  • Der Puntukas in Litauen wiegt 265 t und ist der zweitgrößte im Land. Auf ihm befinden sich die Basreliefs zweier berühmter Piloten, S. Darius und S. Girenas, die 1933 den Atlantik in ihrem Flugzeug „Lituanica“ überquerten, kurz vor dem Ziel aber tödlich verunglückten.
  • Der Findling am Monte Cimino bei Soriano nel Cimino, Provinz Viterbo Italien, ist vulkanischen Ursprungs. Dieser Stein wurde bereits von Plinius beschrieben, denn der mehrere Tonnen wiegende Findling lässt sich bewegen, das heißt, er hält sich mit der Auflagefläche in der Waage.
  • Der Runkesten bei Vimmerby in Schweden ist ein etwa vier Meter breiter, zehn Meter langer und fünf Meter hoher Findling. Er gilt als einer der weltweit größten Wackelsteine, der sich allein durch menschliche Kraft fünf bis zehn Zentimeter hin- und herschaukeln lässt.[2][3]
  • Der Große Stein in Klein-Tychow, Polen. Er war vormals der größte Findling Norddeutschlands und wird heute als der größte Felsblock Polens und der drittgrößte Europas gerühmt: ein Felsblock von 3,74 Metern Höhe, 16,90 Metern Länge und 11,25 Metern Breite, bei einem Umfang von etwa 44 Metern und einem geschätzten Rauminhalt von 700 Kubikmetern.
  • Der Ehalkivi genannte Findling in Estland mit 930 m³ Rauminhalt und 49,6 m Umfang.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hesemann, J.: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, Geolog. Landesamt Nordrhein-Westfalen, Krefeld 1975.
  • Smed, P.; Ehlers, J.: Steine aus dem Norden. Geschiebe als Zeugen der Eiszeit in Norddeutschland, Borntraeger, Stuttgart 2002, 194 S., ISBN 3-4430104-6-6.
  • E. Bengen, U. Brohm, H. W. Löbert et al.: Steinreiche Heide: Verwendung und Bearbeitung von Findlingen 1998, ISBN 3-933943-00-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. * M. Müller, H. Scholz: Neues zum Findling-Streufeld des Kempter Waldes im Allgäu. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben., Bd. 115, Augsburg 2011, S. 95–127
  2. The Megalithic Portal
  3. Vimmerby turistbyra
  4. ClimbEstonia / Ehalkivi

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Findling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Findling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen