Durst

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Dieser Artikel erläutert das biologische Grundbedürfnis; zu anderen Bedeutungen siehe Durst (Begriffsklärung).
Durst (Gemälde von William-Adolphe Bouguereau, 1886)

Durst (von althochdeutsch durst, ursprünglich „Trockenheit [in der Kehle]“) meldet das Existenzbedürfnis. Ihm folgt die Handlungsbereitschaft des (gesunden) Menschen oder des Tieres zu trinken.

Auftreten[Bearbeiten]

Er tritt bei Flüssigkeitsmangel bzw. Salzüberschuss auf. Sinkt der Wasseranteil im Körper um circa 0,5 %, signalisiert das Gehirn Durst. Bei einem Verlust von circa 10 % Flüssigkeit kommt es zu einem Trockenheitsgefühl im Mund und zu Sprechstörungen.

Flüssigkeitsbedarf[Bearbeiten]

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf eines Erwachsenen beträgt unter normalen Bedingungen etwa 2 Liter. Davon wird ein Teil über die Nahrung aufgenommen. Empfohlen wird derzeit häufig eine tägliche Trinkmenge von etwa 1,5 Litern, die aber auch von den individuellen Bedingungen abhängig schwanken kann (Wetterlage, physische Anstrengung etc.).

Lang anhaltender Mangel an Flüssigkeit kann die Nieren schädigen. Der allmähliche Wasserverlust in Gefäßen und im Gewebe heißt Exsikkose. Ihr Symptom: Eine frisch gezogene Hautfalte über dem Schlüsselbein bleibt „stehen“.

Physiologie[Bearbeiten]

Fehlt dem Körper Flüssigkeit, wird dies von Osmorezeptoren im Nucleus supraopticus des Hypothalamus registriert. Dies führt zum Auslösen eines Durstgefühls. Zudem kommt es zur Produktion des Antidiuretischen Hormons (ADH bzw. Vasopressin), welches – ausgeschüttet in der Neurohypophyse – die Wasserrückresorption in der Niere steigert und somit die Flüssigkeitsausscheidung reduziert.

Auch in der Niere sitzen Osmorezeptoren, welche über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System induzieren, wodurch die Nebennierenrinde vermehrt das Hormon Aldosteron ausschüttet. Auch dieses steigert die Wasserrückresorption durch vermehrte Na+-Rückresorption.

Durstgefühl[Bearbeiten]

Der Begriff Durstgefühl ist ein Pleonasmus, der verdeutlichen soll, dass ein Gefühl gemeint ist, dem nicht zwingend die Handlung des Trinkens folgt. Das Fehlen des Durstgefühls wird als Adipsie bezeichnet. Ein gesteigertes Durstgefühl wird als Polydipsie bezeichnet.

Sprache[Bearbeiten]

Aufgrund der in Mitteleuropa nahezu flächendeckend erreichbaren Wasservorkommen und der damit verbundenen jederzeitigen Möglichkeit, den Durst zu stillen, hat sich u. a. in der deutschen Sprache kein eigener Begriff zum Gegenteil von Durst entwickelt, wie dies in anderen Sprachen – speziell bei in trockenen Regionen ansässigen Völkern – der Fall ist. 1999 wurde dazu das Kunstwort sitt erfunden. Es soll das Fehlen von Durst, vergleichbar mit satt bei Hunger, bezeichnen.

Redewendungen[Bearbeiten]

  • Figurativ wird Durst auch als Bezeichnung für ein (heftiges) Verlangen benutzt: Durst nach Freiheit, Blutdurst.
  • Einen über den Durst trinken: mehr als sinnvoll oder verträglich von einem alkoholhaltigen Getränk trinken.
  • Durst ist schlimmer als Heimweh: eine Metapher für die Erfahrung, dass Lebensnotwendiges über Emotionalem steht (vgl. Maslowsche Bedürfnispyramide). Dem deutschen Landser während des Afrikafeldzugs zugeschrieben.
  • den Durst stillen

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]