Dirty Talk
Dirty Talk (dt.: Schmutziges Gerede) ist eine sexuelle Praktik und bezeichnet das Benutzen von erotisierenden oder sehr anschaulichen und direkten Wörtern vor oder während des Geschlechtsverkehrs zur Erhöhung der sexuellen Stimulation.
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[Bearbeiten] Sprache
Für viele Menschen hat die Sprache eine direkte Auswirkung auf den Grad ihrer sexuellen Erregung. Während einige Menschen eine eher sanfte und zärtliche Sprache (Kosenamen, „Liebesgeflüster“) während des Geschlechtsverkehrs bevorzugen, erreichen andere durch eine sehr direkte, teils aggressive Form der Kommunikation einen höheren Grad der Erregung. Die Stimme, das Timbre und der Tonfall spielen eine wichtige Rolle beim Dirty Talk. Je nach Zusammenhang kann ein und dasselbe Wort die unterschiedlichsten Bedeutungen annehmen, je nachdem ob Wörter z. B. spitz, keuchend, scheinbar unbeteiligt, streng, lächelnd, anschmiegsam oder etwa hauchend benutzt werden. Unausgesprochenes kann andererseits auch für erotische Spannung sorgen, und zu viel Offenheit kann öde wirken. Stummheit im Bett ist sehr oft schambedingt. Umfragen haben ergeben, dass 36 % der Deutschen Schwierigkeiten haben, mit dem eigenen Partner über sexuelle Wünsche und Vorstellungen zu sprechen und dass bereits 44 % der Deutschen Dirty Talk nutzen.[1]
[Bearbeiten] Wörter
Die Auswahl an erotisierenden Wörtern ist groß, Liebespartner können:
- erotisierende Liebesschwüre ablegen
- mehrdeutige Bemerkungen machen
- genau beschreiben, was sie erregt oder sie gerade tun
- simple Reizworte nutzen: „hart“, „nass“, „ficken“ usw.
- Sexualorgane mit Eigennamen benennen
- einen bestimmten Akzent oder Dialekt imitieren, z. B. französisch, italienisch
- Szenesprache nutzen (erotisches Rollenspiel)
- eine gemeinsame, auf bestimmten Wörtern und Betonungen beruhende Sprache finden und benutzen (Schlüsselwörter)
- poetische oder fantasievolle Ausdrücke nutzen: „die Auster schlürfen“
- erotische Geschichten oder Phantasien erzählen
- spezielles Vokabular gebrauchen, flüstern
- Witziges, Frivoles, Schamloses, Anrüchiges, Verruchtes, Deftiges,
- Unanständiges, Obszönes, Vulgäres, Tiernamen
- Unmoralisches, politisch nicht Korrektes, Fäkalsprache
- sich Befehle geben: „Bück dich“, „Leg dich auf den Bauch!“ oder „Waffe hoch!“
- sich beschimpfen: „Schlampe“, „Luder“, „Sau“
- sich erniedrigen und beleidigen als Variation von BDSM
Bei Telefonsex, Cybersex (Netiquette), SMS-Botschaften aber auch Liebesbriefen kommt es darauf an, den nichtsichtbaren Partner mit Worten zu erregen, ohne ihn zu belästigen oder zu beleidigen.
Einschüchterung (engl.: Intimidation) in Verbindung mit sexueller Belästigung als Form von verbalem Missbrauch (engl.: verbal abuse) oder emotionale Manipulationen oder eine absichtlich hervorgerufene Betretenheit sind kein Dirty Talk (siehe auch Stalking).
Ist das sexuelle Erleben auf Gespräche sexuellen Inhaltes oder das Zuhören sexueller Texte fixiert, kann es sich um eine Paraphilie handeln.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Klaus Heer: Wonneworte. Lustvolle Entführung aus der sexuellen Sprachlosigkeit. Erweiterte Neuausgabe. Salis Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-905801-02-6.
- Arne Hoffmann: Dirty Talking. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-412-4
- Michael Lukas Moeller: Worte der Liebe. Rowohlt Tb., Reinbek 1998, ISBN 3-499-60433-7
- Anne West: Sag Luder zu mir. Droemer Knaur, München 2003, ISBN 3-426-61934-2
- Martin Fischer: Sy – Der erotische Sprachführer. Hagal Verlag, Reinach 1997, ISBN 3-9521397-0-X
- Ernest Borneman: Der obszöne Wortschatz der Deutschen – Sex im Volksmund. Parkland-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-89340-036-2
- Danny Morgenstern: Stöhnen - aber richtig! Der etwas andere Oralverkehr. DAMOKLES, Braunschweig 2010, ISBN 978-3000305207