Dunganen

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Dieser Artikel behandelt die muslimisch-chinesische Minderheit der Dungan; zur gleichnamigen Sprache siehe Dunganische Sprache.
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Die Dunganen (chinesisch 東干族Pinyin dōng gān zú; russisch Дунгане) sind eine muslimisch-chinesische Minderheit, die vor allem in den ehemals zur Sowjetunion gehörenden zentralasiatischen Staaten lebt. Ihre Sprache, ein chinesischer Dialekt, ist Dunganisch (東干語); die beiden Hauptdialekte sind der Gansu- und der Shaanxi-Dialekt. Weltweit gibt es etwa 110.000 Dunganen.

Dunganische Frauen in Kasachstan

Herkunft der Volksgruppen[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Dunganen“ wird heute für Hui-Chinesen verwendet, die China verlassen haben und in Zentralasien leben. Es scheint in erster Linie eine Fremdbezeichnung für diese Bevölkerungsgruppen zu sein (siehe Begriffsherkunft), die sich inzwischen zu einem eigenständigen Namen entwickelt hat. Vor Gründung der Volksrepublik war der Begriff z.T. auch für die Hui innerhalb Chinas gebräuchlich.

Dunganen finden sich insbesondere in Kirgisistan, Kasachstan, Usbekistan aber auch in Russland. Die Vorfahren dieser Gruppen waren Hui-Chinesen, die während der muslimischen Aufstände in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts aus China flohen. Dunganen sind also ein ethnisches Gemisch bevorzugt chinesischer und zentralasiatischer Herkunft mit einer gemeinsamen Religion, dem Islam, wobei heutzutage noch die Verbindung von nordchinesischem Dialekt und kyrillischer Schrift hinzukommt (siehe Sprache/Schrift).

Die Isolierung von den Zentren des Islams führte auch zu Abweichungen in den religiösen Praktiken.

Dunganisches Restaurant in Bischkek

Hui-Aufstände des 19./20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Zu den Umständen, die im 19. Jahrhundert zur Emigration aus China führten:

1818, 1834-40 und 1855-73 erhoben sich die Muslime in Yunnan. Der Aufstand, ausgelöst durch die wirtschaftliche Rivalität zwischen han-chinesischen und islamischen Arbeitern, wurde blutig niedergeschlagen (sogenannte Panthay-Rebellion), eine Million Menschen verloren dabei ihr Leben.[1] Von 1862 bis 1878 kam es dann in den Provinzen Shaanxi, Gansu und Xinjiang zu den sogenannten „Dunganenaufständen“ gegen die chinesische Herrschaft, die parallel zum Hodscha-Aufstand in Kaschgarien (vgl. Jakub Bek) verliefen, zeitweise unabhängige Gebiete schufen und letztlich geschätzte 10 Millionen Tote forderten.[2] Im folgenden Jahrzehnt kam es zur verstärkten Auswanderung von Moslems ins Zarenreich.

Die Niederschlagung dieser Aufstände verstärkte die Tendenz zur Schaffung getrennter Wohnviertel und zur Ausübung von für diese Volksgruppen typischen Berufen. Um 1937 kam es erneut zu Unruhen unter den Hui in Gansu, unter Ma Zhongying (马仲英), die auch auf Xinjiang überzugreifen drohten.

Sprache/Schrift[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dunganische Sprache

Die Dunganische Sprache zählt zu den Sinotibetischen Sprachen und ist den Nordchinesischen Dialekten (Mandarin) sehr ähnlich, aber ungewöhnlich, da sie seit Sowjetzeiten (1952/53?) das kyrillische Alphabet benutzt.

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Der Ursprung des Ausdrucks "Dunganen" ist unsicher, beruht aber möglicherweise auf dem turkischen döñän/ dönen ("Konvertit"), was eine ähnliche Bedeutung wie das Wort Hui („rückkehren, umdrehen“) hat. Die Hui, die in West- und Zentralchina weit verbreitet sind, werden von türkisch- und tadschikisch-sprachischen Nachbarn „Dungan“ genannt. Das Wort kann auch einen Bezug auf die chinesische Provinz (Ost-)Gansu (东干) haben, die gerade im 19. Jh. von vielen Dunganen bewohnt wurde.

Bekannte Dunganen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam, S. 127 (Islam in China). Darmstadt 2001
  2. Vgl. Fischer Weltgeschichte Bd. 15, S. 291