Dietrich A. Loeber

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Dietrich André Loeber (* 4. Januar 1923 in Riga; † 24. Juni 2004 in Hamburg) war ein deutsch-baltischer Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Loebers Eltern waren der aus einer deutschbaltischen Familie stammende lettische Verfassungsrichter August Loeber und seine Ehefrau Emilie geb. Mentzendorff.

Nach dem Abitur am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium (Posen) diente Dietrich Loeber von 1941 bis 1945 bei den Brandenburgern, einer Spezialtruppe von Admiral Wilhelm Canaris. Nach Jurastudium 1946–1953 in Marburg, an der Haager Akademie für Völkerrecht und an der Columbia University arbeitete er als Rechtsanwalt in München und Hamburg. Neben der Tätigkeit als Redakteur der Zeitschrift Osteuropa-Recht (1955–1960) und am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht (1958–1970) erfolgte die Habilitation 1966 an der Universität Hamburg. 1966 bis 1989 war er o. Professor für Rechtswissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität Kiel.

Loeber wirkte als Gastprofessor und Forscher unter anderem an der Lomonossow-Universität (1961), an der Harvard Law School (1963/64), University of California, Los Angeles (1970, 1974) und an der Stanford University (1971, 1973), der Columbia University (1980-1981, 1983).

Verdienste um Lettland und Estland[Bearbeiten]

Ende 1988 und 1989 hatte Loeber in Estland und Lettland Vorträge zum Hitler-Stalin-Pakt von 1939 gehalten, der zu diesem Zeitpunkt von der offiziellen Seite der Sowjetunion geleugnet wurde. Zum ersten lettischen Juristenkongress nach der Wende brachte Loeber im Oktober 1990 eine im Selbstverlag gedruckte Version des lettländischen Zivilgesetzbuches von 1937 mit. Nach 1991 hielt Loeber regelmäßig Vorlesungen in Tartu, Tallinn und Riga. Seit 1991 war er auswärtiges Mitglied der Lettische Akademie der Wissenschaften in Riga. In Bezug auf nicht abgeschlossene Entschädigungen und Aufarbeitung stellte Loeber noch 2001 fest, dass die Folgen dieser Teilung Ostmitteleuropas von 1939 in Interessensphären noch nicht behoben seien. Loeber unterstützte in hohem Maße den Aufbau des Museums im Mentzendorffhaus in Riga. 2003 verlieh ihm der estnische Staatspräsident den Orden des Marienland-Kreuzes IV. Klasse für seine Verdienste um die Rechtsentwicklung des Staates. 2010 wurde in Riga eine Gedenktafel für Loeber eingeweiht. [1]

Engagement bei den Deutschbalten[Bearbeiten]

Loeber war seit 1975 Mitglied der Baltischen Historischen Kommission, Vorstandsmitglied der Carl-Schirren-Gesellschaft (1969–1971, 1990–1997), Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Karl-Ernst-von-Baer-Stiftung (1978–1996). Des Weiteren war Loeber Mitglied der baltischen Studentenverbindung Fraternitas Dorpatensis München und einer der Gründer der Corona Dorpatensis Marburg [2], außerdem sog. Fiduzmitglied der Fraternitas Rigensis.

Werke[Bearbeiten]

  • Artikel im Baltic Yearbook of International Law, 2001
  • 800 Jahre – unser gemeinsames Riga, Riga, 2001
  • Deutsche Politik gegenüber Estland und Lettland. Die Umsiedlung der deutsch-baltischen Volksgruppe im Zeichen der Geheimabsprache mit der Sowjetunion 1939, in: Hitler, Deutschland und die Mächte. Materialien zur Außenpolitik des Dritten Reiches, 1976, S. 657-683.
  • Geheimprotokolle des „Molotow-Ribbentrop-Paktes“ - unhaltbar. Zum Beschluss des Kongresses der Volksdeputierten vom Dezember 1989. Osteuropa-Archiv 1990, S. A 623-A 625.
  • mit Boris Meissner und Cornelius Hasselblatt: Der Aufbau einer freiheitlich-demokratischen Ordnung in fen Baltischen Staaten. Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, 1995
  • East-West Trade. A Sourcebook on the International Economic Relations of Socialist Countries and Their Legal Aspects, 1977
  • Diktierte Option – Die Umsiedlung der Deutsch-Balten aus Estland und Lettland 1939-1941, Dokumentation, 1972

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einweihung der Gedenktafel für August Loeber in Riga, in Domus Rigensis Aktuell 2010: http://www.domus-rigensis.eu/14.html
  2. Conventsmitteilungen der Fraternitas Dorpatensis, Nr. 99, 2005; Corona Dorpatensis. Album fratrum.

Literatur[Bearbeiten]

  • The Baltic States at Historical Crossroads. Riga 1998

Weblinks[Bearbeiten]