Die klare Sonne bringt’s an den Tag

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Die klare Sonne bringt's an den Tag ist ein Märchen (ATU 960). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 115 (KHM 115). Dort schrieb sich der Titel, mit Ausnahme der 1. und der 3. Auflage, ohne Apostroph Die klare Sonne bringts an den Tag.

Inhalt[Bearbeiten]

Ein verarmter Schneider auf Wanderschaft will einen vermeintlich reichen Juden berauben. Er glaubt ihm nicht, dass er nur acht Heller hat, und schlägt ihn tot. Vor seinem Ende sagt der Jude, die klare Sonne werde es an den Tag bringen. Später findet der Schneider Arbeit, heiratet seines Meisters Tochter und erbt mit ihr das Haus. Eines Tages trinkt er ein Glas Wasser und das Sonnenlicht spiegelt gegen die Decke. Da muss er lachen beim Gedanken an des Juden letzte Worte. Seine Frau will unbedingt wissen, woran er denkt, bis er es sagt. Sie muss ihm zwar versprechen, es nicht weiterzusagen, aber erzählt es doch ihrer Patin. Bald weiß es die ganze Stadt. Er wird gehängt.

Herkunft[Bearbeiten]

Das Exemplum steht in Grimms Märchen ab dem zweiten Teil der Erstauflage (da Nr. 29). Ihre Anmerkung (aus Zwehrn, d.h. von Dorothea Viehmann) bemerkt, dass in der Odyssee 20, 356 und im Solarlied der Edda 23 sich die Sonne bei Mord verhüllt, und erzählen nach Ulrich Boner: Des Königs Schenk soll einen reichen Juden durch den Wald leiten und mordet ihn. Der Jude sagt „die Vögel, die hier fliegen, werden den Mord offenbaren“. Der lacht „Jude nimm wahr, das Rebhuhn wirds offenbaren“ und verrät sich, als der König Rebhuhn isst. Grimms nennen weitere Literaturstellen: Meier Nr. 13; Pröhles Märchen für die Jugend Nr. 43; Laßbergs Liedersaal 2, 601. 602; Moriz Haupts Sammlung Altdeutsche Blätter 1, 117-119; Hulderich Wolgemuts Äsopus (Frankfurt 1623) 2, 465. 66; Ibykos; Fáfnismál sowie das Sprichwort Es wird nichts so fein gesponnen, es kommt endlich an die Sonnen.

Ältester Vorläufer ist die Sage um den griechischen Dichter Ibykos (vgl. Schillers Die Kraniche des Ibykus). Im Spätmittelalter ist der Mörder oft Truchsess und wird vom König gerichtet. Burkard Waldis vereinigte mehrere Versionen als Vom Juden und einem Trucksessen. Der Stoff wurde öfters von Predigern verwendet (vgl. Mk 4,22; Lk 8,17; 12,3). Aus Grimms Märchen vgl. KHM 28 Der singende Knochen und KHM 47 Von dem Machandelboom. Adelbert von Chamisso dichtete seine Ballade Die Sonne bringt es an den Tag 1827 offenbar nach dem Märchen. [1]

Ludwig Bechstein übernahm das Märchen unter starker Ausschmückung 1856 in sein Neues deutsches Märchenbuch als Nr. 5 Sonnenkringel. Vgl. auch Das Rebhuhn in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch. Vgl. in Giambattista Basiles Pentameron IV,1 Der Stein des Gockels.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 558-560. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 207-208, S. 490. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 256-257. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 256-257. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)