Giambattista Basile

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Giambattista Basile

Der Neapolitaner Giambattista Basile (auch Giovanni Battista Basile; * 1575 in Neapel; † 23. Februar 1632 in Giugliano in Campania in Kampanien) war ein italienischer Schriftsteller und Höfling verschiedener Fürsten. Er verfasste Gedichte sowie Theaterstücke und gilt durch sein Hauptwerk Il Pentamerone als Europas erster großer Märchenerzähler.

Leben[Bearbeiten]

Basile gehörte einer angesehenen mittelständischen Familie an. In seiner Jugend war er Soldat in venezianischen Diensten, in dieser Zeit begann er zu dichten. Seine erste überlieferte literarische Produktion ist ein Vorwort aus dem Jahre 1604 zur Vaissseide seines Freundes, des neopolitansichen Schriftstellers Giulio Cesare Cortese. Im folgenden Jahr wurde sein Lied Smorza crudel amore vertont, 1608 publizierte er sein Gedicht Il Pianto della Verginel (Klage der Jungfrau). Im selben Jahr kehrte der Dichter nach Neapel zurück und wurde Dank der Unterstützung seiner Schwester Adriana Basile, einer bekannten und einflussreichen Sängerin, zum Hofpoeten ernannt. 1611 trat Basile seinen Dienst bei Louis Carafa, Prinz von Stigliano, an und gründete im selben Jahr gemeinsam mit den literati von Neapel die Accademia degli Oziosi (dt. Die Akademie der Müßiggänger) am Hofe des Prinzen, dem er sein Theaterstück Le avventurose disavventuree widmete. Dieser literarischen Akademie gehörten viele bekannte Neapolitaner und Spanier an, unter anderem Francisco de Quevedo. Anschließend folgte er seiner Schwester Adriana an den Hof von Vincenzo I. Gonzaga in Mantua , immer Teil der Academie. In dieser Stadt der Lombardei wurden die Madrigale, Oden, Le Egloghe amorose e lugubri, die zweite überarbeitete und erweiterte Auflage von der Il Pianto della Vergine und das Drama in fünf Akten La Venere addolorata gedruckt. Außerdem besorgte Basile, unter anderem, die erste Ausgabe der Gedichte Galeazzos von Tarsia. Ein weiterer Mäzen war Don Marino II Caracciolo, Prinz von Avellino, dem er 1618 seine Idylle L’Aretusa zueignete. Aus demselben Jahr datiert sein Theaterstück Guerriero amante. Als Basile 1632 starb, hatte er den Status eines Grafen (Conte di Torrone) erreicht.

Das Pentameron[Bearbeiten]

Basiles Schwester gab sein Hauptwerk postum zwischen 1634 und 1636 unter dem Pseudonym Gian Alesio Abbattutis, einem Anagramm des Autornamens, und dem Titel Lo cunto de li cunti, overo Lo trattenemiento de peccerille (La fiaba delle fiabe ovvero come intrattenere i bambini, dt. Das Märchen der Märchen oder Unterhaltung für Kinder) heraus. Ab 1674 wurde die Sammlung in Il Pentamerone (Das Pentameron), also Fünf-Tage-Werk, umbenannt.

  • Die Märchen des ersten Tages:
    1. Das Märchen vom Riesenmonster, 2. Die Myrte, 3. Peruonto, 4. Vardiello, 5. Der Floh, 6. Cenerentola (Aschenputtel-Variante), 7. Der Kaufmann, 8. Das Ziegengesicht, 9. Die verzauberte Ricke, 10. Die drei Schwestern
  • Die Märchen des zweiten Tages:
    1. Petersilie (Rapunzel-Variante), 2. Die grüne Wiese, 3. Violett, 4. Pippo, 5. Die Schlange, 6. Die Bärin (Allerleirauh-Variante), 7. Die Taube, 8. Die kleine Sklavin (Die Küchenmagd), 9. Das Vorhängeschloss, 10. Buddy
  • Die Märchen des dritten Tages:
    1. Cannetella, 2. Penta mit den abgehackten Händen (eine Variante von Das Mädchen ohne Hände), 3. Das Gesicht, 4. Sapia Liccarda, 5. Die Kakerlake, die Maus und die Grille, 6. Das Knoblauch-Beet, 7. Corvetto, 8. Booby, 9. Rosella, 10. Die drei Feen
  • Die Märchen des vierten Tages:
    1. Der Stein im Hahnenkopf, 2. Die zwei Brüder, 3. Die drei verwunschenen Prinzen, 4. Die sieben kleinen Speckrinden, 5. Der Drache, 6. Die drei Kronen, 7. Die zwei Kuchen (Variante von Die Feen), 8. Die sieben Tauben (Variante von Die sieben Raben), 9. Der Rabe, 10. Der bestrafte Stolz (Variante von König Drosselbart)
  • Die Märchen des fünften Tages (das 10. von Zoza führt zur Rahmenhandlung zurück, s. u.):
    1. Die Gans, 2. Die Monate, 3. Pintosmalto, 4. Die Goldene Wurzel (Variante von Amor und Psyche), 5. Sonne, Mond und Talia (Variante von Dornröschen), 6. Sapia, 7. Die fünf Söhne, 8. Nennillo und Nennella (Variante von Brüderchen und Schwesterchen), 9. Die drei Zitronen (Variante von Die Liebe zu drei Orangen)

Wie Giovanni Francesco Straparola sowie Giovanni Boccaccio erfindet auch Basile eine Rahmenhandlung. Diese Rahmenhandlung des Pentameron (lo cunto) ist selbst ein Märchen. So erklärt sich der Titel Das Märchen der Märchen. Während das Decamerone Boccaccios in zehn Tage mit jeweils zehn Geschichten strukturiert ist, erzählen im Pentamerone zehn Frauen in neapolitanischem Dialekt an fünf Tagen fünfzig Märchen, die Basile mit einem zweiten Rahmen aus moralisierenden Sprichwörtern und Sentenzen sowie zeitgeschichtlichen und ironischen Zusätzen versah. Die Handlungen schöpfte der Autor aus volkstümlichen und orientalischen Überlieferungen sowie der griechischen Mythologie. Jacob und Wilhelm Grimm entdeckten viele Ähnlichkeiten zu den von ihnen gesammelten mündlich tradierten Stoffen und Motiven. Bei Basile finden sich jedoch die ersten vollständigen Fassungen vieler bekannter Märchen wie Aschenputtel, Der gestiefelte Kater, Schneewittchen, Die Schöne und das Biest, Der Froschkönig oder auch Rapunzel. Das Charakteristikum dieser neapolitanischen Dichtung ist die Verbindung volkstümlicher Elemente mit einer spielerischen barocken Erzählweise, die Allegorien, Wortspiele, Witz und Humor sowie mutwillige Wortvarianten und Schnörkel einbezieht.[1]

Das Pentameron wurde erst relativ spät aus dem Neapolitanischen in andere Sprachen übersetzt und diente als wichtige Quelle für spätere Sammler und Verfasser von Märchen wie Charles Perrault, Clemens Brentano, Ludwig Tieck und die Brüder Grimm. Die erste deutsche Gesamtübersetzung durch Felix Liebrecht mit einem Vorwort von Jacob Grimm[2] erschien im Jahre 1846 in Breslau.

Schriften[Bearbeiten]

  • Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4
    (Nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, neu übersetzt und erläutert)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lüthi, Max: Märchen. Stuttgart , 1979, S.48.
  2. Jacob und Wilhelm Grimm: Schriften und Reden (Hrsg. Ludwig Deneke). Stuttgart 1985, S. 108-110.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giambattista Basile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien