Doschd

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Die Gründerin, Eigentümerin und Programmchefin von Doschd, Natalja Sindejewa, im November 2013

Doschd. Optimistic Channel (russisch Дождь, eigene Schreibweise: До///дь, „Regen“, internationale Bezeichnung Rain TV) ist ein unabhängiger russischer Fernsehkanal. Internationale Aufmerksamkeit erreichte der Sender durch seine umfangreiche Berichterstattung über die Proteste nach den russischen Parlamentswahlen 2011.[1][2][3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der russische Präsident Dmitri Medwedew im Studio von Doschd im April 2011

Doschd wurde von Natalja Sindejewa gegründet, die auch Inhaberin des Radiosenders Serebrjany Doschd (russisch Серебряный дождь, Englisch: Silver Rain) ist. Der Fernsehsender nahm seinen Sendebetrieb am 27. April 2010 auf, zunächst nur im Internet. Programm und Darbietung sind in hohem Maße auf ein Internet-affines Publikum abgestimmt, mit vielen interaktiven Elementen und einer weitgehenden Nutzung der Möglichkeiten, die aus der Verbindung von Netz und Fernsehen hervorgehen.

Später war der Sender auch in einigen Regionen Zentralrusslands über Satellit oder Kabel zu empfangen. Seine wichtigste Zielgruppe sind jedoch Internet-Nutzer, die dem traditionellen staatlichen Fernsehen wenig Interesse entgegenbringen.

Als der Sender zunächst als einziger Fernsehkanal über die Proteste nach der Duma-Wahl 2011 berichtet, nahm die Zuschauerzahl sprunghaft zu. Wegen seiner unabhängigen Berichterstattung über die russische Innenpolitik, in der - anders als bei den großen russischen Fernsehsendern - auch regierungskritische Stimmen zu Wort kommen, wird Doschd bisweilen als „Oppositionssender“ bezeichnet.[4]

Seit dem 10. Februar 2014 ist Doschd nicht mehr großflächig in Russland empfangbar. Der Satellitenfernsehen-Anbieter Trikolor TV folgte damit zuletzt dem staatlichen Telekommunikationsunternehmen Rostelekom sowie dem Telekommunikationsunternehmen Akado (Акадо) und dem Mobilfunkanbieter Beeline, den TV-Sender aus ihrem Programmangebot zu streichen. Chefredakteur Michail Sigar machte politischen Druck aus Moskau hierfür verantwortlich. Doschd kann danach nur noch über das Internet und über einige regionale Anbieter in Russland empfangen werden.[5][6]

Am 17. Dezember 2014 nahm Xenija Anatoljewna Sobtschak für den bedrängten Sender an der Pressekonferenz von Wladimir Putin teil und konnte -entgegen dem üblichen Ablauf- zwei Fragen stellen, deren Zweite die Hetze gegen Oppositionelle zum Thema hatte.[7] [8] Der russische Präsident verneinte jeglichen offiziellen Einfluss: „Keine offizielle Person, niemand aus den Staatsorganen nimmt an Hetzjagden teil.“ [9] Präsident Putin persönlich hatte Mitte März in seiner Siegesrede zur Krim vor möglichen Feinden im Inneren gewarnt, die von außen gesteuert seien. [10]

Programm[Bearbeiten]

Das Programm des Senders besteht zu etwa zwei Dritteln aus Live-Sendungen, wobei politische Berichterstattung und Diskussionen weiten Raum einnehmen. Dazu kommen Konzerte, Lesungen, experimentelle Programme, Dokumentarfilme, Videokunst und anderes.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Doschd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC: Analysis: Russian TV grapples with protests. 10. Dezember 2011.
  2. Frankfurter Rundschau: Russland: Die Revolution der Hipster. 7. Dezember 2011.
  3. Zapp (Magazin): Wahlprotest: Internet-TV kritisiert Regierung. 14. Dezember 2011.
  4. Google-Suche „Oppositionssender Doschd“
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPutin-kritischer TV-Sender Doschd sieht sich bedroht. In: Spiegel Online. 4. Februar 2014, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDoschd, einem der letzten unabhängigen TV-Kanäle Russlands, droht das Aus. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  7. Russland: Hetze gegen Opposition, info.arte.tv, 26. September 2014
  8. Putins treue Denunzianten, Die Zeit, 11. September 2014
  9. Die Schöne und der Präsident, FAZ, 18. Dezember 2014
  10. Oppositionelle fürchten Putins Daumenschrauben, Deutschlandfunk, 10. April 2014