Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn)

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Die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) wurde am 14. November 1903 im böhmischen Aussig in Österreich-Ungarn von Ferdinand Burschofsky und Wilhelm Prediger gegründet.[1] In ihrem ursprünglichen Selbstverständnis war sie von Karl Hermann Wolf, einem früheren Anhänger Georg von Schönerers, und Ferdinand Burschofsky als Vertretung der deutschsprachigen Bewohner der Monarchie, insbesondere jedoch von nationalistisch gesinnten Arbeitnehmern, geschaffen worden. Das Parteiprogramm war stark von den Ideen der Alldeutschen Bewegung beeinflusst. In erster Linie war die Partei deutsch-nationalistisch orientiert, dabei antiklerikal, antifeudal, antiliberal, antimarxistisch und zunehmend antisemitisch und rassistisch, insbesondere antislawisch. Angestrebt wurde, neben der Wahrung der Interessen der Deutschösterreicher, insbesondere in Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, auch eine gesellschaftliche Verbesserung der Situation der Arbeiterschaft und deren Befreiung von wirtschaftlicher, politischer und kultureller Unterdrückung.[2]

Die Deutsche Arbeiterpartei befand sich von Anfang an im Gegensatz zur tschechischen Nationalbewegung, die wie andere Gruppen in der k.u.k.-Monarchie mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von der Regierung in Wien verlangten. Die Vertreter der Partei sahen ihre Aufgaben so zunehmend in einem kämpferischen und intoleranten „Volkstumskampf“.[3] Bei den Wahlen zum Reichsrat im Jahr 1911 erreichte die Deutsche Arbeiterpartei drei Mandate. Bereits 1906 war ihr der Einzug in den mährischen Landtag gelungen.

1904 fand der erste Reichsparteitag der DAP in Trautenau statt. Erster Vorsitzender der Partei wurde Wilhelm Prediger. Seine Nachfolger waren Otto Kroy und Ferdinand Ertl. Nach dem freiwilligen Rücktritt von Ertl wurde 1912 Hans Knirsch zum Reichsvorsitzenden der Partei gewählt. 1918 wurde Walter Riehl, der seit 1909 Parteimitglied war und nach dem Ersten Weltkrieg der Führer mehrerer nationalsozialistischer Gruppen in Österreich werden sollte und als Rechtsanwalt im Schattendorfer Prozess die Täter aus den Kreisen der Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs verteidigte, Obmannstellvertreter und Geschäftsführer der DAP.

Auf dem Iglauer Reichsparteitag von 1913 wurde von den Delegierten ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet, welches das Profil der DAP als einer eigenständigen politischen Kraft gegenüber den bürgerlichen Deutschnationalen festigen sollte. Maßgeblicher Autor des Programmes war Rudolf Jung.

Am 4. und 5. Mai 1918, wenige Monate vor dem Ende des Krieges, fand in Wien der letzte Reichsparteitag statt, in dessen Verlauf der Name der Partei in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) geändert wurde. Die Umbenennung, der Zusatz „sozialistisch“, sollte die Abgrenzung zur bürgerlichen Deutschnationalen Bewegung (Großdeutsche Vereinigung, ab 1920: Großdeutsche Volkspartei, GVP) verdeutlichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Burschofsky: Beiträge zur Geschichte der deutsch-nationalen Arbeiterbewegung in Österreich. 2 Bde. Hohenstadt 1913-1914.
  • Alois Ciller: Vorläufer des Nationalsozialismus. Verlag Ertl. Wien 1932.
  • Walter Ferber: Die Vorgeschichte des N.S.D.A.P. in Österreich. Ein Beitrag zur Geschichtsrevision. Verlag Merk. Konstanz 1954.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Kriechbaumer: Die großen Erzählungen der Politik. Böhlau Verlag, Wien 2001, S. 663 (Google Books).
  2. Österreichische Akademie der Wissenschaften: Kampf der Symbole – zur Geschichte der NSDAP
  3. Gerhard Jagschitz: Der Putsch. Die Nationalsozialisten 1934 in Österreich. Verlag Styria. Graz Wien Köln 1976. ISBN 3-222-10884-6