Deutsche Krebshilfe

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Geschäftsstelle der Deutschen Krebshilfe in Bonn (2011)
Landeszentrum für Zell- und Gentherapie der Deutschen Krebshilfe in Halle (Saale), 2007

Die Deutsche Krebshilfe e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich die Bekämpfung des Krebs zur Aufgabe gemacht hat. Die Organisation wurde am 25. September 1974 von der Ärztin Mildred Scheel (1932–1985), der Frau des damaligen deutschen Bundespräsidenten Walter Scheel, ins Leben gerufen.

Der Verein unterstützt die Forschung, um neue Diagnoseverfahren und Therapien zu finden. Sie klärt die Bevölkerung über die Möglichkeit und den Nutzen von Maßnahmen zur Früherkennung auf. Sie unterstützt Kliniken und andere Einrichtungen zur Krebsbekämpfung. An Krebs erkrankten Personen wird Beratung und Hilfe angeboten. Das Motto ihres Wirkens: „Helfen. Forschen. Informieren.“[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründungsgespräche im Bundespräsidialamt 1974
Konstituierung der Deutschen Krebshilfe (1975)
25 Jahre Deutsche Krebshilfe: Deutsche Sonderbriefmarke von 1999

Der Verein konstituierte sich als Deutsche Krebshilfe e.V. am 25. September 1974 auf Initiative von Mildred Scheel, der Frau des damaligen deutschen Bundespräsidenten, in Bonn im Bundespräsidialamt (Villa Hammerschmidt), wo die acht Gründungsmitglieder die Vereinssatzung beschlossen. Die Röntgenärztin betonte bereits im Gründungsjahr, dass vor allem das Tabu, über Brust- und Unterleibskrebs bei Frauen öffentlich zu sprechen, rasch gebrochen werden müsse. Auf Grund ihrer ärztlichen Bewertung sehe sie in Krebs eine sehr bedrohliche Volkskrankheit. [2]

Die Aufgaben des Vereins definiert die Satzung mit den Worten: „Zweck des Vereins ist es, die Krebskrankheiten in all ihren Erscheinungsformen durch geeignete Maßnahmen insbesondere der Information und Aufklärung, Vorsorge, Gesundheitserziehung, Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Forschung zu bekämpfen.“ In den ersten fünfzehn Monaten nach ihrer Gründung konnte die Deutsche Krebshilfe Einnahmen von mehr als 4,6 Millionen Euro verzeichnen, 1984 zum zehnjährigen Bestehen – waren es 18,9 Millionen, 1995 wurde die 50 Millionen-Grenze überschritten. Zur Jahrtausendwende erhielt die Deutsche Krebshilfe rund 71,5 Millionen Euro, und im Jahr 2007 lagen die Einnahmen bei 100,4 Millionen Euro.[3]

1999, und somit 25 Jahre nach der Gründung, hatte der Verein rund 1600 Projekte unterstützt – mit dem Ziel, die Prävention, Früherkennung, Therapie und Nachsorge bei Krebs zu verbessern und die Forschung voranzutreiben. 4000 Einzelspender und 6600 Erbschaften und Vermächtnisse hatten zu einem großen Spendenaufkommen beigetragen; das lag 1998 bei 130 Millionen D-Mark. Die Organisation hatte bis dahin bei dem Aufbau der Kapazitäten zur Knochenmarktransplantation geholfen. Gezielte Förderung galt dem Aufbau von Spenderdateien, um im eigenen Land geeignete Stammzellspender für die Patienten zu finden. Als größte private Organisation zur Krebsbekämpfung spielte sie eine wichtige Rolle bei der Vergabe von Fördermitteln für die Forschung. Vor allem über ihre Tochterorganisation, die Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, hat die Deutsche Krebshilfe seit ihrer Gründung zahlreiche Vorhaben und Therapiestudien unterstützt sowie den internationalen Erfahrungsaustausch gefördert. „Das Engagement der Krebshilfe hat das öffentliche Bewusstsein und die medizinische Wirklichkeit verändert“, würdigte Bundespräsident Johannes Rau während des Festaktes in Bonn am 1. Oktober 1999 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der deutschen Krebshilfe.

Finanzierung[Bearbeiten]

Der Verein finanziert Leistungen ausschließlich durch Spenden. Sie erhält keine öffentlichen Mittel. Gelder aus der pharmazeutischen Industrie werden nicht angenommen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1974 hat die Deutsche Krebshilfe rund 1,92 Milliarden Euro an Spenden und sonstigen Zuwendungen aus der Bevölkerung erhalten.[4]

Nach aktueller Aufstellung 2013 lagen die Einnahmen im Jahr 2012 bei insgesamt 89,4 Millionen Euro. Den größten Posten stellten Erbschaften und Vermächtnisse mit 39,2 Millionen Euro dar.[5] Hinzu kamen 380.000 Einzelspenden von Privatpersonen und Firmen mit insgesamt 23,7 Millionen Euro sowie die Beiträge des Mildred-Scheel-Kreises mit 500.000 Euro, Erlöse aus Aktionen und Veranstaltungen sowie Kondolenzspenden.[6]

Organisation[Bearbeiten]

Präsidenten[Bearbeiten]

Geschäftsführender Vorstand[Bearbeiten]

Geschäftsführung[Bearbeiten]

  • Gerd Nettekoven (Hauptgeschäftsführer)
  • Franz Kohlhuber (Geschäftsführer Förderungsprogramme)

1991 beendete Mildred Scheels Tochter Cornelia Scheel ihre Tätigkeit bei der Deutschen Krebshilfe, u.a. als Repräsentantin der Kinderkrebshilfe. Anlass dieser "einvernehmlichen" Trennung war die Bekanntgabe ihrer Beziehungen zu Hella von Sinnen, da die Organisation negative Schlagzeilen befürchtete.[8][9]

Tochterorganisationen[Bearbeiten]

Silbermedaille der Deutschen Krebshilfe (Stiftung für Krebsforschung), die Claus Spahn von Mildred Scheel als Auszeichnung 1978 überreicht bekam.

Der Verein unterhält eine Geschäftsstelle in Bonn, die auch die laufenden Geschäfte der Tochterorganisationen führt. Diese sind:

  • Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, gegründet am 16. Februar 1976
  • Mildred Scheel Kreis e. V., Förderverein, gegründet am 7. November 1977
  • Mildred Scheel Akademie für Forschung und Bildung GmbH (Köln), gegründet am 30. April 1992
  • Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe, gegründete 1996

Informationsarbeit[Bearbeiten]

Die Organisation klärt die Bevölkerung über die Krankheit Krebs auf, insbesondere über die Möglichkeit und den Nutzen von Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung. Zur Informationsarbeit gehören kostenlose Filme und Broschüren, u. a. die Reihe Die Blauen Ratgeber. Sie umfassen Wegweiser zu sozialen Leistungen, zur Vorbeugung gegen Krebs und zum Umgang mit der Krankheit.

Das TV-Magazin „in vivo“ wird seit 2006 produziert und von Annika de Buhr sowie Silvia Laubenbacher moderiert. Das vierteljährlich erscheinende „Magazin der Deutschen Krebshilfe“ berichtet über bundesweite Aktivitäten der Organisation, Spendenaktionen der Bürger und neue Erkenntnisse in der Krebsbekämpfung.

Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe[Bearbeiten]

Die Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe der Deutschen Krebshilfe besteht seit 1996. Sie engagiert sich für die Bekämpfung von Krebserkrankungen im Kindesalter. Zu den von ihr geförderten Projekten zählen unter anderem der Auf- und Ausbau von Kinderkrebs-Zentren, die Entwicklung neuer Therapien sowie die Einrichtung von Elternhäusern und -wohnungen in Kliniknähe. Die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche KinderKrebshilfe finanzieren fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapiestudien bei Kindern.

Deutsche Krebshilfe Preis[Bearbeiten]

Der Deutsche Krebshilfe Preis ist eine Auszeichnung für deutsche Krebsforscher. Er geht zurück auf eine Erbschaft, die die Deutsche Krebshilfe im Jahr 1995 erhielt.

Ehrenpreis: Rauch-frei-Siegel[Bearbeiten]

Der Verein und das Aktionsbündnis Nichtrauchen haben im Dezember 2011 die ARD/MDR-Fernsehproduktion „In aller Freundschaft“ mit dem „Rauch-frei-Siegel“ ausgezeichnet. Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen übergab in Leipzig den Ehrenpreis an Produktion und Schauspieler. Die Auszeichnung wird seit 2003 in Anerkennung dafür vergeben, dass TV und Filmproduktionen auf die Darstellung von Raucher-Szenen verzichten. Zugleich protestieren beide Organisationen gemeinsam dagegen, dass vor allem im deutschen Fernsehen "trotz des gesetzlichen Werbeverbotes Schleichwerbung für Zigaretten vorkommt“.[10]

Kritische Betrachtung[Bearbeiten]

Nach Informationen des Spiegel steht die Deutsche Krebshilfe im Verdacht der Vetternwirtschaft: Danach habe der Sohn von Vorstandschef Hans-Peter Krämer über Jahre sechsstellige Summen durch eine vom Verein geschaffene Initiative Handball hilft erhalten. Die Deutsche Krebshilfe weist die Vorwürfe zurück; der Auftrag an die Firma des Sohnes sei nicht aus familiären Gründen erfolgt.[11]


In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Januar 2012 kritisiert der Urologe Lothar Weißbach die Deutsche Krebshilfe e.V., sie habe „Anliegen der Bürger missachtet“ und es habe durch sie eine „mangelnde Unterstützung in Not geratener Patienten durch den Härtefonds“ gegeben, so Weißbach.[12] Seine Vorwürfe gipfelten in der Behauptung: „Die Deutsche Krebshilfe stranguliert sich selbst.“[12] Weißbach war von 1998 bis 2000 Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Er wirbt für mehr Zusammenarbeit zwischen Fachgesellschaft und Deutscher Krebshilfe.

„Wie alle Geschäftsberichte von Spenden sammelnden Vereinen ist auch der Geschäftsbericht der Deutschen Krebshilfe mehr Werbeschrift in eigener Sache denn Geschäftsbericht nach kaufmännischen Regeln.“[13] Der Autor analysiert den Geschäftsbericht und kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass das Gros der Förderung nicht an Projekte geht, die den Krebskranken unmittelbar oder mittelbar in naher Zeit zugute kommen, sondern an Projekte, die man im Geschäftsbericht nicht ausreichend erklärt und deren Zweckmäßigkeit strittig ist. "Es besteht der Verdacht," so der Autor weiter, dass es sich um als Forschungsgelder deklarierte Zuwendungen an Großkliniken handeln könnte, zumal Chefärzte dieser Kliniken auch in den Fachausschüssen der Deutschen Krebshilfe vertreten sind. Somit könnten Interessenkonflikte bestehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Krebshilfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Johannes-Rau/Reden/1999/10/19991001_Rede2.html
  2. Interview mit Associated Press, Oktober 1974
  3. http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Biografie_Mildred_Scheel.pdf
  4. Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Krebshilfe Bonn, Juli 2013
  5. Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen auf der Jahrespressekonferenz am 3. Juli 2013, Berlin
  6. Krebshilfe-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Krämer, Spendenbericht 2012
  7. Pressemitteilung vom 28. März 2011
  8. Viola Roggenkamp: Das darf nicht sein. In: Die Zeit, Nr. 7/1991.
  9. DER SPIEGEL 6/1991: Lebensbund besiegelt. In: DER SPIEGEL, Nr. 6/1991.
  10. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer Deutsche Krebshilfe vom 14. Dezember 2011
  11. Deutsche Krebshilfe steht im Verdacht von Vetternwirtschaft Der Spiegel vom 13. Januar 2014. Abgerufen am 15. Januar 2014.
  12. a b Lothar Weißbach: Die Deutsche Krebshilfe stranguliert sich selbst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2012, Nr. 9, S. N1
  13. Reinardo: Kritisches zum Geschäftsbericht der Deutschen Krebshilfe 2011 . In: Prostatakrebs Diskussionsforum, 12. Mai 2013