Drei Kronen & Ehrt

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Drei Kronen & Ehrt
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Besucherbergwerk Drei Kronen und Ehrt Einfahrt.JPG
Das Mundloch des Oberen Mühlentalstollens.
Andere Namen Grube Himmelsfürst, Grube Einheit
Abbautechnik Tiefbau
Förderung/Jahr 381144 (1973) t
Förderung/Gesamt 13000000 t Pyrit
Seltene Mineralien Calcit
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft VEB Bergbau- und Hüttenkombinat Freiberg
Beschäftigte 116 (1990)
Betriebsbeginn 1530
Betriebsende 31. Juli 1990
Nachfolgenutzung Besucherbergwerk
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Eisen/Pyrit/Mangan
Größte Tiefe 560 m
Abbau von Pyrit
Abbau von Mangan
Geographische Lage
Koordinaten 51° 45′ 50″ N, 10° 49′ 33″ O51.76393410.825854Koordinaten: 51° 45′ 50″ N, 10° 49′ 33″ O
Drei Kronen & Ehrt (Sachsen-Anhalt)
Drei Kronen & Ehrt
Lage Drei Kronen & Ehrt
Standort Elbingerode (Harz)
Gemeinde Oberharz am Brocken
Landkreis (NUTS3) Harz
Land Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland

p0p2

Stollen
Grubenbahn vor Einfahrt
Druckluftbetriebener Bunkerlader, Untertage

Drei Kronen & Ehrt im Harz ist ein ehemaliges Bergwerk in Elbingerode in Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt), in dem Schwefelkies (Pyrit) abgebaut wurde. Seit 1992 wird es mit Unterbrechungen als Besucherbergwerk genutzt.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Das Bergwerk liegt im Unterharz zwischen Elbingerode und Rübeland (beide zu Oberharz am Brocken) an der Bundesstraße 27. Es befindet sich an der Nordostflanke des Bodenbergs (491,1 m ü. NN) auf etwa 445 m ü. NN[1]. Nördlich der Straße erstreckt sich in Richtung des Galgenbergs der Kalksteintagebau der Fels-Werke. Unmittelbar am Werksgelände vorbei verläuft, parallel zur B 27, die Strecke der Rübelandbahn, von der ein Gleis in vorgenanntes Fels-Werk abzweigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Eisensteinabbau vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Umfeld der heutigen Grube wurde bereits in historischer Zeit Eisenstein abgebaut. Eine Grube Himmelsfürst wurde im Jahr 1530 erstmals urkundlich erwähnt. In direkter Nachbarschaft zum heutigen Besucherbergwerk wurde der 1582 erstmals erwähnte Tagebau Großer Graben betrieben. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten diese Bergbauaktivitäten eine Teufe von etwa 40 Metern. Der zuvor natürlich mögliche Wasserabfluss war bei dieser Tiefe nicht mehr möglich, so dass man das Wasser mit Handpumpen abpumpte. Der Graf zu Stolberg-Wernigerode ließ von 1867 bis 1871 den sogenannten Gräflichen Stollen bauen, der 1890 nach Erhebung des Grafen zum Fürsten in Fürstlicher Stollen umbenannt wurde, der das Wasser abführte. Beim Vortrieb des Stollens fand man ein bis dahin unbekanntes Pyritvorkommen, das zunächst nicht abgebaut wurde. Um das Eisenerz aus dem Großen Graben besser abtransportieren zu können, entstand von 1887 bis 1889 sieben Meter oberhalb des Fürstlichen Stollens ein zweiter Stollen, der Obere Mühlentalstollen. Er führte bis zum tiefsten Punkt des Tagebaus.

Schwefelkiesabbau ab 1890 bis 1927[Bearbeiten]

Ab Anfang der 1890er Jahre wurde, zunächst in geringen Mengen, auch Schwefelkies abgebaut. Die aufkommende chemische Industrie nahm das Pyrit als Ausgangsstoff für Schwefelsäure ab. Bis 1901 wurden 20.000 Tonnen abgesetzt. 1903 wurde die Schwefelkiesförderung vorübergehend eingestellt, da größere Lagerstätten die kleineren einheimischen Förderungen verdrängten. Es folgte eine Zeit unbeständiger Förderungen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges stieg die Förderung wieder an. Sämtliche Erzfelder im Umfeld des Großen Grabens firmierten nun als Drei Kronen und Ehrt. Die Bezeichnung Drei Kronen stand dabei für die Erzgruben, der Name Ehrt für das Schwefelkiesfeld.

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren wurde die Förderung eingestellt. Eine für den Tagebau Großer Graben bestehende Seilbahn wurde 1921 außer betrieb genommen und 1922 abgebaut. 1926 stellte man den Tagebau wegen Erschöpfung der Lagerstätte ein. Bis 1927 wurde noch Untertage durch 25 Bergleute und einen Steiger Eisenstein abgebaut.

In der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Im Zuge der Aufrüstung Deutschlands im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurde die Förderung, gestützt durch ein staatliches Förderprogramm, 1935 wieder aufgenommen. Der Hauptschacht erreichte 1938 eine Teufe von 82,5 Metern. Neben Eisenerz und Mangan als Zuschlagstoff für die Stahlproduktion wurde auch Pyrit gefördert. In diesem Zeitraum bemühte man sich auch im Umfeld der Grube um eine umfangreiche Erkundung, um so weitere Pyritvorkommen zu entdecken. Tatsächlich konnten auch Pyrit sowie Armerze gefunden werden.

Im Jahr 1943 waren 333 Personen im Bergwerk beschäftigt. Überwiegend handelte es sich um Zwangs- bzw. Fremdarbeiter. Neben 76 deutschen Bergleuten arbeiteten 149 Menschen aus der Sowjetunion, 74 Italiener, 17 Polen, 10 Tschechen und 7 Belgier auf Drei Kronen & Ehrt. Die nichteinheimischen Arbeiter waren in drei Baracken auf dem Werksgelände untergebracht.

Die Produktion wurde auf bis zu 8200 Tonnen Pyrit im Monat gesteigert, womit man jedoch zumeist die Planzahlen nicht erreichte. Durch die schlechter werdende Versorgung gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gingen die Produktionszahlen jedoch bereits 1944 wieder zurück. Im Februar 1945 konnten dann nur noch 200 Tonnen Manganerz und 2230 Tonnen Schwefelkies gefördert werden. Die letzte reguläre Schicht wurde am 13. April 1945 verfahren. Alliierte Truppen befanden sich seit zwei Tagen nur noch in 10 Kilometer Entfernung. Bis zum 18. April wurden noch Notstandsarbeiten durchgeführt. An diesem Tag fiel der Strom aus, so dass die Pumpen versagten. US-Truppen besetzten kampflos das Grubengelände. Sie durchsuchten am 21. April den übertägigen Bereich und zogen sich dann zurück. Es kam zu Plünderungen und Zerstörungen, vor allem durch noch in der Region verbliebene Zwangs- und Fremdarbeiter.[2] Hierbei gingen die Produktionsunterlagen aus der Zeit vor 1945 weitgehend verloren.

Es wird davon ausgegangen, dass im Juni 1945 die Grube bis zu ihrem natürlichen Auslauf über den Fürstlichen Stollen abgesoffen war.[2] Die Produktion konnte daher zunächst nicht wieder aufgenommen werden, obwohl es dringende Anfragen, so von der Mitteldeutsche Zellwolle gab. Man behalf sich mit minderwertigem Erz, das noch auf Halde lag. Durch entschädigungslose Enteignung ging Drei Kronen & Ehrt in das Eigentum der Provinz Sachsen über. Nach einigen Wochen wurde die Pyritförderung, zunächst nur auf der Stollensohle, ab Dezember 1946 auch von der 77-Meter-Sohle, wieder aufgenommen.

Nachkriegszeit bis Stilllegung, 1945–1990[Bearbeiten]

Entladung von Hunten im Kreiselwipper, 1980
Produktionsanlagen, 1980

Zum 1. Januar 1945 wurde die Anlage in Grube Einheit umbenannt. Der Name stand für die zu diesem Zeitpunkt von der DDR noch angestrebte Deutsche Einheit. Obwohl dieses Ziel später nicht mehr zur Staatsräson gehörte, blieb der Name bestehen. Das hier abgebaute Pyritvorkommen war das einzige auf dem gesamten Gebiet der DDR und deckte 30 % des DDR-Schwefelbedarfs. Es wurden jährlich bis zu 150.000 Tonnen gefördert. Im Jahr 1964 waren dann jedoch die Vorräte an reinen Erzen erschöpft und man musste auf Erze mit geringerem Schwefelgehalt zurückgreifen. Statt eines Schwefelanteils von 40 bis 45 % hatten die geförderten Erze nun nur noch 21 % Schwefelgehalt. Der Einsatz des bis dahin eingesetzten Wirbelschichtverfahrens zur Schwefelgewinnung war nicht mehr möglich. In Vorbereitung auf diese Situation hatte man bereits seit 1957 nach neuen Möglichkeiten zur Aufbereitung des Erzes gesucht. Auch bemühte man sich, neue Vorkommen ausfindig zu machen. Beides war letztlich erfolgreich, so dass in größerem Umfang Investitionen in die Grubenanlagen erfolgten.

Es entstand eine Grubenwasserkläranlage, ein mit Rohbraunkohle befeuertes Heizhaus und ein neues Verwaltungsgebäude mit Kaue. Neben einer Rekonstruktion des Grubengebäudes ist insbesondere der ab 1959 geteufte neue Schacht zu erwähnen. Er führte bis zur 15. Sohle bei einer Teufe von 460 Metern und erschloss so weitere 80 Meter als bisher. Drei bis dahin errichtete Schächte wurden so ersetzt. Übertage wurde eine Aufbereitungsanlage mit Brechern und einer Flotationsanlage errichtet. Darüber hinaus entstand eine Stapelhalle und eine Eisenbahnverladung. 1965 waren auf dem Bergwerk 515 Menschen beschäftigt.

Durch die neue Verarbeitungstechnik war man nun in der Lage, den Schwefelgehalt auf 42 % zu steigern, die Körnung lag dabei aber deutlich unter einem Millimeter, womit diverse bisherige abnehmende Betriebe nicht arbeiten konnten. Die Produktion wurde zu etwa 95 % an die Schwefelsäurefabrik des VEB Bergbau- und Hüttenkombinates Freiberg geliefert. Die größte Schwefelmenge wurde 1971 mit 56559 Tonnen produziert. Die Roherzfördermenge lag im Jahr 1973 bei einem Maximum von 381.144 Tonnen. In den folgenden Jahren sanken die Mengen kontinuierlich ab. Seit 1978 importierte die DDR verstärkt elementaren Schwefel aus Polen. 1989, im letzten vollständigen Förderjahr, wurden 237.000 Tonnen Erz mit 30.500 Tonnen Schwefel gefördert. Die Zahl der Beschäftigten war bereits in der Zeit der DDR auf 427 Mitarbeiter gesunken. Durch den Einsatz modernerer Bergbauausrüstung erreichte die Grube eine Erzförderung von 50 Tonnen je Mann und Schicht, ein auch international - bezogen auf die Roherzmenge - beachtlicher Wert.[3]

Zentralschacht

Mit der politischen Wende des Jahres 1989 zeigte sich, dass die Kosten der Schwefelgewinnung im internationalen Vergleich deutlich zu hoch waren. Die Grube gehörte nun zur Treuhandanstalt. Am 1. Mai 1990 wurde durch Gesellschaftervertrag die Harzbergbau GmbH Elbingerode gegründet. Das Unternehmen war jedoch auf Zuweisungen durch die Treuhandanstalt angewiesen. Ausbleibende Zahlungen führten zu Schwierigkeiten bei der Lohnzahlung, so dass ein Kredit aufgenommen werden musste. Zunächst war geplant, die Produktion im Jahr 1991 einzustellen. Die tatsächliche Produktionseinstellung erfolgte dann jedoch bereits am 31. Juli 1990. Symbolisch wurde der letzte Förderwagen dann am 4. Dezember 1990, dem Tag der Heiligen Barbara, gefördert. Die Ausfahrt des besonders geschmückten Förderwagens fand jedoch unter den zu diesem Zeitpunkt noch 116 Beschäftigten nur wenig Beachtung. Insgesamt wurden etwa 13 Millionen Tonnen Erz gefördert.

Besucherbergwerk ab 1992[Bearbeiten]

Eine erste Idee, Teile der damals noch als volkseigener Betrieb Schwefelkiesgrube Einheit in Betrieb befindlichen Grube auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bestand bereits Anfang 1989. Der Technische Leiter der Grube schlug vor, die erste Sohle der Anlage für Besucher zugänglich zu machen. Die Idee wurde jedoch nicht verwirklicht.

Bereits im Februar 1990 hatten sieben Bergleute den Förderverein Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt e.V. gegründet. Die Zahl der Mitglieder stieg bis zum Jahr 2001 auf 45 Personen. Im Jahr 1990 wurde eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bewilligt, in der 21 ehemalige Werksangehörige am Aufbau des Besucherbergwerks arbeiteten. Für das Schaubergwerk benötigte Gebäude wurden saniert, andere abgerissen. Aus den tieferen Sohlen wurden geeignete Maschinen in den Schaubereich transportiert. Es wurden neue Gleise verlegt, alte Strecken befahrbar gemacht und eine Beleuchtung installiert. Hunte wurden zur Personenbeförderung umgebaut.

Eine erste Besichtigungsmöglichkeit bestand dann am 22. Mai 1992, eingeschränkte Führungen wurden ab Juli 1993 durchgeführt. Die Eröffnung des Besucherbergwerks erfolgte am 1. Juli 1994. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen liefen zugleich aus, es waren nun 13, später nur noch 9 festangestellte Mitarbeiter für das Besucherbergwerk tätig. Mit Fördermitteln wurde das Umfeld aufgewertet, so konnte der Betriebshof gepflastert werden. Die Zahl der Besucher stieg von 21.000 Personen im Jahr 1994 auf 35.000 im Jahr 2001. Im Jahr 2009 wurde der Betrieb des Besucherbergwerks eingestellt. Der Schauteil des Bergwerks wurde an eine Arbeitsfördergesellschaft verpachtet. Am 19. Dezember 2011 erfolgte die Wiedereröffnung des Besucherbergwerks.[4]

Der Gräfliche bzw. Fürstliche Stollen stellt den Beginn des heutigen Besucherbergwerks dar, der Obere Mühlentalstollen dient seit 1993 als Einfahrt zum Besucherbergwerk.

Wandern[Bearbeiten]

Drei Kronen und Ehrt ist als Nr. 61[5] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen. Die Stempelstelle befindet sich wenige Meter südöstlich vor dem Eingangstor (51.7637510.826583333333) des Besucherbergwerks.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Scheffler, Das Elbingeröder Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“, Elbingerode 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwefelkiesgrube Elbingerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sachsen-Anhalt-Viewer
  2. a b Horst Scheffler, Das Elbingeröder Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“, Elbingerode 2002, Seite 20
  3. Horst Scheffler, Das Elbingeröder Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“, Elbingerode 2002, Seite 23
  4. Hammerschläge auf den Hosenboden und "Fahrt frei!" ins Besucherberbergwerk, Artikel der Tageszeitung Volksstimme vom 20. Dezember 2011
  5. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 61 – Drei Kronen und Ehrt auf harzer-wandernadel.de