Divide et impera

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert den historischen Ursprung von teile und herrsche. Unter Teile und herrsche (Informatik) findet man ein wichtiges Grundprinzip der Algorithmik in der Informatik.

Divide et impera (lateinisch für teile und herrsche) ist eine Redewendung (im lateinischen Imperativ), welche bedeutet, man solle ein Volk oder eine Gruppierung in Untergruppen aufspalten, damit sie leichter zu beherrschen bzw. zu besiegen sei. Sie ist wahrscheinlich nicht antik, wenngleich die damit bezeichnete Strategie sehr alt ist und z. B. in der römischen Außenpolitik ohne Zweifel wiederzuerkennen ist.

Herkunft[Bearbeiten]

Die lateinische Formulierung wird teilweise Niccolò Machiavelli (1469–1527) zugeschrieben, der in seinem 1532 erschienenen Buch Der Fürst den Fürsten Medici erklärt, wie sie ihre Herrschaft ausüben sollten. Teilweise wird das Sprichwort auch Ludwig XI. von Frankreich zugeschrieben. Abschließend konnte die Herkunft dieses Sprichwortes bisher nicht geklärt werden.[1]

Praktiziert wurde diese Maxime bereits in der rechtlichen Organisation des Römischen Reichs. Die einzelnen Mitgliedsstaaten hatten nur Verträge mit der Zentralmacht Rom, Verträge untereinander abzuschließen war ihnen verboten. Außerdem sorgte Rom für eine deutliche Unterschiedlichkeit der einzelnen Bündnispartner. Hierbei reichte das Spektrum der Wertigkeit von den Unterworfenen, den subiecti, über Verbündete (foederati) und Bundesgenossen (socii) bis zu rechtlich gleichgestellten Freunden des römischen Volks (amici populi Romani), die mit der Zuerkennung der civitas Romana, des römischen Bürgerrechts, für ihre Bündnistreue ausgezeichnet waren. Innerhalb dieser Stufung konnten sich die Staaten durch Wohlverhalten empordienen, auch zu unterschiedlichen Graden der Selbstverwaltung.

Als diviser pour régner (französisch für teilen, um zu herrschen) ist es angeblich auch ein Ausspruch des französischen Königs Ludwig XI.. Heinrich Heine schrieb am 12. Januar 1842 aus Paris: „König Philipp hat die Maxime seines makedonischen Namensgenossen, das „Trenne und herrsche“, bis zum schädlichsten Übermaß ausgeübt.“[2] Der damit gemeinte Philipp II. (359–336 v. Chr.) hatte die Vorherrschaft über die griechischen Stadtstaaten errungen.

Johann Wolfgang von Goethe formulierte diese Maxime (in „Sprichwörtlich“, 1814) um und fügte einen Gegenvorschlag hinzu:

„Entzwei und gebiete! Tüchtig Wort;
Verein' und leite! Beßrer Hort.“

Anwendung[Bearbeiten]

Im problemlösenden Denken bezeichnet Teile und herrsche zwei verschiedene Vorgehensweisen:

  • die Strategie, ein Ziel (Grobziel) in kleinere Einheiten zu zerteilen (Feinziele) und diese nacheinander abzuarbeiten, bzw. große Aufgaben und Probleme dadurch besser zu lösen, indem sie in kleinere Teile zerlegt werden, die einfacher zu handhaben sind. Die Lösungen der Teilprobleme werden anschließend zur Lösung des Gesamtproblems verwendet. Die Teilprobleme können ihrerseits in noch kleinere Abschnitte zerlegt werden, bis sie eine überschaubare Komplexität erreichen (siehe Millersche Zahl).
  • die Strategie, die eigenen Kräfte aufzuteilen, um das Ziel aus mehreren Richtungen anzugehen. Ein Beispiel hierfür ist die Lösung von Karl Dunckers Strahlungsproblem: Ein Tumor soll durch Bestrahlung bekämpft werden; die erforderliche Dosis würde jedoch auch das gesunde, den Tumor umgebende Gewebe zerstören. Man löst dieses Problem, indem man mehrere schwächere Strahlenquellen aus verschiedenen Richtungen auf den Tumor fokussiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. siehe dazu Joseph Vogt, in: Das Reich, Festschrift für J. Haller zum 75. Geburtstag, Stuttgart 1940, S. 21ff.
  2. Heinrich Heine in Lutetia, Kapitel XL, 12. Januar 1842, Seite 164, in Vermischte Schriften, 3 Bände (darin Geständnisse, Die Götter im Exil, Die Göttin Diana, Ludwig Marcus, Gedichte 1853 und 1854, Lutetia. Erster Teil und Lutetia. Zweiter Teil).