Fafnir

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Dieser Artikel behandelt die mythologische Figur Fafnir; für andere Bedeutungen des Begriffs siehe Fafnir (Begriffsklärung).
Hylestad I, left.jpg Hylestad I, right.jpg
Sigurd, Reginn und Fafnir. Portal der Stabkirche Hylestad (zerstört) aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (?), Setesdal, Norwegen.
Drache Fafnir an der Kaiserbrücke (Mainz)

Fafnir (auch Fafner, dt. der Umarmer, der Greif), ist eine Figur der nordischen Mythologie, überliefert in der Edda, einer altnordischen Sammlung von Götter- und Heldensagen, und in der Völsunga-Saga, einer isländischen Saga aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Die Erzählung[Bearbeiten]

Fafnir ist gemäß der isländischen Völsungasaga der Sohn des Zwergenkönigs Hreidmar. Seine Brüder heißen Otr (auch Otur) und Reginn. Fafnir (isländisch: Fáfnir) wird als begabter Zwerg beschrieben, der mithilfe einer mächtigen Waffe und seinem furchtlosen Gemüt das mit Edelsteinen verzierte und golden glänzende Haus seines Vaters hütet. Er ist der stärkste und aggressivste der drei Brüder.

Reginns Geschichte[Bearbeiten]

Reginn berichtet Sigurd, wie die Asengötter Odin, Loki und Hönir(Hœnir) auf einer ihrer Reisen beim Fischen, auf seinen Bruder Ótr trafen, der tagsüber einem Otter gleicht. Loki tötet den Otter mit einem Stein und die drei Asen (Æsir) häuten ihren Fang. Die Götter gelangen am Abend zu Hreidmars Wohnstatt und freuen sich, mit dem Otterfell angeben zu können. Hreidmar und seine beiden anwesenden Söhne packen sofort die Götter, als sie die Überreste ihres Bruders erkennen. Sie halten Odin und Hönir gefangen, während Loki das Wergeld, eine Art Lösegeld, herbeischaffen soll. Das Gold soll den Balg des Otters ausfüllen und seine Haut soll mit Rotgold überzogen werden. Loki erfüllt die Aufgabe, indem er das verfluchte Gold des Zwerges Andvari sowie den Ring, Andvaranaut, beschafft, obwohl Loki anvertraut wurde, dass sowohl das Gold als auch der Ring seinem unrechtmäßigen Besitzer den Tod brächten. Aus Gier, weil Hreidmar seinen beiden Söhnen nichts vom Wergeld abgeben möchte, tötet Fafnir seinen Vater, um alles Gold an sich zu reißen. Reginn flieht und wird später zum Mentor seines Ziehsohns Sigurds. Fafnir zieht sich in eine Höhle in der Wildnis auf der Gnitaheide zurück, wo er auf seinem Golde liegt, um es zu bewachen. Allmählich nimmt er die Gestalt eines Lindwurmes an, wobei der Oegishjalmr – ein Schreckenshelm, der das Aussehen verändert, sein Antlitz noch entsetzlicher macht.

Reginn schwört seinem Bruder Rache und ermutigt seinen Ziehsohn, Sigurd Fåvnesbane, den Drachen zu vernichten. Reginn rät Sigurd, eine Grube unter Fafnirs Schwanz auszuheben, um dort zu warten. Wenn Fafnir darüber gleitet, um an einem Strom Wasser zu trinken, würde er sein Schwert, Gram, in Fafnirs Herz stoßen können. Reginn verschwindet daraufhin und lässt Sigurd die Tat ausführen. Als Sigurd die Grube aushoben hat, erscheint Odin in Form eines alten Mannes mit einem langen Bart und rät dem Degen, mehr Gräben anzulegen, damit Fafnirs Blut abrinnen kann. Er will Sigurd davor schützen, im Drachenblut zu ertrinken. Die Erde erzittert, als Fafnir erscheint, Gift verspritzend, als er zum Wasser schlängelt. Sigurd, unbeeindruckt, ersticht Fafnir mit seinem Schwert Gram ins Herz, als dieser über die Grube kriecht und verwundet den Lindwurm so tödlich.

Sigurds Geschichte[Bearbeiten]

Der sterbende Drache spricht zu Sigurd und will seinen Namen wissen, ebenso die Namen seines Vaters und seiner Mutter. Er will weiterhin erfahren, wer den Helden sandte, um einen solch schrecklichen Drachen wie ihn zu töten. Fafnir erkennt, dass sein eigener Bruder Reginn hinter der Verschwörung steckt und sagt voraus, dass Reginn auch Sigurds Tod verursachen wird. Sigurd teilt Fafnir mit, dass er zurück in die Höhle des Untieres gehen wird, um den Schatz zu nehmen. Fafnir warnt Sigurd, dass jeder, der das Gold besitzt, verurteilt ist zu sterben. Sigurd antwortet jedoch, dass alle Menschen einmal sterben müssen und es der Traum vieler Menschen sei, bis zu ihrem Tod reich zu sein, weshalb er das Gold ohne Furcht nehmen wird.

Reginn kehrt zu Sigurd zurück, nachdem dieser den Drachen erschlagen hat. Voller Gier plant Reginn, Sigurd zu töten, nachdem dieser das Herz Fafnirs für ihn gekocht hat. Aus Versehen gelangt Fafnirs Blut an Sigurds Lippen, als dieser kosten will, ob das Herz gar ist, wodurch er die Gabe erhält, die Sprache der Vögel zu verstehen. Er erfährt von den Vögeln Odins über Reginns bevorstehenden Plan, ihn zu töten und köpft daraufhin Reginn, verspeist Fafnirs Herz und trinkt Reginns Blut.

In einigen Versionen nimmt Sigurd nicht nur den Schatz, sondern auch die Schwerter Ridill and Hrotti, den Helm des Schreckens sowie den goldenen Tarnmantel.

Szenen der Sage sind u.a. auf den vier Sigurs Slabs auf der Isle of Man dargestellt.

Wagners Adaption[Bearbeiten]

In Richard Wagners Adaption des Stoffes mit dem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen spielt sich die ganze Geschichte recht ähnlich, wenn auch leicht modifiziert ab.

Hreidmar entfällt, Fafnir heißt jetzt Fafner, sein Bruder Fasolt. Der Hort (Schatz) ist die fällige Bezahlung der Riesenbrüder für den Bau von Walhall, und das Ganze ist mit der Geschichte des Rheingoldes verbunden. Der verfluchte Ring wird wie in manchen Versionen der Edda und des Nibelungenliedes auch in Wagners Opernzyklus zum zentralen Handlungsgegenstand. Bei Wagner heißt Sigurd Siegfried, und Oegishjalmr ist kein Schreckenshelm, sondern eine „Tarnhelm“ genannte Tarnkappe, mit dessen Hilfe der Träger jede beliebige Gestalt annehmen, sich insbesondere auch unsichtbar machen kann.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]