Distale Radiusfraktur

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Klassifikation nach ICD-10
S52.5 Distale Fraktur des Radius
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Den häufigsten Knochenbruch beim Menschen überhaupt stellt die distale Radiusfraktur dar, der Bruch der Speiche nahe dem Handgelenk (loco typico) mit Achsabweichung des distalen Fragmentes zur Streckseite (Typ Colles). Der seltenere handgelenknahe Speichenbruch mit Achsabweichung zur Beugeseite wird smith-fracture genannt. Die häufigere Colles-Fraktur entsteht typischerweise durch Sturz auf das nach oben gestreckte Handgelenk.

Leitsymptome sind Druckschmerz, Fehlstellung mit Bewegungseinschränkung und Schwellung der Weichteile.

Einteilung der distalen Radiusfrakturen[Bearbeiten]

Röntgenbild einer distalen Radiusfraktur loco typico (Colles-Fraktur)
Name Typ Erklärung
Colles-Fraktur Extensionsfraktur (Streckung) Mit ca. 25 % aller Frakturen ist sie die häufigste Fraktur des Menschen.
Smith-Fraktur Flexionsfraktur (Beugung)
Chauffeur-Fraktur intraartikuläre Fraktur Abbruch des Griffelfortsatzes am distalen Radius
Barton-Fraktur intraartikuläre Fraktur Der dorsale Rand des distalen Radius ist betroffen, teilweise mit Luxation des Radio-Carpal-Gelenkes.
umgekehrte Bartonfraktur intraartikuläre Fraktur Der palmare Rand des distalen Radius ist betroffen.
Galeazzi-Fraktur distale Radiusschaftfraktur Gleichzeitige Luxation des distalen Ulnaköpfchens

AO Klassifikation[Bearbeiten]

Eine gängige Klassifikation der distalen Radiusfrakturen ist, wie bei allen Knochenbrüchen, die AO-Klassifikation der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO). Die A-Frakturen befinden sich außerhalb des Gelenks (extraartikulär) und lassen sich in Typ A1, A2 und A3 weiter unterteilen. B-Frakturen sind nach der AO-Klassifikation partiell intraartikulär, d.h. sie betreffen zum Teil die Gelenkfläche. Typ C-Frakturen befinden sich im Gelenk selbst (intraartikulär).[1] Verschiedene Schweregrade werden hinter den Buchstaben A, B und C aufsteigend mit den Zahlen 1-3 belegt.

Behandlung[Bearbeiten]

Die Behandlung einer einfachen Radiusfraktur ohne Gelenkbeteiligung hängt vom Ausmaß der Verschiebung und Instabilität im Bruchbereich ab. Ohne Verschiebung der Bruchenden erfolgt eine einfache Ruhigstellung (Retention) mit einem Gipsverband für ca. 6 Wochen, bei einfachen Verschiebungen (Dislokation) erfolgt zuerst eine Einrichtung (Reposition) und anschließend die Ruhigstellung im Gipsverband.

Ist der Bruch instabil, neigt er also dazu, sich neuerlich zu verschieben (sekundäre Dislokation) oder ist das Einrichten nicht erfolgreich beziehungsweise auf Grund des Ausmaßes nicht möglich, erfolgt die Behandlung operativ durch Kirschnerdraht-Osteosynthese, das heißt Einbringen von Drähten in Bruchspaltanästhesie, Plexus- oder Allgemeinanästhesie in der Technik nach Willenegger oder Kapandji oder aber offen durch Plattenosteosynthese. Dabei ist das Verfahren mit Bohrdrähten ein geschlossenes Verfahren, der Bruch muss also nicht durch einen Schnitt freigelegt werden. Bei der Plattenosteosynthese wird zumeist von beugeseitig die Haut eröffnet und der Bruch dann offen wieder eingerichtet und mit der Platte und den Schrauben fixiert. Nach geschlossener Behandlung mit Bohrdrähten wird in der Regel zudem ein Gips für 4 bis 6 Wochen angelegt. Bei offener Bruchbehandlung mit Plattenosteosynthese kann in der Regel auf einen zusätzlichen Gips alsbald verzichtet werden, um dann rasch mit der Beübung des Handgelenkes beginnen zu können.

Zusammenfassend kann also, je nach Art der Fraktur entweder konservativ im Gips, operativ mit Gips und Bohrdrähten oder aber operativ mit Platte, dann aber ohne Gips behandelt werden.

Offene Radiusfrakturen machen meist die Anlage eines Fixateur externe erforderlich. Die Behandlung der smith-fracture erfolgt durch beugeseitige Verplattung mit einer T-förmigen Platte.

Eine moderne Therapieform stellt die beugeseitig angebrachte, winkelstabile Metallplatte dar.


Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. J. Schmidt: Taschenmanual Klassifikationen in der Unfallchirurgie. 2. Auflage. blueprint, Berlin 2010.
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